Soldaten der sudanesischen Armee in Khartum. | Bildquelle: AFP

Vorwurf von Amnesty International Giftgas-Einsatz in Darfur?

Stand: 29.09.2016 07:40 Uhr

Seit 13 Jahren herrscht in der sudanesischen Unruheprovinz Darfur Bürgerkrieg. Nun erhebt Amnesty International schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Khartum: Sie soll chemische Kampfstoffe wie Senfgas gegen Zivilisten eingesetzt haben. Der Sudan wies dies zurück.

Sudans Regierung hat laut einem Bericht von Amnesty International in der Krisenregion Darfur in mindestens 30 Fällen Zivilisten mit Chemiewaffen angegriffen. 200 bis 250 Menschen seien seit Jahresbeginn bei solchen Attacken in der Region Jebel Marra getötet worden, hieß es in dem Bericht der Menschenrechtsorganisation.

Videos von schreienden Kindern

Amnesty beruft sich nach eigener Darstellung auf die Auswertung von Satellitenbildern und Interviews. Bei den meisten Opfern handele es sich um Kinder. Die ausgewerteten Bilder und Videos zeigten schreiende Kinder, die Blut spuckten und um Atem rangen, nachdem sie chemischen Giften ausgesetzt gewesen seien, erklärte die zuständige Amnesty-Vertreterin Tirana Hassan.

Chemiewaffen-Experten zufolge legten die Beweise nah, dass es sich um Kampfstoffe wie Senfgas gehandelt habe. Der Einsatz von Chemiewaffen sei ein Kriegsverbrechen, so Hassan. "Der Umstand, dass die sudanesische Regierung sie wiederholt gegen das eigene Volk einsetzt, kann einfach nicht ignoriert werden."

Sudanesische Regierung weist Vorwürfe zurück

Die sudanesische Regierung wies die Anschuldigungen zurück. Der UN-Botschafter des Landes, Omer Dahab Fadl Mohamed, sagte, die Vorwürfe seien völlig unbegründet. Der Sudan besitze gar keine chemischen Waffen. Der Bericht von Amnesty sei ein Versuch, Frieden und Stabilität zu untergraben.

Der sudanenische Präsident Omar Al-Bashir. | Bildquelle: picture alliance / AA
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Sudans Präsident Omar al-Bashir soll verantwortlich sein für weitere Kriegsverbrechen in Darfur.

Seit 13 Jahren herrscht in Darfur, im Westen des Landes, Bürgerkrieg, in dem Armee und verbündete arabische Milizen gegen Rebellengruppen kämpfen. Die Regierung des ostafrikanischen Landes startete Anfang des Jahres eine groß angelegte Offensive gegen die Rebellengruppe SLA in der Bergregion Jebel Marra.

Millionen von Flüchtlingen

Die Regierung der islamischen Republik soll in Darfur gezielt gegen christliche Bevölkerungsgruppen vorgehen. Mehr als 200.000 Menschen wurden Schätzungen zufolge seit Ausbruch des Konflikts getötet, etwa zwei Millionen vertrieben. Nach UN-Angaben haben mehr als 80.000 Menschen in der Region allein in diesem Jahr ihr Zuhause verloren.

Mehrere sudanesische Regierungspolitiker, darunter Präsident Omar al-Baschir, sind wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in Darfur vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Fahndung ausgeschrieben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. September 2016 um 09:00 Uhr.

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