Schnee liegt kniehoch auf Madrids Straßen. | AFP

Sturmtief in Spanien Madrid versinkt im Schnee

Stand: 09.01.2021 18:35 Uhr

Das gab es in Madrid seit 50 Jahren nicht: Ein halber Meter Schnee ist gefallen - für so manchen eine willkommene Abwechslung. Doch Spaniens Innenminister warnt vor "schwierigen Stunden". Mehrere Menschen starben.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Stapfen durch den Schnee - für die meisten Bewohner von Madrid ist das etwas völlig Neues. Im Viertel von Juan, im Norden der Hauptstadt, liegt der Schnee etwa kniehoch auf den Straßen. So viel habe er noch nie gesehen, sagt Juan. Er schaufelt sein Auto frei, auf dem sich ein knapper Meter angehäuft hat. "Damit das Gewicht des Schnees die Windschutzscheibe und das Dach nicht eindrückt", sagt er.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Ein paar Meter weiter hat sich eine sechsspurige Straße in eine Rodelpiste verwandelt. Kinder spielen dort, wo sonst Autos im Sekundentakt entlang rasen. Anwohnerin Monica schaut begeistert zu. "Der Schnee macht einfach Spaß", sagt sie. "Die Leute machen einen Spaziergang, hier hinten sind Kinder mit Schlitten unterwegs. Etwas Schönes nach diesem harten Jahr, das hinter uns liegt."

Hunderte saßen im Auto fest

Doch viele andere sehen in diesem Wetter überhaupt nichts Schönes: Rund 1500 Autofahrer hingen in der vergangenen Nacht stundenlang auf Autobahnen und Landstraßen fest. Kaum eine Fahrbahn war geräumt.

Jacobo saß 15 Stunden in seinem Auto, bevor Rettungskräfte ihn befreiten. "Weil dieses extreme Wetter ja vorhergesagt wurde, hielt ich am Abend noch an einer Tankstelle und habe mich mit Essen und Getränken eingedeckt", erzählt er. "Andere, die später mit mir die Nacht über festhingen, hatten nichts dabei. Nur einmal, kurz vor Mitternacht, kamen Helfer des Militärs vorbei und verteilten etwas Verpflegung."

Die 3,3-Millionen-Stadt Madrid verfügt über gerade einmal 66 Räumfahrzeuge. Weil es einen solch heftigen Wintereinbruch zuletzt 1971 gab, hielt es die Stadt bisher nicht für nötig, mehr Maschinen anzuschaffen.

Nun bittet der Bürgermeister die Zentralregierung um Hilfe. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska weiß, wie ernst es ist. "Vor uns liegen, und das muss ich ganz klar sagen, schwierige Stunden", sagt er am Nachmittag. "Wir bitten alle Menschen, vorsichtig zu sein, am besten zu Hause zu bleiben. Für mehrere Gebiete Spaniens gilt die Alarmstufe Rot." Zum Beispiel für die Regionen Valencia, Castilla La Mancha und Madrid.

Alle Flugverbindungen gestrichen 

Die einzigen Möglichkeiten, sich in der Hauptstadt fortzubewegen, sind im Moment, zu Fuß durch den Schnee zu stapfen oder in die U-Bahn zu steigen. Busse fahren nicht, sämtliche Züge von und nach Madrid sind gestrichen, ebenso alle Flugverbindungen.

Spaniens größter Flughafen Madrid-Barajas ist geschlossen: Die Sicht für die Piloten ist durch den anhaltenden Schneefall zu schlecht. Der Betreiber hat Probleme, die Pisten vom Schnee zu befreien.

Daher habe der historische Wintereinbruch auch seine schlechten Seiten, gibt Juan aus Madrid zu - der Schnee isoliere Madrid von der Außenwelt. Trotzdem: Er finde es gut, jetzt in der Stadt zu sein und etwas mitzuerleben, das es in Madrid seit rund 50 Jahren nicht gab.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 09. Januar 2021 um 13:26 Uhr.