Carlos Alvarado und seine Ehefrau nach dem Wahlsieg | AFP

Costa Rica Sozialdemokrat siegt über Prediger

Stand: 02.04.2018 05:49 Uhr

Carlos Alvarado hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Costa Rica gewonnen. Für den Prediger Fabricio Alvarado war der Kampf gegen die Ehe für alle nicht genug. Er hatte im ersten Wahlgang noch gesiegt.

Der Sozialdemokrat Carlos Alvarado ist in Costa Rica zum neuen Präsidenten gewählt worden. Der 38-jährige Ex-Minister von der Regierungspartei PAC setzte sich in einer Stichwahl mit mehr als 60 Prozent der Stimmen gegen seinen gleichnamigen, aber nicht verwandten Konkurrenten Fabricio Alvarado durch. Das teilte das Oberste Wahlgericht nach Auszählung von etwa 95 Prozent der Stimmen mit.

Der Prediger einer evangelikalen Freikirche kam demnach auf gut 39 Prozent. Carlos Alvarado tritt die Nachfolge von Luis Guillermo Solis an, der gemäß der Verfassung nicht noch einmal antreten durfte.

Erste Wahlrunde ging an Gegner der Ehe für alle

Der 43-jährige Fabricio Alvarado hatte seine Anhänger mit Kritik an Korruption und der Ehe für alle mobilisiert und die erste Wahlrunde im Februar noch gewonnen. Umfragen hatten für die Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt. Carlos Alvarado ist ein früherer Arbeitsminister und Journalist, der sich auch als Romanautor einen Namen gemacht hat.

Das vergleichsweise wohlhabende Costa Rica gilt als demokratisches Musterland Mittelamerikas. Beobachter sahen in der Wahlauseinandersetzung einen Beleg für die wachsende soziale Spaltung: Carlos Alvarado repräsentierte die gut gebildeten städtischen Milieus, während der Prediger Fabricio Alvarado seine Wähler eher aus armen ländlichen Schichten rekrutierte.

Carlos Alvarado und seine Ehefrau nach dem Wahlsieg | AFP

Der 38-jährige Wahlsieger konnte auf die Stimmen der städtischen Milieus zählen. Bild: AFP

Der evangelikale Präsidentschaftskandidat Fabricio Alvarado | AFP

Der evangelikale Kandidat Fabricio Alvarado hatte den ersten Wahlgang gewonnen. Bild: AFP

Parteienlandschaft hat sich geändert

Im Kern ging es bei der Wahl um die Enttäuschung von einer korrupten Politikerklasse, die nicht in der Lage ist, die dringenden Probleme des kleinen Landes zu lösen: hohe Staatsverschuldung und zunehmende Unsicherheit.

Die beiden Parteien, die sich bis zum Sieg eines Mitte-Links-Präsidenten 2014 jahrzehntelang an der Macht ablösten, sind abgemeldet. Sie hatten es nicht einmal in die Nähe der Stichwahl geschafft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. April 2018 um 04:43 Uhr.