Proteste im Sudan | Bildquelle: REUTERS

Proteste nach Putsch im Sudan "Wir werden die Straße nicht verlassen"

Stand: 12.04.2019 17:53 Uhr

Auch nach dem Militärputsch gehen die Proteste im Sudan weiter. Die Demonstranten fordern eine zivile Regierung - und wollen nicht aufhören, bis es einen echten Politikwechsel gibt.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Sie ziehen durch die Straßen, machen sich gegenseitig Mut: Tausende Sudanesen protestieren in der Hauptstadt Khartoum gegen die neue Militärregierung, wehren sich gegen die Machtübernahme durch die Armee. Die hatte gestern Langzeitherrscher Omar al-Baschir abgesetzt - nach monatelangen Protesten gegen den 75-Jährigen.

Das ehemalige Staatsoberhaupt befinde sich an einem "sicheren Ort", heißt es. Ausliefern wolle man Al-Baschir aber nicht, sagt Omar Zein Abedeen. Er gehört der neuen Regierung an. "So lange der Militärrat an der Macht ist, wird der Präsident nicht ausgeliefert. Wir haben unsere Werte, und wenn jemand ihn ausliefern möchte, dann soll er das tun - nach uns. Wir werden ihn nicht ausliefern, weil das unseren sudanesischen Werten entspricht. Wir werden ihn vor Gericht stellen, aber nicht ausliefern."

Kritik am Chef der Militärregierung

Fast 30 Jahre lang hatte Al-Baschir den Sudan mit harter Hand regiert. Ihm werden Misswirtschaft und mehrere Bürgerkriege zur Last gelegt, zum Beispiel der Konflikt in der Region Darfur: Mehrere hunderttausend Menschen kamen dabei ums Leben, Millionen Menschen mussten fliehen. Der Internationale Strafgerichtshof erließ Haftbefehle gegen Al-Baschir wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord und Kriegsverbrechen.

Awad Ibn Auf war jahrelang Stellvertreter und Verteidigungsminister von Al-Baschir. Dass ausgerechnet er sich gestern als Chef der Militärregierung vereidigen ließ, sehen viele Demonstranten in Khartoum kritisch. Fares Al-Nur will deshalb weiter protestieren. "Unser Plan ist jetzt, dass wir auf der Straße weiter bleiben, auch wenn ein Rat gekommen ist, der die Revolution unterstützt", sagt er. "Wir werden die Straße nicht verlassen, bis der Sudan Kurs auf einen echten demokratischen Wandel nimmt. Auch wenn eine Persönlichkeit kommt, mit der wir einverstanden sind, werden wir weiter demonstrieren, allerdings in reduzierter Form: zuerst einmal in der Woche, dann zweimal im Monat, und schließlich einmal im Monat."

Aktuelle Lage im Sudan geprägt von Protesten gegen den Militärrat
tagesschau 20:00 Uhr, 12.04.2019, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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Zivile Regierung gefordert

Mit Slogans wie "Imma an-nasr, imma masr" - "Entweder Sieg oder Ägypten" - gehen Fares und seine Mitstreiter auf die Straße. Damit spielen sie auf die Situation im Nachbarland Ägypten an. Dort hat nach dem Sturz von Langzeitherrscher Hosni Mubarak 2011 und seinem Nachfolger Mohammed Mursi 2013 das Militär die Macht übernommen. Widerstand gegen die Herrschaft von Präsident Abdel Fattah Al-Sisi wird mit brutaler Polizeigewalt unterdrückt. Genau das wollen viele Sudanesen vermeiden. Sie fordern eine zivile Regierung - und einen echten Politikwechsel.

"Nichts hat sich verändert, es gibt nichts Neues. Wir fordern einen echten Regime-Wechsel. Die Regierung hat einfach einen Mann durch einen anderen ersetzt. Wir wollen, dass ein Sudanese dieses Land wieder aufbaut, die Wirtschaft wieder in Schwung bringt und die Infrastruktur. Sie haben nichts für uns getan, deshalb bleiben wir auf der Straße."

Auslöser für die Proteste der vergangenen Monate war im Dezember eine Erhöhung der Benzin- und Brotpreise gewesen. Der Sudan mit etwa 40 Millionen Menschen gehört zu den 25 ärmsten Ländern der Welt und befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen kamen bei den Protesten seit Dezember bis zu 70 Menschen ums Leben.

Protest und Enttäuschung nach Putsch im Sudan
Anne Allmeling, ARD Kairo
12.04.2019 17:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. April 2019 um 17:00 Uhr.

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