Seoul | Bildquelle: AP

Corona in Südkorea Zu früh gefreut

Stand: 11.05.2020 08:50 Uhr

Südkorea hat erstmals wieder Corona-Beschränkungen verschärft. Grund: Am Wochenende gab es unter Seouler Nachtclub-Besuchern 26 neue Fälle. Nun versuchen die Behörden, die Infektionskette zu durchbrechen.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Die Party ist vorbei - in Seouls Ausgehviertel Itaewon. Alle Bars und Clubs mussten nach einer neuen Infektionswelle schließen. Hwang Eun-Hye wohnt in Itaewon, ist 27 Jahre alt und sichtlich frustriert, dass einige Leute offenbar sehr unvorsichtig waren: "Die Coronainfektionen sind zurückgegangen, weil sich viele Leute und vor allem auch das Krankenhauspersonal sehr bemüht haben. Der neue Ausbruch in den Nachtclubs macht mir Angst und enttäuscht mich. Die Leute sollten derzeit solche Orte meiden - oder besonders aufpassen."

Schluss mit lustig

Jetzt hat es sich in Seoul erstmals für die nächsten Wochen ausgetanzt: Bürgermeister Park Won Soon ordnete am Samstag die Schließung aller 2100 Nachtclubs und Discos in der Hauptstadt an. Wer gegen die Auflagen verstößt, muss mit harten Strafen rechnen.

Odiljon Abdullajev arbeitet in der Filiale einer Dönerkette in Itaewon - das Geschäft sei sofort wieder eingebrochen, wie er erzählt: "Das ist wirklich schlecht für uns, seit drei Tagen haben wir kaum noch Kunden. Normalerweise ist es an Wochenenden total voll, aber jetzt ist in allen unseren fünf Geschäften kaum was los."

Seoul | Bildquelle: AFP
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Alle Nachtclubs der Millionenmetropole Seoul bleiben vorerst geschlossen.

Suche nach Infektionsketten

Derzeit bemühen sich die Gesundheitsbehörden darum, alle Besucher der Clubs und Bars ausfindig zu machen, die sich gleichzeitig mit dem positiv getesteten Mann dort aufgehalten haben. Die Stadt geht von mehr als 5000 Menschen aus, aber erst die Hälfte habe man erreicht, so der Bürgermeister. Offenbar haben einige Besucher falsche Kontaktdaten angegeben, möglicherweise um der zweiwöchigen Selbstquarantäne zu entgehen, in die sich alle Besucher begeben sollen.

Für eine 49-jährige Passantin zeigt die jüngste Entwicklung vor allem eines: "Die Leute haben sich entspannt, weil sich die Situation verbessert hatte. Aber der Ausbruch in den Nachtclubs zeigt, wir sollten nicht zu lässig sein, denn wir wissen nicht, wann und wo sich das Virus verbreitet."

Regierung warnt vor zweiter Welle

Auch Südkoreas Präsident Moon Jae-In, dessen Regierung für den Umgang mit dem Coronavirus bisher viel Zuspruch erhielt, mahnte seine Landsleute, wachsam zu bleiben. "Es wird lange dauern, bis der Coronaausbruch endgültig vorbei ist. Wir sollten uns auch auf eine zweite Welle der Pandemie einstellen, die bereits viele Experten voraussagen."

Eigentlich rechnet die Regierung erst im Herbst oder Winter damit. Doch nun ist die Angst wieder da.

Corona: Südkorea fürchtet zweite Welle
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
11.05.2020 08:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2020 um 08:39 Uhr.

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