Der Theewaterskloof-Staudamm bei Kapstadt | Bildquelle: REUTERS

Dürre in Südafrika Kapstadt schöpft wieder Hoffnung

Stand: 23.02.2018 16:14 Uhr

Erst war "Day Zero" für Mitte April errechnet worden. Dann für den Mai, später für Juni. Nun hofft man in Kapstadt, dass das Versiegen der Wasserversorgung ganz vermieden werden kann.

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Südafrika

Tausende von Menschen stehen vor den Wasserverteilstationen Schlange. Grimmig dreinblickende Soldaten achten darauf, dass niemand mehr Wasser zapft, als die ihm zustehenden 20 Liter am Tag. Immer wieder kommt es in den Wartschlangen zu Unruhen und Gewalt. Polizisten müssen Streit schlichten und das Verkehrschaos in den Griff kriegen, das vor den Verteilstationen herrscht.

So sieht das Schreckensszenario für den sogenannten "Day Zero" in Kapstadt aus - den Tag, an dem wegen Wassermangels die Wasserhähne für einen Großteil der Bevölkerung abgestellt werden müssten. Ursprünglich drohte "Day Zero" für Mitte April. Aber nun ist Tim Harris von der Marketing-Agentur der Provinz Westkap optimistisch: "Day Zero" wird vermutlich nicht kommen.

Der Theewaterskloof-Staudamm bei Kapstadt | Bildquelle: REUTERS
galerie

Noch gibt es Wasser im Theewaterskloof-Staudamm bei Kapstadt. Aber der Pegel ist sehr niedrig.

Warum die Lage sich entspannt

Für diesen vorsichtigen Optimismus gebe es zwei Gründe, sagt die für Wasser zuständige Stadträtin Xanthea Limberg. Im vergangenen Monat sei eine Wende geschafft worden. Die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region haben laut Limberg ihren Wasseranteil für diese Saison ausgeschöpft und bekommen vorerst kein Wasser mehr. Zudem hätten die Bewohner von Kapstadt ihren Verbrauch nochmal deutlich verringert.

Das bedeutet: Die Wasservorräte in den sechs Dämmen, die die Stadt mit Trinkwasser versorgen, halten länger. Rein rechnerisch gesehen kommt es erst am 9. Juli zu "Day Zero". Weil Kapstadt dann aber in der Regensaison sein dürfte, sollte dieser kritische Tag vermieden werden können. Natürlich nur dann, wenn die Menschen in der Millionenmetropole weiter eisern sparen.

Gesperrtes Schwimmbad in Kapstadt | Bildquelle: REUTERS
galerie

Das Schwimmvergnügen fällt aus: Viele öffentliche Bäder wurden in Kapstadt geschlossen.

Die Regeln sind streng

Nach der extremen Dürre der vergangenen drei Jahre gelten in Kapstadt strenge Regeln für den Wasserverbrauch. Die rund vier Millionen Einwohner dürfen am Tag nur noch 50 Liter Wasser pro Kopf verbrauchen. Das Waschen von Autos und das Füllen von Pools ist verboten. Wer zu viel Wasser verbraucht, muss mit Geldstrafen rechnen.

Bis jetzt haben sich die Capetonians ziemlich vorbildlich gezeigt: Sie haben ihren Wasserverbrauch in den vergangenen zwei Jahren halbiert. Momentan liegt er bei etwa 60 Litern pro Kopf am Tag. In Deutschland liegt er bei mehr als 120 Litern.

Bewohner von Kapstadt füllen im Januar 2018 Wasser in Kanister. | Bildquelle: NIC BOTHMA/EPA-EFE/REX/Shutterst
galerie

Im Januar war die Sorge noch groß: Vorsorglich füllten Bewohner von Kapstadt Kanister mit Wasser.

Das Problem bleibt

Gleichzeitig ist Stadträtin Limberg aber klar: Selbst wenn die Dürre der vergangenen Jahre ein extrem seltenes Phänomen war und es in diesem Jahr wieder mehr regnen sollte - mittelfristig muss sich Kapstadt auf ein trockeneres Klima einstellen.

Die globale Erwärmung, sagt sie, sei nun einmal Realität, darauf müsse man sich einstellen."Deshalb werden wir alternative Wasserquellen nutzen. Wir bauen Entsalzungsanlagen, werden Grundwasser anzapfen und Abwasser aufbereiten."

Die Verantwortlichen der Stadt wollen die Krise als Chance nutzen: Kapstadt soll zum Vorreiter in Sachen Dürre-Widerstandskraft und so zum Vorbild für viele andere Städte weltweit werden, die vom Klimawandel betroffen sind.

Der Tourismus boomt dennoch

Die Urlauber scheint die Wasserknappheit nicht abzuschrecken. Laut Margie Whitehouse vom südafrikanischen Tourismusbüro sind die Buchungszahlen nicht heruntergegangen, im Gegenteil: In den nächsten Wochen und Monaten werden vor allem aus Deutschland mehr Besucher in Kapstadt erwartet als im Vorjahr.

Und auch sie spielen eine wichtige Rolle beim Wassersparen. Das Büro ermuntere sie, erzählt Whitehouse, ein Teil der Lösung des Problems zu sein. "Und wir sehen: Die Touristen machen da sehr gerne mit."

Kapstadt hofft: "Day Zero" wird wohl vermieden
J.-P. Schlüter, ARD Johannesburg
23.02.2018 16:21 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Februar 2018 um 17:15 Uhr.

Darstellung: