Demonstranten gehen an einem brennenden Autoreifen in Khartum vorbei. | AFP

Sudan Erneut Proteste gegen Militärführung

Stand: 04.01.2022 17:01 Uhr

Die Proteste im Sudan reißen nicht ab: Erneut gingen Tausende Menschen auf die Straße, um für eine zivile Regierung zu demonstrieren. Dabei kam es auch zu Ausschreitungen, Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

Im Sudan haben in mehreren Städten erneut zahlreiche Menschen gegen die Militärführung demonstriert. Tausende gingen in Khartum und Omdurman auf die Straße, um die Wiedereinsetzung einer zivilen Regierung zu fordern. Online veröffentlichte Bilder zeigten junge Demonstranten singend, trommelnd und sudanesische Fahnen schwenkend.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf Augenzeugen, Sicherheitskräfte hätten Tränengas eingesetzt, um die Menge auseinanderzutreiben. Rund um den Präsidentenpalast und das Armeehauptquartier waren demnach zahlreiche Soldaten und Polizisten sowie paramilitärische Einheiten stationiert. 

Die Demonstranten riefen "Nein zur Militärherrschaft" und forderten die Armee auf, in die Kasernen zurückzukehren. Im Osten Khartums hätten Protestierende Autoreifen verbrannt und Barrikaden aus Steinen errichtet, berichtete eine Augenzeugin. Auch in Port Sudan und anderen Städten gingen Gegner der Militärführung auf die Straße. 

Lage seit Putsch im Oktober angespannt

Die seit dem Putsch im Oktober angespannte Lage in dem Land hatte sich am Sonntag mit dem Rücktritt von Premierminister Abdullah Hamdok verschärft. Sudans oberster General Abdel Fattah al-Burhan hatte bei dem Putsch den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt, die nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir 2019 den Übergang zu demokratischen Wahlen hatte leiten sollen. Es folgten Massenproteste, im November wurde der entmachtete Regierungschef Hamdok unter dem Druck aus dem In- und Ausland wieder eingesetzt. Die Proteste dauerten dennoch an.

Am Sonntagabend erklärte Hamdok schließlich seinen Rücktritt. Er beklagte die "Zersplitterung der politischen Kräfte" in dem Land und die Konflikte zwischen den militärischen und zivilen Teilen der Übergangsregierung. Es sei ihm nicht gelungen, einen Kompromiss zwischen den Generälen und der prodemokratischen Bewegung zu finden. Der Sudan habe einen "gefährlichen Wendepunkt überschritten, der sein Überleben bedroht", so Hamdok.

Ärzteorganisation: 60 Tote, viele Verletzte

Seit dem Putsch wurden nach Angaben einer sudanesischen Ärzteorganisation fast 60 Demonstranten getötet und Hunderte Menschen verletzt. Die Protestbewegung besteht auf einer vollständig zivilen Regierung, die den Übergang zur Demokratie führen soll. Die Generäle lehnen das ab und erklären, die Macht könne nur an eine gewählte Regierung übergeben werden. Gemäß einem Verfassungsdokument, das die Übergangszeit regelt, sind für Juli 2023 Wahlen geplant.

Das Militär hatte 2019 nach Massenprotesten den langjährigen Machthaber al-Baschir gestürzt. Starker Mann ist derzeit der Chef des Souveränen Rats, al-Burhan. Er kündigte an, nach Hamdoks Rücktritt solle ein "unabhängiges Kabinett" mit "spezifischen Aufgaben" gebildet werden. Das Militär werde "den demokratischen Übergang schützen", bis das Land in der Lage sei, freie und faire Wahlen abzuhalten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Januar 2022 um 17:00 Uhr.