ANC-Delegierte warten auf den Beginn des Parteitags. | Bildquelle: AP

ANC-Parteitag Ein Hoffnungsträger für Südafrika?

Stand: 16.12.2017 15:34 Uhr

Die südafrikanische Regierungspartei ANC wählt auf ihrem Parteitag einen Nachfolger für den Vorsitzenden Zuma. Da dessen zweite Amtszeit als Präsident 2019 endet, dürfte damit auch eine Vorentscheidung über den Spitzenkandidaten bei der nächsten Präsidentenwahl fallen.

Die Delegierten der südafrikanischen Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) wählen einen neuen Parteichef. Dem bisherigen Parteichef und Staatspräsidenten Jacob Zuma werfen Gegner seit Jahren Korruption, Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch vor.

Um seine Nachfolge bewerben sich sieben Kandidaten. Als aussichtsreichste Bewerber gelten Zumas Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zuma und der als wirtschaftsfreundlich geltende Vizepräsident Cyril Ramaphosa.

Die Ex-Frau soll es richten

Der künftige ANC-Chef - oder die künftige Chefin - hat gute Aussichten, Zuma bei den Wahlen 2019 auch als Präsident abzulösen. Die 68-Jährige Dlamini-Zuma versprach, sich für die schwarze Mehrheit im Land einsetzen zu wollen. Ihre Kritiker werfen ihr vor, dass ihr Ex-Mann sie als "Marionette" benutzt habe und dass sie ihm zu juristischer Immunität verhelfen wolle.

Wenige Stunden vor dem Parteitag ging Zuma auf eines der kontroversesten Themen seiner Präsidentschaft ein: Er versprach, Hochschulbildung für den Großteil der Studenten ab dem kommenden Jahr kostenlos anzubieten.

Die Forderung nach kostenloser Bildung hatte landesweit zu gewaltsamen Demonstrationen von Studenten geführt. Wie Zuma das Projekt finanzieren will, teilte er nicht mit. Die südafrikanische Wirtschaft entwickelt sich seit Jahren nur schleppend, die Arbeitslosenrate ist mit mehr als 27 Prozent auf einem Rekordhoch.

Scharfe Kritik am Zuma-Clan

Der andere aussichtsreiche Kandidat für den Posten des Parteichefs, der 65-jährige Ramaphosa, ist ein wohlhabender Geschäftsmann und ehemaliger Gewerkschaftschef. Seine Anhänger üben scharfe Kritik am Zuma-"Clan". Der Delegierte Tefu Velaphi etwa nannte Zumas Erbe "desaströs". "Er interessiert sich nur für sich und seine Freunde", warf er dem Präsidenten vor.

Zuma steht seit zehn Jahren an der Spitze der Partei des 2013 gestorbenen Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela. Im vergangenen Jahr verlor die Partei bei Wahlen das Rathaus der größten südafrikanischen Stadt Johannesburg und das der Hauptstadt Pretoria. Die Beliebtheit des ANC, der seit dem Ende der Apartheid 1994 ununterbrochen in Südafrika an der Macht ist, hat unter Zuma stark gelitten.

Die Abstimmung über eine neue Parteiführung steht voraussichtlich am Sonntag auf dem Plan.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Dezember 2017 um 16:00 Uhr.

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