Sudanesische Rapid Support Forces in Khartum. | Bildquelle: AFP

Nach Gewalt gegen Sitzblockade Sudans Militärrat lässt Soldaten festnehmen

Stand: 11.06.2019 03:18 Uhr

Mehr als 100 Menschen sollen bei der Auflösung eines Protestlagers im Sudan getötet worden sein. Nun hat der Militärrat nach eigenen Angaben mehrere Soldaten festnehmen lassen. Der Generalstreik ging inzwischen weiter.

Eine Woche nach dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten im Sudan sind mehrere Soldaten in Militärgewahrsam genommen worden. Der herrschende Militärrat teilte laut staatlicher Nachrichtenagentur Suna mit, dass ein Ermittlungsausschuss vorläufige Beweise gegen einige Einheiten der aktiven Streitkräfte geliefert habe.

Alle Schuldigen würden ohne Verzögerung zur Rechenschaft gezogen. Die Zahl der Festgenommenen und die Vorwürfe gegen sie wurden aber nicht mitgeteilt.

Hunderte Verletzte

Am 3. Juni hatte das Militär eine seit Wochen andauernde Sitzblockade in der Hauptstadt Khartum mit Gewalt aufgelöst. Diese hatte maßgeblich zum Sturz des Langzeitmachthabers Omar al-Baschir beigetragen. Nach Angaben eines Ärzteverbandes wurden bei der Räumung mehr als 100 Menschen getötet und rund 500 verletzt.

Die Opposition im Sudan setzte ihren Generalstreik am Montag fort. In der Hauptstadt Khartum blieben Geschäfte den zweiten Tag in Folge geschlossen, allerdings weniger als am Tag zuvor. Auch auf den Straßen gab es wieder mehr Verkehr.

Proteste im Sudan | Bildquelle: AFP
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Proteste im Sudan: Die Opposition will Druck auf die regierenden Generäle ausüben.

Das Gewerkschaftsbündnis SPA hatte zu dem "friedlichen Widerstand" gegen die Militärregierung aufgerufen. Die Opposition will mit dem Streik Druck auf die regierenden Generäle ausüben, die Macht an eine zivile Übergangsregierung zu übergeben.

Al-Baschir, der das Land drei Jahrzehnte lang mit harter Hand regiert hatte, war im April von den Streitkräften gestürzt worden. Dem Putsch waren wegen einer schweren Wirtschaftskrise monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seit dem Putsch bemühen sich Militär und Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung.

Das US-Außenministerium kündigte an, einen ranghohen Diplomaten in den Krisenstaat zu schicken, um die Konfliktparteien zum Dialog zu drängen. Der für Afrika zuständige US-Außenstaatssekretär Tibor Nagy werde bei einem Besuch zu einem "Ende der Angriffe auf Zivilisten" und zur Wiederaufnahme politischer Gespräche aufrufen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2019 um 06:00 Uhr.

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