Schriftzug der New Yorker Bar Stonewall Inn

50 Jahre Stonewall-Razzien "Wir mussten uns wehren"

Stand: 25.06.2019 20:20 Uhr

Im Juni 1969 veränderte sich die Welt für alle Homosexuellen und Transsexuellen. Mit einem Aufstand vor der New Yorker Bar Stonewall Inn begann der Kampf für Gleichberechtigung.

Von Eva Lindenau, ARD-Studio New York

Martin Boyce hat sich für das Gedenken an den Aufstand bei der Stonewall Bar etwas Besonderes ausgedacht. Ein Dessert mit Zutaten, die den Koch an die besondere Nacht vor 50 Jahren erinnern: "Die Himbeeren stehen für das Blut und die Gefahr, der karamellisierte Zucker erinnert an die Glasscherben", sagt er.

Historisches Bild der New Yorker Bar Stonewall Inn

Die Bar Stonewall Inn war 1969 der Ausgangspunkt des Widerstands gegen die Polizeiwillkür.

New Yorker Bar Stonewall Inn

Das Stonewall Inn existiert bis heute und steht zum Jahrestag im Mittelpunkt der Erinnerungen.

Zusammenhalt gegen Polizeiwillkür

Boyce war 1969 regelmäßig im Stonewall Inn, eine der Bars im New Yorker Greenwich Village, in der sich die Homo- und Transsexuellen trafen. Ständig mussten sie mit Razzien der Polizei rechnen, Verhaftungen und Erniedrigungen. So auch in der Nacht zum 28. Juni. Doch diesmal wehrten sich die Gäste des Stonewall Inns und drängten die Polizei gewaltsam zurück.

Das Besondere in dieser Nacht an der Christopher Street, erinnert sich Boyce, war der plötzliche Zusammenhalt gegen Polizeiwillkür: "Ein Polizist schubste eine Drag Queen brutal in einen Polizeiwagen, sie trat ihn, sie trat ihn hart. Die Erniedrigungen waren zu viel geworden. Wir mussten uns wehren."

Aus dem Aufstand wurde eine weltweite Bewegung für Gleichberechtigung. Bereits 1970 zogen Tausende Homosexuelle durch New York. Daraus entwickelten sich Christopher-Street-Day-Paraden auf der ganzen Welt. Viel hat sich in den vergangenen 50 Jahren verändert: So ist zum Beispiel die Ehe für alle in Deutschland wie in den USA legal. 

Zu der World Pride Parade am 30. Juni werden in diesem Jahr bis zu vier Millionen Besucher in New York erwartet. Schon jetzt ist die Stadt wie in Regenbogenfarben gehüllt. Fast jedes Unternehmen hat seine Schaufenster dekoriert. Es gibt Muffins in Regenbogenfarben, T-Shirts und Handyhüllen. Auch die großen Banken machen mit.

"Viel zu kommerziell geworden"

Kritiker sprechen bereits von "Pinkwashing". Justin Brown, Experte für LGBTQ-Studien an der City University New York, sagt: "Ich hab schon manchmal das Gefühl, das Ganze ist doch viel zu kommerziell geworden, und dadurch geht das, worum es eigentlich geht, fast ein wenig unter."

Ganz anders ist die Stimmung bei dem Dinner, bei dem Zeitzeuge Boyce die Gäste spüren lässt, was Stonewall ausgelöst hat: "Alle Homosexuellen haben damals in der Nacht mitgemacht - und deshalb waren wir erfolgreich."

Martin Boyce spricht beim ARD-Interview über die Stonewall-Razzien 1969

Martin Boyce betont im ARD-Interview die Bedeutung des Zusammenhalts der Homosexuellen in der Nacht der Stonewall-Razzien 1969.

Dann serviert er sein besonderes Stonewall-Dessert: "Diese Geschichte von einem Zeitzeugen zu hören, mit diesen Möglichkeiten, die wir jetzt haben, das ist unglaublich", sagt ein Gast. Natürlich sei noch nicht alles erreicht, aber 50 Jahre Kampf für Gleichberechtigung müssten gefeiert werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Juni 2019 um 22:15 Uhr.