US-Präsident Barack Obama

USA verweigern sich Konvention Obama hält an Streubomben fest

Stand: 01.08.2010 04:53 Uhr

Die USA weigern sich, die Streubomben-Konvention zu unterzeichnen. Verteidigungsminister Gates und Präsident Obama halten die Munition für unverzichtbar. Doch wegen der Langzeitfolgen und der zivilen Opfer regt sich Widerstand in der US-Luftwaffe.

Ralph Sina ARD-Studio Washington

Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington

Die verheerenden Folgen, die der exzessive Einsatz von Streubomen unter seinem Amtsvorgänger George W. Bush hatte, sind US-Präsident Barack Obama nicht unbekannt. Dennoch weigert sich der Friedensnobelpreisträger im Weißen Haus, die Streubomben-Konvention zu unterzeichnen. Denn der Mann, der bereits in der Endphase der Ära Bush für die Kriege im Irak und in Afghanistan zuständig war, blieb unter Obama Verteidigungsminister: Robert Gates hält die Streumunition trotz der barbarischen Folgen für die Zivilbevölkerung für "legitime Waffen mit einem klaren militärischen Nutzen".

US-Kampfflugzeug wirft Streubomben ab

Das US-Militär will bislang nicht auf den Einsatz von Streubomben verzichten.

Viele zivile Opfer im Irak

"Wenn es darum geht, das Leben von Amerikanern mit Hilfe dieser Dinger zu sichern, dann werfen wir auch Streubomben", so Pete Mitchell vom US-Zentralkommando im nationalen Radiosender NPR. Bereits im ersten Jahr der Irak-Invasion wurden 1000 Zivilisten durch die heimtückischen Bomben getötet, so ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. "Und bis heute dürften es deutlich mehr sein", schätzt ein Pentagon-Experte.

Der Irak war für den größten Streubombenproduzenten der Welt namens USA geradezu ein gigantisches Testfeld für den Einsatz der sogenannten Clusterbomben. Denn der von der US-Artillerie im Irak und lange Zeit auch in Afghanistan bevorzugte Mehrfach-Raketenwerfer trug die Bezeichnung MLRS. Dieser Raketenwerfer war nur mit einem ausgerüstet: mit Streubomben.

Streubomben

Streubomben bestehen aus größeren Geschossen oder Bomben, die viele kleine Sprengsätze enthalten. Diese sogenannten Bomblets oder Submunitionen werden über das Zielgebiet verteilt und explodieren dort.
Problematisch ist die hohe Blindgängerrate vor allem bei älteren Typen: Bis zu 40 Prozent der Bomblets explodieren beim Aufschlag nicht. Die Blindgänger stellen auch nach den Kampfhandlungen eine große Gefahr dar, da sie schon bei Annäherung explodieren können. Vor allem Kinder werden immer wieder durch nicht explodierte Bomblets verletzt oder getötet.
Moderne Munition dieses Typs ist mit Selbstzerstörungsmechanismen ausgerüstet, die die Munition nach einer bestimmten Zeit entschärft oder zur Explosion bringt. Streubomben werden gegen Fahrzeuge, Panzer und Personen eingesetzt.

Beschuss dicht besiedelter Gebiete

Jeder dieser Raketenwerfer feuert nach Informationen von Human Rights Watch 644 Clusterbomben. Meistens habe die US-Armee in den letzten Jahren des Irak- und Afghanistankrieges mit bis zu sechs dieser Raketenwerfer gleichzeitig gefeuert, so die Recherche des Streubombenexperten Kenneth Roth von Human Rights Watch. 4000 der hochexplosiven Mini-Bomben wurden im Irak auch auf engste Räume in dicht besiedelten Gebiete abgeschossen. "Glauben Sie mir, Sie möchten wirklich nicht in einem solchen Gebiet sein", so Roth. 90 Prozent der dort getöteten Zivilisten waren Opfer von Streubomben.

Auch viele US-Soldaten kamen durch Clusterbomben "made in USA" ums Leben: als sie nämlich versuchten, die mörderische Hinterlassenschaft im Irak zu räumen. Denn eine erhebliche Zahl der Bomben detoniert nicht direkt, sondern erst nach Jahren oder Jahrzehnten. Pentagon-Schätzungen gehen davon aus, dass 16 Prozent der heimtückischen Mini-Bomben, von denen viele bewusst wie Kinderspielzeug geformt sind, zeitverzögert detonieren - wenn zum Beispiel nach Jahren ein Kind oder ein Bauer auf einem Feld im Irak oder Afghanistan die mörderische Hinterlassenschaft berührt. "Felder werden zu Minenfeldern", so der Radio-Kommentar von NPR.

USA setzen Streubomben auch in Pakistan ein

Doch US-Präsident Obama folgt weiter der Devise seines Verteidigungsministers, Streubomben seien unverzichtbar. So werden die Clusterbomben mit Hilfe ferngesteuerter Drohnen seit einem Jahr auch im Nordwesten Pakistans und im Jemen eingesetzt. Auch hier kommt es zu zahlreichen Opfern in der Zivilbevölkerung.

US-Präsident Barack Obama

US-Präsident Obama hält Streubomben für unverzichtbar.

Immerhin: In der amerikanischen Luftwaffe regt sich zunehmend Widerstand gegen die Abwürfe der heimtückischen Munition - wegen der verheerenden Langzeitfolgen in Vietnam, Laos und Kambodscha. Und wegen der vielen Zivilopfer im Jugoslawien-Krieg. Die US Army hat in punkto Streubomben den Erkenntnisprozess der US Air Force noch nicht nachvollzogen. Und Amerikas Verteidigungsminister und Präsident offenbar auch nicht.