Proteste im Sudan | Bildquelle: AFP

Weitere Proteste im Sudan "Wir stehen an einem Wendepunkt"

Stand: 13.04.2019 13:07 Uhr

Mit Jubel haben Menschen im Sudan auf den Rücktritt des Militärrat-Chefs reagiert - aber er ist ihnen nicht genug. Das Misstrauen gegenüber den Militärs ist groß. Weitere Proteste sind angekündigt.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Nach dem Wechsel an der Spitze der sudanesischen Militärregierung hat ein wichtiges Oppositionsbündnis weitere Proteste angekündigt. Das Gewerkschaftsbündnis SPA erklärte, die Demonstranten würden die Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte in der Hauptstadt Khartum genauso fortsetzen wie Aktionen in anderen Städten, bis die Macht komplett an eine zivile Übergangsregierung gehe.

In der vergangenen Nacht feierten Sudanesen in Khartum den Abgang von Awad Ibn Auf. Nachdem der frühere Verteidigungsminister am Donnerstag die Entmachtung von Langzeitdiktator Omar al-Baschir verkündet hatte, war er als Vorsitzender des neu gegründeten Militärrates vereidigt worden.

Gestern Abend dann trat Ibn Auf von diesem Posten überraschend wieder zurück. Im Staatsfernsehen wandte er sich an die Bevölkerung. "Ich verkünde, dass ich - der Kopf des militärischen Übergangsrates - dieses Amt aufgebe", sagte er. "Ich habe für diesen Posten jemanden ausgewählt, dessen Erfahrung ich traue, auch seiner Effizienz, seiner Ernsthaftigkeit. Und ich vertraue darauf, dass er dieses Schiff an sichere Ufer steuern wird. General Abdel-Fattah Burhan wird mein Nachfolger als Kopf des militärischen Übergangsrates."

"Die Dinge nicht verzögern"

Ibn Auf stand Diktator Al-Baschir sehr nahe. Als Ex-Militärgeheimdienstchef war er in die Massaker in der sudanesischen Provinz Darfur verwickelt. Sein Nachfolger im Amt des Militärrates, Burhan, gilt als Mann mit einem Lebenslauf, der deutlich sauberer ist. Ibn Auf wurde von den Demonstranten wegen seiner Vergangenheit abgelehnt; mit seinem Rücktritt erfüllte er eine ihrer Forderungen. Das deutete er in seiner Rücktrittsrede auch an.

"Unser Rat an dieses Volk und seine großartige Armee ist, dass wir durch Treffen und Kommunikation die dringend benötigten Lösungen für die Probleme unseres Sudan erreichen können", erklärte er. "Und ich sage mit allem Nachdruck, dass diese Entscheidung gefällt wurde, um die Dinge nicht zu verzögern. Noch einmal: um die Dinge nicht zu verzögern."

Awad Ibn Auf | Bildquelle: AFP
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Nur einen Tag nach dem Putsch erklärte Awad Ibn Auf seinen Rücktritt. Die Demonstranten hatten seine Vereidigung als Chef des Militärrats kritisch gesehen, weil er jahrelang Stellvertreter des nun abgesetzten Präsidenten Al-Baschir war.

Misstrauen gegenüber dem Militärrat

Die Demonstranten in Khartum fordern jedoch nach wie vor, dass die Regierungsgeschäfte in die Hände eines zivilen Kabinetts übergehen - und das auch nicht erst wie vom Militärrat angekündigt in zwei Jahren. Gestern hatten sich die Militärs in dieser Frage kompromissbereit gegeben. Aber die Demonstranten misstrauen ihnen. Und sie äußern dieses Misstrauen auch deutlich. "Ich denke, dass der Rücktritt Ibn Aufs eine wichtige Lehre ist", sagt einer. "Ich denke, dass wir nach jeder Rede auf die Straße gehen müssen. In der Geschichte des Sudan stehen wir an einem Wendepunkt, den wir als Beginn einer neuen Phase sehen sollten."

Anhaltende Proteste im Sudan
Björn Blaschke, ARD Kairo
13.04.2019 12:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. April 2019 um 12:30 Uhr.

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