Joe Biden hält am "Super Tuesday" eine Rede vor seinen Anhängern.  | AP

"Super Tuesday" Sechs Erkenntnisse der Wahlnacht

Stand: 04.03.2020 12:43 Uhr

Nach dem "Super Tuesday" ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten offen. Zu den Erkenntnissen der Nacht gehört, dass sich Trump als Sieger und Bloomberg als Verlierer fühlen kann.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Bisher war es eine überraschende Nacht. In 14 US-Bundesstaaten wurde abgestimmt, wer für die Demokraten in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen soll. Bernie Sanders ging als Favorit ins Rennen, Joe Biden hatte zuletzt in South Carolina gut abgeschnitten, Mike Bloomberg trat zum ersten Mal überhaupt an, Elizabeth Warren kämpfte um ihr politisches Überleben, und andere wie Pete Buttigieg und Amy Klobuchar waren schon ausgestiegen. Das sind die ersten Erkenntnisse aus der Nacht:

Katrin Brand ARD-Studio Washington

1. Erfolg macht erfolgreich

Es ist erst ein paar Tage her, da war Bidens Kampagne so gut wie tot. Der frühere Vizepräsident von Barack Obama, ein Mann von fast 80 Jahren, galt zwar bei den landesweiten Umfragen als derjenige, der am ehesten Donald Trump schlagen könnte. Biden hatte aber bei den ersten Vorwahlen erschreckend schlecht abgeschnitten. So schlecht, dass sich die Experten fragten, wann der alte Herr wohl einsehen würde, dass er für einen jüngeren Kandidaten wie Buttigieg Platz machen müsste. Oder für eine Frau wie Klobuchar.

Seit den Vorwahlen in South Carolina am vorigen Samstag ist alles anders. Dort hat Biden mit den Stimmen der Afroamerikaner so deutlich gewonnen, dass nun Buttigieg und Klobuchar die Kandidaten von gestern sind. Biden hingegen hat am "Super Tuesday" auf einer Welle des Erfolgs reitend wenigstens neun Bundesstaaten gewonnen, darunter Texas, und wichtige Delegiertenstimmen eingesammelt.

2. Geld gewinnt keine Wahlen

Irgendwann in dieser Nacht könnte Bloomberg klar geworden sein, dass er Hunderte Millionen Dollar verbrannt hat. All das schöne Geld hat er in den vergangenen Wochen in Werbung gesteckt, ohne dass er am "Super Tuesday" auch nur in die Nähe der Nominierung gelangen konnte. Lediglich im Außengebiet Amerikanisch-Samoa gewann er ein paar Delegiertenstimmen.

Seine Dauerwerbesendung in eigener Sache hat ihn allerdings so bekannt gemacht, dass er genug Stimmen holen kann, um Biden weh zu tun. Beide bemühen sich um die Mitte der Wählerschaft, die Trump unbedingt absetzen möchte, beim Wort Sozialismus aber zusammenzuckt. Wenn Bloomberg nicht einsieht, dass Biden die besseren Chancen hat, dann wird er Biden an den nächsten Wahlterminen womöglich wichtige Delegiertenstimmen abnehmen. Und dann könnte am Ende keiner der beiden, sondern Sanders zum Kandidaten gekürt werden.

3. Nicht die Zahl der gewonnenen Staaten ist wichtig, sondern die Zahl der Delegierten

Die Landkarte sieht zum Ende dieser Nacht sehr beeindruckend für Biden aus. Von den 14 Staaten, die zur Wahl gegangen sind, hat er bisher neun gewonnen, Sanders nur drei. Das sagt aber wenig über Gewinner und Verlierer aus. Denn wichtig waren die Delegierten und die verteilten sich nach den Stimmanteilen. Und so war es im Laufe der Nacht ein Kopf-an Kopf-Rennen der beiden, das in einen Vorsprung für Biden mündete. Noch sind aber längst nicht alle der mehr als 1300 Delegiertenstimmen verteilt. Und Sanders kann durch einen Sieg im bevölkerungsreichsten Staat Kalifornien, wo er deutlich führt, noch aufholen.

4. Der nächste Präsident der USA wird ein wohlhabender alter weißer Mann sein

Das ist keine Wertung, sondern eine Tatsachenbeschreibung. Zwei weiße Männer, die auf die 80 zugehen und zudem gut betucht sind, wollen einen etwas jüngeren weißen Mann absetzen, der sich entgegen allen Gepflogenheiten bisher geweigert hat, seine Steuererklärung vorzulegen, mutmaßlich aber sehr reich ist. Alle drei sind sehr überzeugt davon, dass sie der jeweils beste Präsident für ein Land sind, in dem es mehr Frauen als Männer gibt und in dem es bald mehr Latinos, Menschen asiatischer Abstammung und Afroamerikaner als Weiße geben wird.

5. Der nächste Präsident der USA wird Donald Trump heißen

Noch ist nicht alles ausgezählt und ausgerechnet, aber es sieht sehr danach aus, dass dieser "Super Tuesday" zwar eine Trendmeldung, aber keine Vorentscheidung bei den Demokraten gebracht hat. Wenn es schlecht kommt und keiner der Bewerber die nötige Mehrheit an Delegiertenstimmen bekommt, wird der Spitzenkandidat erst beim Parteitag im Juli nominiert. Und wenn es richtig schlecht kommt, gibt es dort eine Kampfabstimmung nach einem langen, schmutzigen, innerparteilichen Gefecht, an dessen Ende sich mögliche Wähler ermüdet und angeekelt abwenden. Wer aber nicht wählen geht, wählt Trump. Denn der Präsident hat die vergangenen Monate gut genutzt, um seine Anhänger zu mobilisieren.

6. Nach dem "Super Tuesday" ist vor dem "Super Tuesday"

An diesem Dienstag war mehr als ein Drittel der Delegiertenstimmen zu holen, kein Tag der Vorwahlen wird so vollgepackt sein wie dieser Tag. Das heißt aber auch: Fast zwei Drittel der Stimmen sind noch auf dem Markt, viele weitere wichtige Entscheidungen werden kommen. Am 17. März stimmt Florida ab (219 Delegierte), am 28. April New York (274) und Pennsylvania (186). Der Nominierungsparteitag findet dann vom 13. bis 16. Juli in Milwaukee statt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. März 2020 um 07:30 Uhr.