Der Roboter-Barista liefert den bestellten Kaffee direkt an die Tische der Gäste. | Bildquelle: REUTERS

Corona-Krise in Südkorea Der Roboter als Barista

Stand: 26.05.2020 11:36 Uhr

Roboter haben in einem Café in der Stadt Daejeon menschliche Mitarbeiter fast vollständig ersetzt. Sie servieren den Gästen abstandsgerecht Kaffee. Nicht alle sind von den Vorteilen so überzeugt, wie die Erfinder.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Ein helles Café mit verglasten Scheiben, einigen Sofas und mehreren Tischen: Auf den ersten Blick sieht es hier in der Stadt Daejeon im Zentrum Südkoreas aus wie in jedem anderen Café, dabei ist hier alles Hightech. Zwei Roboter fahren mit viel Blingbling durch den großzügigen Raum.

Mit einem Schwung frischem Kaffee fahren die weißen Geräte zu den Kunden an den Tisch. Wer Zucker, Milch oder einen Strohhalm will, greift dem Roboter sozusagen an den Bauch. "Schmeckt genauso, als wäre er von Hand gemacht", sagt ein 35-jährige Südkoreaner nach dem ersten Testschluck.

Übrig bleibt ein menschlicher Mitarbeiter

Das Café ist vollautomatisiert. Insgesamt stehen 60 Getränke zur Auswahl. Bestellt wird per Knopfdruck, dann läuft das Getränk in den Becher, der Roboterarm schiebt es in den Wagen und dann geht’s zum Tisch.

Lee Dong-Bae ist Forschungsdirektor bei Vision Semicon. Das Unternehmen hat die Roboter gemeinsam mit einem staatlichen Institut entwickelt. "Unser System funktioniert von der Bestellung bis zum Servieren ohne menschliches Eingreifen. Und die Tische sind so platziert, dass sich die Roboter bequem bewegen können", sagt er der Nachrichtenagentur Reuters. Das passe ohnehin gut zu den gegenwärtigen Abstandsregeln.

Gäste an einem Terminal im Roboter-Café in der südkoreanischen Stadt Daejeon. | Bildquelle: REUTERS
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Die Gäste müssen nur an einem Terminal ihre Kaffee-Sorten aussuchen. Die Zubereitung übernimmt dann der Roboter.

Maximal sechs Getränke können die Maschinen pro Auftrag bearbeiten. In sieben Minuten ist alles fertig und ist damit schneller als so manche Bedienungen in südkoreanischen Caféröstereien. In dem ganzen Geschäft gibt es nur einen menschlichen Mitarbeiter, und der ist Mädchen für alles: Backen, sauber machen und nachfüllen.

Sorge um Teilzeitjobs

"In Coronazeiten können Roboter natürlich vorteilhaft sein", sagt eine Studentin. Sie gibt aber gleichzeitig zu bedenken: "Derzeit wird viel über Automatisierung gesprochen. Ich mache mir ein bisschen Sorgen, denn alle meine Freunde haben Teilzeitjobs in Cafés, und diese Roboter würden sie ersetzen." Dieser Trend würde die prekäre, finanzielle Situation vieler junger Menschen in Südkorea, die sich durch Corona noch zugespitzt hat, weiter verschlimmern. 

Nebenbei sieht man in dem Robotercafé auch, was die Technik nicht vermag zu lösen: Die Kunden sitzen nämlich schön eng an einem Sechsertisch zusammen.

Robotercafé in Südkorea
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
26.05.2020 10:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete hr-INFO Aktuell am 26. Mai 2020 um 09:00 Uhr.

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