Obamas Asien-Pazifik-Politik Die USA, China und das Südchinesische Meer

Stand: 19.11.2011 11:28 Uhr

Unter Präsident Obama hat sich die US-Regierung immer stärker dem asiatisch-pazifischen Raum zugewendet. Dort aber sorgen sich vor allem die Anrainer des Südchinesischen Meers immer mehr wegen Chinas aggressiver Politik. Die USA fürchten einen neuen und sehr gefährlichen Konfliktherd.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Anti-chinesische Proteste in Hanoi
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Die chinesische Politik sorgt in den Anrainerstaaten für Ärger - wie hier im Juni auf einer Demonstration in Hanoi.

Egal, welches Land, egal, welches Problem in der Asien-Pazifik-Region - irgendwie geht es immer um China. Jedenfalls geht es nie an China vorbei. Ob bei der Atomwaffenmacht Nordkorea, ob bei Taiwan.

Doch da ist noch viel mehr. Viele amerikanische Asien-Kenner glauben, dass das Südchinesische Meer mindestens genauso wichtig geworden ist wie der Persische Golf, wenn es um erhoffte Bodenschätze geht, um Handelswege und seine militärstrategische Bedeutung. Nicht von ungefähr wurden die Zwischenfälle dieses Sommers von US-Medien aufmerksam registriert und von Washington mit Protest kommentiert. Die Philippinen beschuldigten China der Schikane gegen ihre Öl-Erkundungsschiffe, während Vietnam China bezichtige, seine Fischer zusammengeschlagen zu haben, hieß es da.

China räumte Zwischenfälle ein, verbat sich aber eine Einmischung: Es gehe um chinesisches Gewässer. Tatsächlich beansprucht China vier Fünftel des Territoriums für sich, darunter die 1000 Kilometer lange Küste vor Vietnam, wo seit den 1970er-Jahren große Öl- und Gasreserven entdeckt werden.

"Eine ziemlich feindselige Aktion auf See"

Dort sieht Washington den nächsten kreuzgefährlichen Konfliktherd. Außerdem gefährde China auch US-Wirtschaftsinteressen, erklärt Douglas Paal, Chef des Washingtoner Südasien-Institutes. Die Regierung in Peking habe amerikanische und andere internationale Öl-Unternehmen entmutigt, mit den Vietnamesen Verträge über die Ausbeutung der Lagerstätten zu unterzeichnen, die Vietnam für sich beansprucht: Anderenfalls, so die Chinesen, würden sie gegen die Interessen der Unternehmen vorgehen.

Erst vor kurzem hätten sie ein  Überwachungsschiff in "ziemlich eindeutig vietnamesische Gewässer" geschickt und die Kabel eines Erkundungsbootes zerschnitten, das im Auftrag eines Öl- und Gasunternehmens unterwegs war. "Eine ziemlich feindselige Aktion auf See", findet Paal. "Und so etwas kann ziemlich schnell dazu führen,  dass Kriegsschiffe zum Schutz von Wirtschaftsunternehmen losgeschickt werden."

In Wahrheit geht es um US-Spionageschiffe

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Auch sonst wirft das Weiße Haus China ständig vor, die Freiheit der Schifffahrt zu behindern. Unsinn, antworten die Chinesen ebenso regelmäßig: Jährlich bewegen sich 90.000 Handelsschiffe völlig frei auf dem Südchinesischen Meer, auch die amerikanischen. Doch beide wissen, dass es in Wahrheit um US-Spionageschiffe geht, die China überwacht und behindert. Was wollen die Amerikaner dort auch?

Der langjährige CIA-Analyst und spätere Asien-Diplomat Paal sagt, China erweitere und modernisiere gerade seine See- und Luftstreitkräfte: "Es liegt im Interesse der USA,  zu wissen, wie und wo China diese  Fähigkeiten einsetzt". Deshalb beobachte man  routinemäßig den Verlauf von Kanälen in den Gewässern und Muster beim Auslaufen ihrer U-Boote. "China hätte es lieber, wir wüssten es nicht. Wir wollen unbedingt wissen, wo sie sich befinden, so dass wir im Krisenfall damit umgehen können."

Südchinesisches Meer
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Das Südchinesische Meer bekommt eine immer größere strategische Bedeutung. Die Anrainer versuchen, ihren Einfluss zu stärken.

Hoffen auf Ruhe in der neuen Region Nummer eins

US-Präsident Obama hat jedenfalls klargestellt: Dies ist fortan die Region Nummer eins für Amerika. Es baut die Präsenz kräftig aus - von einem Freihandelsabkommen mit derzeit acht Anrainerstaaten bis hin zu dauerstationierten US-Soldaten in Australien.

Die schwelenden Probleme am Südchinesischen Meer können "ziemlich leicht explosiv werden", und man wolle, "dass die Probleme friedlich gelöst werden", sagt Paal. "Es ist deutlich preiswerter, Ruhe und Ordnung zu bewahren als immer wieder in Konflikte eingreifen zu müssen. Das wissen gerade wir ziemlich gut."

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