Puskas-Arena in Budapest | Tibor Illyes/EPA-EFE/Shutterstoc

Supercup-Finale in Budapest "Die Veranstaltung ist ein Risiko"

Stand: 24.09.2020 11:20 Uhr

Eigentlich darf aus dem Ausland zurzeit niemand nach Ungarn einreisen. Doch für Zuschauer einiger Veranstaltungen gilt eine Ausnahme - so auch im Supercup-Finale. Aus Sicht der Kritiker ist das ein unüberschaubares Risiko.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Tausende Fans, Arm in Am, Jubel ohne Schutzmasken - so wie beim Champions-League-Qualifikationsspiel Ferencvaros gegen Dinamo Zagreb vor gut einer Woche in Budapest solle es heute beim Supercup-Finale nicht laufen - sagt Jenö Sipos, Sprecher des ungarischen Fußballverbands. "30 Prozent des Stadions darf man mit Zuschauern füllen. Für Fans sehr wichtig: Vor dem Eintreten ins Stadion wird am Eingang die Körpertemperatur gemessen. Außerdem gilt im Stadion Maskenpflicht: in Treppenhäusern, Gemeinschaftsräumen, am Büffett, in den Toiletten, überall. Und es wird empfohlen, dass man draußen auf der Tribüne auch eine Maske trägt."

Srdjan Govedarica ARD-Studio Wien

Einreise nur mit Test-Nachweis

Auch die ungarische Regierung sieht kein Problem darin, ein Fußballspiel mit Publikumsbeteiligung stattfinden zu lassen - trotzt steigender Coronazahlen. Eigentlich dürfen seit dem 1. September Menschen aus dem Ausland nicht mehr nach Ungarn einreisen. Doch seit dem 5. September gilt für Zuschauer internationaler Sportereignisse und kultureller Veranstaltungen eine Ausnahme: Sie dürfen für maximal 72 Stunden ins Land. "Die Frage ist, ob wir garantieren können, dass das Spiel keine Gefahr für ungarische Staatsbürger bedeutet", sagt der ungarische Kanzleramtsminister Gergely Gulyas. "Wenn wir es nicht garantieren können, werden wir keine Fans ins Land lassen, aber wenn wir es können, warum sollten wir die Fans nicht einreisen lassen?"

Erlaubt ist die Einreise aber nur mit negativen Coronatests. Das Konzept gehe epidemologisch gesehen in Ordnung, sagt Bela Merkely, Direktor der renommierten Semmelweißklinik in Budapest. "Wenn die Fans Masken tragen und nur jeder dritte Stuhl besetzt ist und das Spiel im Freien stattfindet, dann werden während dieser zwei Stunden keine nennenswerten pandemischen Geschehnisse passieren."

Virologe: "Die Veranstaltung ist ein Risiko"

Andere Experten sehen das weniger entspannt. Miklos Rusvai ist Virologe an der Szent-Istvan-Universität in Budapest. "Meiner Meinung nach ist diese Veranstaltung ein Risiko. Vom Standpunkt der Gesundheit betrachtet, würde ich gegen so ein Spiel stimmen, aber ich bin nicht derjenige, der das entscheidet."  

Die Kritik der ungarischen Opposition fällt deutlicher aus und zielt auf den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. So sprach sich der grün-liberale Bürgermeister von Budapest Gergely Karacsony vergeblich für ein Geisterspiel aus. Die Verantwortung liege bei denen, die die Entscheidungsgewalt haben, sagte er in einem Zeitungsinterview mit Blick auf die rechtsnationale Regierung. Ministerpräsident Orban war in seiner Jugend begeisterter Fußballer und steht in der Kritik, sehr viel Geld in die ungarische Fußballinfrastruktur zu pumpen. In diese Kerbe schlägt Balazs Barkoczi von der oppositionellen demokratischen Koalition. "Es ist verblüffend, dass für die Orban-Regierung das Hobby des Ministerpräsidenten - also das UEFA-Supercup-Finale - wichtiger ist als die eigenen Mitbürger." 

Zsolt Meyer aus Budapest hingegen freut sich auf das Spiel. Ja, ein bisschen Angst habe er schon, sagt der Bayern-Fan. Aber vor allem davor, dass die Publikumsbeteiligung doch noch auf den letzten Metern untersagt wird. "Wir sehen, dass es täglich mehr und mehr Fälle gibt; dass Anzahl der positiven Testungen steigt. Wir verfolgen die Lage mit Sorge. Und wir hoffen, dass jetzt nichts mehr geändert wird, und dass das Spiel mit Zuschauern organisiert wird."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. September 2020 um 06:20 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".