Ein sudanesischer Demonstrant hält ein Banner hoch. | Bildquelle: AFP

Gewalt gegen Demonstranten Afrikanische Union schließt Sudan aus

Stand: 06.06.2019 15:54 Uhr

Nach dem gewaltsamen Vorgehen des Militärs gegen Demonstranten im Sudan ist der Staat mit sofortiger Wirkung aus der Afrikanischen Union ausgeschlossen worden. Das soll den Druck für eine Lösung erhöhen.

Nach der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste im Sudan hat die Afrikanische Union das Land von der Organisation suspendiert. Ab sofort werde die Teilnahme des Sudans von allen Aktivitäten so lange ausgenommen, bis eine zivil geführte Übergangsregierung eingerichtet sei, gab die Afrikanische Union via Twitter bekannt. Dies sei der einzige Weg, der den Sudan aus der derzeitigen Krise führen könne.

Nach drei Jahrzehnten an der Macht war Sudans Präsident Omar al-Baschir im April von den Streitkräften gestürzt worden, nachdem er das Land mit harter Hand regiert hatte. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seitdem ringen das Militär und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung. Die Gespräche wurden vor einigen Wochen abgebrochen, da sich beide Seiten nicht einigen konnten, wer in der Regierung das Sagen haben sollte.

Sitzblockade gewaltsam aufgelöst

Am Montag begann die Situation dann weiter zu eskalieren: Sicherheitskräfte lösten gewaltsam eine Sitzblockade in der sudanesischen Hauptstadt Khartum auf. Diese Sitzblockade hatte Wochen angedauert und maßgeblich zum Sturz von Präsident Omar al-Baschir beigetragen.

Demonstranten in Khartum errichten Barrikaden aus brennenden Reifen und Pflastersteinen. | Bildquelle: AFP
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Demonstranten in Khartum errichten Barrikaden aus brennenden Reifen und Pflastersteinen.

Zur Zahl der Opfer der Gewalt der vergangenen Tage gibt es unterschiedliche Angaben. Nach Angaben eines Ärzteverbands stieg die Zahl der Toten inzwischen auf mehr als 100, die der Verletzten auf 500. Das sudanesische Gesundheitsministerium bestritt der staatlichen Nachrichtenagentur Suna zufolge die Zahl der Toten und sagte, es seien nicht mehr als 46 Menschen gestorben.

Medizinische Versorgung schwierig

Sicherheitskräfte in Khartum sowie anderen Städten des Sudans gehen weiter gegen Zivilisten vor, wie das Gewerkschaftsbündnis SPA berichtete. Einige Menschen seien in ihren Häusern von Sicherheitskräften getötet worden, teilte der Ärzteverband mit. Ärzte haben demnach große Schwierigkeiten, die Verletzten zu behandeln, da viele Krankenhäuser entweder nicht zugänglich oder überfüllt sind und es an Ärzten mangelt. In weiten Teilen des Landes waren Internet und Mobilnetze weiterhin eingeschränkt oder abgeschaltet.

Nach der Gewalt zum Wochenbeginn hatte die Militärführung im Land zunächst die Verhandlungen mit der Opposition beendet und alle Zugeständnisse aufgekündigt. Doch nach massivem internationalen Druck erklärte sich der militärische Übergangsrat dann doch bereit, die Gespräche wiederaufzunehmen. Die Opposition winkte aber ab.

Der Sudan im Nordosten Afrikas mit 41 Millionen Einwohnern gehört zu den 25 ärmsten Ländern der Welt und steckt in einer schweren Wirtschaftskrise, was der größte Auslöser der Massenproteste war.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juni 2019 um 06:24 Uhr.

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