Recep Tayyip Erdogan | MURAT KULA/TURKISH PRESIDENTIAL

Streit mit Macron Erdogan fordert Boykott französischer Waren

Stand: 26.10.2020 14:43 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan treibt den Streit mit seinem Amtskollegen Macron weiter und fordert einen Boykott von Waren aus Frankreich. Zuvor war er Macron verbal angegangen - für die Bundesregierung "inakzeptabel".

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat zum Boykott französischer Waren aufgerufen. "So wie in Frankreich einige sagen 'kauft keine türkischen Marken', richte ich mich an meine Nation: Achtet nicht auf französisch gekennzeichnete Waren, kauft sie nicht", sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

Erdogan hatte bereits am Wochenende mit der Äußerung für Empörung gesorgt, sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron solle seinen "Geisteszustand" untersuchen lassen. Er warf ihm zudem Islamfeindlichkeit vor. Daraufhin rief Paris aus Protest den Botschafter aus Ankara zurück.

In mehreren arabischen Ländern gab es schon am Sonntag Boykottaufrufe. Händler in Jordanien, Kuwait und Katar nahmen französische Waren aus ihren Filialen.

Streit über Mohammed-Karikaturen

Hintergrund ist die Debatte über Mohammed-Karikaturen. Macron hatte nach dem brutalen Mord an einem Lehrer in Frankreich die Meinungsfreiheit verteidigt und sich auf die Seite derjenigen gestellt, die Karikaturen zeigen oder veröffentlichen wollen.

Sein Land werde nicht "auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten, auch wenn andere sich davon zurückziehen", sagte er bei einer Gedenkfeier zu Ehren des getöteten Samuel Paty. Der Islam stecke in einer "Krise", so Macron.

Paty hatte Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt und war auf offener Straße getötet und enthauptet worden. Die islamische Tradition verbietet es, den Propheten Mohammed abzubilden.

Maas spricht von einem "neuen Tiefpunkt"

Die Bundesregierung stellte sich hinter den französischen Präsidenten. Die Verbalattacken Erdogans seien diffamierend und inakzeptabel, so Regierungssprecher Steffen Seibert. Zudem wies Seibert Vorwürfe des türkischen Staatschefs zurück, bei der Durchsuchung einer Berliner Moschee vergangene Woche habe es sich um eine gegen den Islam gerichtete Maßnahme gehandelt.

Außenminister Maas sprach von einem "neuen Tiefpunkt" in den Beziehungen zu Ankara. Angesichts der Ermordung des Lehrers forderte er ein klares Bekenntnis gegen islamistischen Extremismus, der vom Islam unterschieden werden müsse. Wer durcheinander werfe, "dass man sich gegen gewaltbereite Islamisten und Mörder auch zur Wehr setzen muss, wer diese realen Probleme einfach gleichsetzt mit Rassismus und Islamophobie, der handelt nicht anders als unverantwortlich und spielt damit in die Hände derer, die unsere Gesellschaft spalten wollen", so der SPD-Politiker.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Oktober 2020 um 15:00 Uhr.