In Khartum gehen Menschen gegen die Regierung auf die Straße, einige halten eine große Landesflagge über den Köpfen. | Bildquelle: AFP

Demonstrationen in Khartum Mehrere Tote bei Protesten im Sudan

Stand: 10.04.2019 21:20 Uhr

Seit Monaten gehen die Menschen im Sudan gegen den autoritär regierenden Präsidenten al-Baschir auf die Straße. Nun schlagen die Proteste zunehmend in Gewalt um: In der Hauptstadt Khartum gab es mehrere Tote.

Ein seit dem Wochenende andauernder Sitzstreik in der sudanesischen Hauptstadt Khartum ist in gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Protestteilnehmern und Sicherheitskräften umgeschlagen. Der Informationsminister des Landes, Hassan Ismail, berichtete von mindestens elf Menschen, die bei den Zusammenstößen am Mittwoch ums Leben kamen, darunter sechs Sicherheitskräfte. Aktivisten sprachen von bis zu 14 Toten.

Algerien als hoffnungsvolles Vorbild

Seit mehreren Monaten wachsen die Proteste im Sudan an. Nachdem die Algerier ihren Langzeitherrscher Abdelaziz Bouteflika aus dem Amt drängen konnten, sind die Kundgebungen so groß geworden, wie lange nicht mehr. Viele sehen in dem Ergebnis der Proteste in Algerien ein mutmachendes Signal, wie einige Demonstranten es ausdrücken: "Ich hoffe, dass auch die sudanesische Revolution Erfolg hat. Ganz gewiss wollen wir jungen Leute einen Wandel."

Vermutlich Hunderttausende demonstrierten während der vergangenen Tage in Khartum und andernorts gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir, der das Land seit 30 Jahren autoritär regiert.

Der sudanesische Präsident Omar al-Baschir. | Bildquelle: dpa
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Seit 30 Jahren im Amt: der sudanesische Präsident Omar al-Baschir.

Sitzstreik dauert seit Tagen an

Am Wochenende hatten sich nahe des Verteidigungsministeriums in Khartum dann Regierungskritiker zu dem Sitzstreik versammelt. Immer wieder versuchen seitdem Sicherheitskräfte, die Aktion aufzulösen. Aus den Reihen der Protestierenden hieß es, seit Beginn des Sitzstreiks seien insgesamt mehr als 20 Menschen getötet worden.

Allerdings gab es auch Berichte über Soldaten, die sich mit den Protestierenden solidarisiert und sich schützend vor sie gestellt hätten.

Proteste ursprünglich wegen schwacher Wirtschaft

Die Proteste hatten im Dezember begonnen. Auslöser waren steigende Brotpreise, eine galoppierende Inflation und ein Mangel an Bargeld. Die schwere wirtschaftliche Krise hat die Protestwelle zur bisher größten Herausforderung für Baschir anschwellen lassen, seit dieser 1989 durch einen Militärputsch an die Macht kam. 

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2019 um 05:45 Uhr.

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