Die russische Oppositionelle Ljubow Sobol | YURI KOCHETKOV/EPA-EFE/REX

Russland Polizei ermittelt gegen Nawalny-Vertraute

Stand: 25.12.2020 18:16 Uhr

Die russische Polizei hat ein Verfahren gegen die Oppositionelle Sobol eingeleitet. Die Mitarbeiterin des Kreml-Kritikers Nawalny hatte versucht, den Agenten zu kontaktieren, der den Giftanschlag auf Nawalny gestanden haben soll.

Russische Polizeibeamte haben die Wohnung von Alexej Nawalnys Mitarbeiterin Ljubow Sobol durchsucht und ein Verfahren gegen die Vertraute des Kreml-Kritikers eingeleitet. Sobol sei in der Hauptstadt Moskau mitgenommen worden, teilte das Team von Nawalny mit.

Gegen die Oppositionelle sei ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs eingeleitet worden, bestätigte eine Sprecherin des Ermittlungskomitees. Sie werde dazu befragt. Nach Nawalnys Angaben gilt Sobol nun als Verdächtige in dem Verfahren. Sie sei deshalb für 48 Stunden festgenommen worden.

Schon zuvor kurzzeitige Festnahme

Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage, nachdem Nawalny den Mitschnitt eines Telefonats mit einem mutmaßlichen Agenten veröffentlicht hatte. Nach Darstellung Nawalnys soll der Mann darin den Giftanschlag auf ihn zugegeben haben.

Sobol war bereits am Montag, kurz nach der Veröffentlichung des Anrufs, kurzzeitig festgenommen worden, nachdem sie versucht hatte, den mutmaßlichen Agenten des Inlandsgeheimdienstes FSB in seiner Wohnung aufzusuchen. Sie wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie sich angeblich der Anordnung eines Polizisten widersetzt habe, kam aber wieder auf freien Fuß.

Sobol droht Haftstrafe

Sobol werde Hausfriedensbruch und Gewaltandrohung vorgeworfen, weil sie an der Haustür des Agenten geklingelt habe, teilte der Chef von Nawalnys Fonds zur Bekämpfung von Korruption (FBK), Iwan Schdanow über den Nachrichtendienst Twitter mit. Ihr drohe bei Hausfriedensbruch im schlimmsten Fall eine Haftstrafe.

Nawalny kritisierte das Vorgehen der Polizei scharf. "Das ist kein Staat, das ist eine kriminelle Gruppe", sagte er. "Es wird einfach dreist ein Strafverfahren fabriziert." Die gesamte Ausrüstung in Sobols Wohnung sei von den Sicherheitskräften beschlagnahmt worden, selbst das Handy der sieben Jahre alten Tochter, schrieb Nawalny. Das Mädchen und der Ehemann hätten die Wohnung verlassen dürfen.

Kreml weist Vorwürfe zurück

Der 44-jährige Nawalny hält sich nach seiner schweren Vergiftung zu einer Reha-Maßnahme in Deutschland auf. Er macht für den Giftanschlag mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe ein unter dem Befehl von Kremlchef Wladimir Putin agierendes "Killerkommando" des FSB verantwortlich.

Der Kreml hatte mehrfach eine Verwicklung in dem Fall zurückgewiesen. Russland warte weiterhin auf Beweise. Zu der Vergiftung hatten Ärzte der Berliner Charité in der Fachzeitschrift "The Lancet" einen medizinischen Bericht veröffentlicht. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte in Bezug auf den Bericht der Agentur Interfax zufolge: "Wir lesen keine medizinischen Veröffentlichungen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Dezember 2020 um 11:00 Uhr.