Awad Ibn Auf | Bildquelle: AFP

Nach Putsch im Sudan Chef des Militärrats verkündet Rücktritt

Stand: 13.04.2019 02:12 Uhr

Einen Tag nach dem Putsch im Sudan hat der Chef des Militärrats seinen Rücktritt angekündigt. Zuvor hatten Zehntausende Menschen gegen die Machtübernahme des Militärs protestiert. Sie fordern eine zivile Regierung.

Der Chef des neuen Militärrats im Sudan hat seinen Rücktritt angekündigt. Das teilte Awad Ibn Auf in einer im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache mit. Er sagte, General Abdel-Fattah Burhan werde ihm nachfolgen. Er trete zurück, um die Einheit der Streitkräfte zu erhalten.

Ibn Auf hatte am Donnerstag "den Sturz des Regimes" und die Inhaftierung des sudanesischen Staatschefs Omar al-Baschir verkündet, der zuvor 30 Jahre lang autokratisch regiert hatte. Unter Ibn Aufs Führung wurde daraufhin ein Militärrat eingesetzt. Er stellte Wahlen binnen maximal zwei Jahren in Aussicht.

Mindestens 16 Tote bei Protesten

Die Proteste gingen jedoch auch nach dem Putsch weiter. Zehntausende demonstrierten auch am Freitag in der Hauptstadt Khartum gegen die Machtübernahme des Militärs und forderten eine zivile Übergangsregierung.

Bei den anhaltenden Protesten kamen nach offiziellen Angaben seit Donnerstag mindestens 16 Menschen durch verirrte Kugeln ums Leben. 20 weitere Menschen seien auf diese Weise verletzt worden, erklärte ein Polizeisprecher. Es seien Regierungsgebäude und Privatbesitz angegriffen worden.

Awad Ibn Auf war jahrelang Stellvertreter und Verteidigungsminister von Al-Baschir. Dass ausgerechnet er sich als Chef der Militärregierung vereidigen ließ, sahen viele Demonstranten kritisch. Auf seine Rücktrittsankündigung reagierten Menschen in Khartum mit Applaus und Jubel.

Trotz des Wechsels an der Spitze des Militärrats kündigte ein wichtiges Oppositionsbündnis weitere Demonstrationen an. An der Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte in der Hauptstadt Khartum und Aktionen in anderen Städten werde festgehalten, bis die Macht komplett an eine zivile Übergangsregierung übergeben worden sei, erklärte das gewerkschaftliche Bündnis SPA.

Proteste im Sudan | Bildquelle: AFP
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Auch nach dem Putsch gingen die Proteste im Sudan weiter.

Militärführung weist Kritik zurück

Die Militärführung wies die Kritik an ihrer Machtübernahme zurück und versprach, möglichst bald einer zivilen Regierung Platz zu machen. Die Streitkräfte hätten "überhaupt keine Ambitionen, an der Macht festzuhalten", sagte Omar Sain al-Abdin, der Leiter des politischen Gremiums der Militärregierung. Das Militär werde während der Übergangsphase lediglich für Sicherheit und Stabilität sorgen.

Der Militärrat entschied auch, den 75-jährigen Al-Baschir nicht an den Internationalen Strafgerichtshof auszuliefern, wo er wegen Kriegsverbrechen und Gräueltaten in der Region Darfur im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts angeklagt werden soll.

Chef des neuen sudanesischen Militärrats nur ein Tag nach dessen Gründung zurückgetreten
Björn Blaschke, ARD Kairo
13.04.2019 07:40 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. April 2019 um 21:45 Uhr.

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