Wahl in Südafrika ANC steht trotz Verlusten vor Sieg

Stand: 09.05.2019 22:01 Uhr

Südafrikas Regierungspartei rutscht nach ersten Auszählungsergebnissen ab. Nur 57 Prozent der Wähler gaben dem ANC ihre Stimme. Präsident Ramaphosa wird aber damit ohne Partner weiterregieren können.

Für die einst stolze Partei des Anti-Apartheid-Kämpfers Nelson Mandela ist es ein schlechtes Ergebnis: Nach der Auszählung von etwa der Hälfte der abgegebenen Stimmen ist der Afrikanische Nationalkongress (ANC) bei der Parlamentswahl von 62 Prozent im Jahr 2014 auf nunmehr 57 Prozent abgerutscht, wie die Wahlkommission erklärte.

Beobachter hatten angesichts der Unzufriedenheit im Land wegen Korruptionsskandalen, Arbeitslosigkeit und anhaltender Armut mit solchen Verlusten gerechnet.

Damit zeichnet sich einer der schlechtesten Werte für die Partei von Präsident Cyril Ramaphosa seit der Überwindung der Rassentrennung und den ersten demokratischen Wahlen 1994 ab. Der ANC wird aber aller Voraussicht wieder allein die nationale Regierung stellen können.

Ramaphosa hatte bereits am Mittwoch angekündigt, sein Kabinett umzubilden und der Korruption den Kampf angesagt. Der 66-Jährige gelangte im vergangenen Jahr an die Spitze des ANC, nachdem der damalige Präsident Jacob Zuma nach einer Reihe von Korruptionsskandalen zum Rücktritt gedrängt worden war.

Cyril Ramaphosa | Bildquelle: REUTERS
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Präsident Ramaphosa will jetzt sein Kabinett umbilden.

Zehn Millionen Nichtwähler

Die führende Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA) legte demnach leicht von 22 auf knapp 24 Prozent der Stimmen zu. Die linksgerichtete Partei der Wirtschaftlichen Freiheitskämpfer (EFF) kletterte von sechs auf neun Prozent. Eine Partei der weißen Minderheit, VF Plus, legte von 0,9 auf knapp drei Prozent zu.

Rund 27 Millionen Südafrikaner waren aufgerufen gewesen, die 400 Abgeordneten des Parlaments in Kapstadt sowie Provinzvertretungen zu wählen. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 65 Prozent einen historischen Tiefststand, wie die vorläufigen Ergebnisse zeigten. Rund zehn Millionen Menschen haben demnach auf ihr Wahlrecht verzichtet, darunter die meisten Erstwähler.

Ramaphosas Popularität und sein Versprechen eines "neuen Zeitalters" gelten als Grund dafür, dass es für den ANC erneut für die absolute Mehrheit reicht. Doch der Unmut der Bevölkerung wächst, da es der Partei nach dem Ende der Apartheid bisher nicht gelungen ist, Armut und soziale Ungleichheit im Land einzudämmen. Das Wirtschaftswachstum betrug 2018 nur 0,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 27 Prozent. Jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos.

Südafrika hat gewählt
Jana Genth, ARD Johannesburg
10.05.2019 08:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Mai 2019 um 18:00 Uhr.

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