Der spanische Stierkämpfer David Fandila El Fandi | Bildquelle: imago images / Agencia EFE

Wieder Stierkampf in Palma Der Torero kehrt nach Mallorca zurück

Stand: 09.08.2019 11:49 Uhr

Stierkampf gilt in Spanien als "Kulturgut". Tierschützer halten ihn für Tierquälerei. Nach zwei Jahren Zwangspause werden auf Mallorca heute erstmals wieder Toreros Stiere in der Arena töten.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Vier Ticket-Schalter gibt es an der Stierkampfarena in Palma de Mallorca. An einem erkundigt sich ein Mann nach den Preisen: 30 Euro kosten ermäßigte Karten für Senioren ab 65 Jahren, die regulären Karten gehen bei 50 Euro los.

Dem Vater eine Freude machen

Eine Frau kauft eine Karte für ihren 70-jährigen Vater. Sie selber hat gemischte Gefühle. Als Kind waren Stierkämpfe für sie eine ganz normale Sache. Ihr Vater habe ihr damals alles über die hohe Kunst des Stierkampfs erzählt: "Aber heute, denke ich, dass der Stier sehr leiden muss". Die Karte kauft sie trotzdem, um ihrem Vater eine Freude zu machen.

Inzwischen findet mehr als die Hälfte der Spanier, dass Stierkämpfe verboten werden sollten. Und auf den Balearen hat es in den vergangenen Jahren keine Stierkämpfe mehr gegeben. 

Stierkampfarena auf Mallorca | Bildquelle: imago/suedraumfoto
galerie

Am Abend finden in der Stierkampfarena in Palma wieder Stierkämpfe statt.

Kritik von Tierschützern

"Eigentlich war das Ziel, Stierkämpfe wirklich zu verbieten", sagt Tierschützer Luis Miguel Pérez. Aber es war klar, dass das Verfassungsgericht ein Verbot sofort kassiert hätte. Schließllich gilt der Stierkampf ja per landesweitem Gesetz als "immaterielles Kulturgut".

Die Inselregierung habe getrickst:"Sie verboten Stierkämpfe zwar nicht ausdrücklich, machte aber per Tierschutzgesetz Auflagen: unter anderem durften die Stiere nicht mehr verletzt oder getötet werden und ein Kampf nicht länger als zehn Minuten dauern", sagt er.

Der Todesstoß für die klassische Corrida, bei der es eine halbe Stunde und länger dauert, bis der Stier tot im Staub liegt.

Inzwischen hat es sich ausgetrickst. Das Verfassungsgericht hat die strengsten Auflagen kassiert. Begründung: Die Inselregierung habe ihre Kompetenzen überschritten.

Stierkampf auf Mallorca

Das umstrittene Comeback des Stierkampfes auf Mallorca war vom spanischen Verfassungsgericht ermöglicht worden. Ende 2018 kippten die Richter in Madrid in Teilen ein balearisches Stierkampfverbot aus dem Jahr 2017. Annulliert wurde vor allem ein seitdem geltendes Verletzungs- und Tötungsverbot.

Die Begründung der Richter lautete: Da der Stierkampf 2013 zum nationalen Kulturgut erklärt worden sei, könne nur der Staat über ein komplettes Verbot entscheiden. Die einzelnen Regionen dürfen demnach nicht eigenmächtig solche Beschlüsse fassen.

Einige der Beschlüsse von 2017 gelten aber auf Mallorca weiterhin. Zum Beispiel dürfen Minderjährige nicht in die Arena. Es gilt ein Alkoholverbot. Die Polizei werde über die Einhaltung dieser und anderer Vorschriften wachen, teilte die Stadtverwaltung mit.

Bei den traditionellen Corridas erfolgt die Tötung des Stiers nach rund 20 Minuten mit einem Degen. Pro Veranstaltung werden in der Regel insgesamt sechs Stiere ritualisiert getötet.

"Ohne Corridas sterben die Kampfstiere aus"

Ex-Torero José Barceló betreibt heute eine Go-Cart Bahn, erinnert sich aber gerne an seinen letzten Auftritt: Sechs Stiere habe er damals getötet, 1995. Und auch heute werde die Arena voll sein, da ist sich Jose sicher. "Und was soll das Gerede von der Tierquälerei? Die Kampfstiere haben vier Jahre lang ein ruhiges Leben auf der Weide. Ohne Corridas sterben die Kampfstiere aus", meint er.

Das sei doch bloß ein Scheinargument, findet hingegen Tierschützer Pérez. "Wenn es nicht ums Geschäft ginge, könnte man doch einfach die Stierweiden als Habitat schützen und ein Programm für die Stiere auflegen, so wie für den iberischen Luchs", sagte er weiter.

Pérez wird zusammen mit hunderten Gleichgesinnten vor der Arena demonstrieren - Barceló wird in der Arena sein - er glaubt, mit 14.000 anderen Stierkampf-Fans.

"El Juli" wieder in der Arena

Sechs Stiere sind für den Abend aus Andalusien auf die Insel gebracht worden. Mit “El Juli” tritt einer der bekanntesten Toreros überhaupt auf. Seinen ersten Stier hat der 38-Jährige mit 14 Jahren getötet, nach besonders spektakulären Kämpfen bekam er vom Corrida-Präsidium jeweils die traditionellen Trophäen zugesprochen: 2668 abgeschnittene Ohren und 92 Stierschwänze verzeichnet die Statistik - bis heute.

Erstmals wieder Stierkämpfe auf Mallorca
Reinhard Spiegelhauer, ARD Madrid
09.08.2019 10:04 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. August 2019 um 09:05 Uhr.

Darstellung: