Heinz Christian Strache

Österreich Strache zieht sich aus Politik zurück

Stand: 01.10.2019 10:57 Uhr

Nach dem Debakel der FPÖ bei der Parlamentswahl in Österreich lässt Ex-Parteichef Strache seine Mitgliedschaft bei den Rechtspopulisten ruhen. Er erklärte gleichzeitig seine politische Karriere für beendet.

Die Ibiza-Affäre kostete ihn das Amt des Parteichefs - jetzt hat der frühere FPÖ-Star Heinz-Christian Strache verkündet, sich komplett aus der Politik zurückziehen zu wollen. Er strebe keine politischen Funktionen mehr an, sagte Strache bei einer Pressekonferenz in Wien. Zudem lässt er seine Mitgliedschaft bei den Rechtspopulisten ruhen. Auch wolle er jeden weiteren Schaden von der FPÖ abwenden und "eine Zerreißprobe und Spaltung" der Partei verhindern. Es sei wichtig, dass die FPÖ ein bedeutender Faktor in der österreichischen Politik bleibe.

Mit diesem Schritt kam Strache vermutlich parteiinternen Kritikern zuvor: Die Rechtspopulisten wollten heute zusammentreten, um über dessen Ausschluss aus der Partei zu beraten.

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Innenminister Herbert Kickl. | Bildquelle: REUTERS
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Über Straches Ibiza-Eskapaden war die damalige ÖVP-FPÖ-Koalition unter Kanzler Kurz zerbrochen.

Neben dem Skandal um das Ibiza-Video steht Strache zudem im Fokus der Staatsanwaltschaft Wien. Sie ermittelt gegen ihn, weil er möglicherweise Spesen falsch abgerechnet und sich so Parteigelder in die eigene Tasche gesteckt hat. Für den Fall eines nachgewiesenen Fehlverhaltens hatte Parteichef Norbert Hofer einen Ausschluss Straches angekündigt. Er nannte diesen Schritt auf die entsprechende Frage am Sonntagabend im ORF "logisch". Auch weitere FPÖ-Politiker erklärten, dass Strache ihrer Ansicht nach keinen Platz mehr in der Partei habe.

Strache als Schuldiger für Wahldebakel ausgemacht

Die FPÖ hatte bei der Neuwahl am Sonntag im Vergleich zur Wahl 2017 fast zehn Prozentpunkte verloren und kam nur noch auf 16,2 Prozent der Stimmen. Die FPÖ-Spitzen deuteten am Wahlabend an, dass sie die Partei künftig auf der Oppositionsbank sehen. Auch zahlreiche vom FPÖ-Ergebnis enttäuschte Wähler kritisierten Strache am Sonntag und Montag auf dessen Facebook-Seite und sahen in ihm den Schuldigen für das Wahldesaster. "Lieber heinz, schuld an der misere hast du und der gudenus" schrieb dort ein User. Ein anderer versuchte es mit Sarkasmus: "Super, Herr Strache - das heute war Ihr Verdienst. Gut gemacht, wirklich."

Koalition nach Ibiza-Video zerbrochen

Auslöser für die vorzeitige Wahl in Österreich war das von "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" veröffentliche Ibiza-Video von 2017, das Strache anfällig für Korruption erscheinen lässt. Es hatte eine Kettenreaktion zur Folge: Nach dem Rücktritt Straches von allen Ämtern kündigte Kurz auch die ÖVP-FPÖ-Koalition auf. Wenige Tage später folgte ein Misstrauensvotum, mit dem Kurz als Kanzler vom Nationalrat gestürzt wurde. Seitdem regiert ein Expertenkabinett unter Kanzlerin Brigitte Bierlein das Land.

Heinz-Christian Strache zieht sich aus der Politik zurück
Srdjan Govedarica, ARD Wien
01.10.2019 11:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Oktober 2019 um 11:00 Uhr.

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