Blick in die ausgebrannte Bibliothek der Universität von Kapstadt. | AP

Großbrand am Tafelberg "Retten, was noch da ist"

Stand: 23.04.2021 16:26 Uhr

Das tageslang wütende Feuer am Tafelberg hat viel zerstört. An der Universität Kapstadt werden die Schäden nun sichtbar. Sehr seltene historische Dokumente sind verbrannt. Und doch ist nicht alles verloren.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Studierende sortieren Spenden: Wasserflaschen, Brot und Kleidung. Am oberen Campus der Universität Kapstadt stehen Zelte und Container, Kräne sind damit beschäftigt, die verbrannten Gebäudeteile abzutragen - von oben nach unten. Die unteren Teile der Bibliothek sind gesichert - dort herrscht ein emsiges Treiben, sagt Michal Singer, die die Sondersammlungen im Archiv betreut. "Was passiert ist, ist eine Tragödie, vieles ist zerstört", sagt sie. "Wir können uns nur darauf konzentrieren, das zu retten, was noch da ist".

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

Tatsächlich sind sehr seltene, ja einzigartige Bücher verbrannt, Jahrhunderte alt, von denen es weltweit nur einzelne gab. Den Wert könne man gar nicht bemessen, sagt die Chefin der abgebrannten Jagger-Bibliothek, Ujala Satgoor. "Die Kosten werden ohnehin in die Millionen gehen, das macht uns schon Sorgen. Die menschlichen Bürden, die psychologischen und emotionalen Folgen, das sollte man aber nicht unterschätzen", fügt sie hinzu. "Zum Beispiel haben Menschen der Universität wertvolle Dokumente anvertraut, Forschungsergebnisse, Familien-Unterlagen, Schreiben und Urkunden mit historischer und politischer Bedeutung - damit müssen wir auch umgehen."

"Ich weiß, was ich verloren habe"

Der Schock sitzt tief, gibt auch Timm Hoffmann zu, der die Abteilung für Pflanzenschutz leitet. Auch Tage, nachdem das Feuer gelöscht wurde, sagt er, es sei katastrophal gewesen, massiv. Seine Fakultät befand sich in einem hölzernen Gebäudeteil, von Anfang an sei ihm klar gewesen, dass das Feuer zerstörerisch ist, erzählt der Professor. Wie sehr, das sei tatsächlich ein Verarbeitungsprozess.

"Ach, ich habe 20 Jahre lang in dem Büro gelebt. Ich habe im Kopf, wo jeder Aktenordner war, jede Kiste mit Dias, jede Sammlung, was wo in jedem der Schränke war", erinnert er sich. "Man hat quasi eine Karte vom eigenen Leben, mit der Arbeit verbringe ich ja acht, zehn, zwölf Stunden am Tag. Ich weiß ziemlich gut, was alles fehlt, was ich verloren habe, aber die Details fallen mir so langsam ein, herrje, dieses fehlt, und meine Güte, was ist denn mit jenem?"

"Nicht alles ist zerstört"

Die Erschütterung ist nicht in jeder Abteilung gleich. Klar ist: Die weltweit einmalige Sammlung afrikanischer Filme, die im oberen Stockwerk lagerte, wurde unwiederbringlich zerstört. Aber die einzigartige Sammlung afrikanischer Archive ist nicht komplett verloren, sagt Michal Singer. "Nicht alles ist zerstört, die Manuskripte, eine Menge der seltenen Bücher - die waren im Untergeschoss und sind nicht verbrannt. Wir haben damit angefangen, die empfindlichsten Materialien und die wertvollsten Kulturgüter aus dem Gebäude zu holen, das machen wir nach und nach. Aber grundsätzlich betrachten wir natürlich alles darin als besonders."

Die Herausforderungen bleiben für die Fachwelt: Was aus dem Bibliotheksgebäude geholt werden kann, muss danach nochmals gerettet werden. Denn das Löschwasser hat den Büchern und Dokumenten auch geschadet, die große Gefahr nach dem Feuer ist Schimmelbildung. Experten arbeiten schon mit Hochdruck an diesem Problem. In jedem Fall aber wird es sehr lange dauern, bis das Gebäude und die Bibliothek wieder eröffnet werden kann.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. April 2021 um 14:50 Uhr.