Satelliten-Aufnahme des Renaissance-Damms am Blauen Nil | Bildquelle: AP

Spätere Flutung Einigung über Mega-Staudamm am Nil

Stand: 27.06.2020 08:32 Uhr

Der Konflikt um Afrikas größten Staudamm am Blauen Nil scheint vorerst beigelegt. Die Äthiopier wollen die Talsperre nun doch in Absprache mit Ägypten und Sudan fluten. Damit sind auch die Sorgen um Bombardierungen vom Tisch.

Im Streit um die Flutung eines gigantischen Nil-Staudamms haben Ägypten, Äthiopien und Sudan eine Einigung erzielt. Die ägyptische Präsidentschaft teilte mit, es sei eine rechtlich bindende Abschlusserklärung erzielt worden, in der sich alle Parteien zu einem Verzicht auf einseitige Schritte verpflichteten, darunter das Fluten des Staudamms. Die Erklärung werde an den UN-Sicherheitsrat weitergeleitet, der darüber am Montag beraten solle.

Sudans Ministerpräsident Abdallah Hamdok erklärte, es sei vereinbart worden, "die Flutung zu verschieben, bis eine Einigung erzielt worden ist". Binnen zwei Wochen würden Vertreter der drei Länder ein endgültiges Abkommen ausarbeiten. "Der Sudan ist einer der größten Profiteure des Damms , aber auch einer der größten Verlierer, wenn Risiken nicht entschärft werden", deshalb dringe sein Land auf eine Lösung, sagte er.

Da sich nun die drei Staaten doch zu einer Einigung durchringen konnten, dürfte vorerst der Frieden in der gesamten Region Nordostafrika sichergestellt sein. In der Vergangenheit kursierten noch Berichte, wonach Ägyptens Regierung plane, den Damm notfalls zu bombardieren.

Äthiopien will Afrikas größter Stromexporteur werden

Vor neun Jahren begann Äthiopien mit dem Bau seines Renaissance-Damms, dem größten Projekt seiner Art in Afrika. Baukosten: vier Milliarden US-Dollar. Der Damm wird das Wasser des Blauen Nils, eines wichtigen Zuflusses zum Hauptstrom, für die Stromerzeugung aufstauen. Äthiopien betont, der Damm sei für die Energieversorgung und die Entwicklung des Landes unerlässlich.

Das 1,8 Kilometer lange und 145 Meter hohe Bauwerk soll 2022 vollständig in Betrieb genommen werden. Seine Leistung soll dann 5000 Megawatt betragen. Die Flutung des Beckens sollte schon im Juli beginnen. Äthiopien braucht dringend Elektrizität und dürfte mit dem Projekt zum größten Stromexporteur in Afrika aufsteigen.

Satelliten-Aufnahme des Renaissance-Damms am Blauen Nil | Bildquelle: AP
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Mit 74 Milliarden Kubikmetern aufgestauten Wassers wäre die "Grand Ethiopian Renaissance"-Talsperre die größte Afrikas.

Der Zorn in Kairo war groß

Unter dem Projekt würde Ägypten leiden. Berechnungen ergaben, dass das Land 14 Prozent des Nilwassers und 18 Prozent seiner Agrarfläche verlöre, wenn Äthiopien den See binnen zehn Jahren aufstaute. Bei einer Stauzeit von sieben Jahren, wie sie die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed anstrebt, würde Ägypten sogar 22 Prozent des Nilwassers und etwa 30 Prozent seines fruchtbaren Bodens einbüßen. Das wäre nach Ansicht ägyptischer Politiker ein Desaster. Entsprechend groß war der Zorn in Kairo.

Im Januar hatten Ägypten, Äthiopien und der Sudan einen Kompromiss ausgehandelt, unter Vermittlung der USA. Er sah unter anderem vor, dass der Stausee nur während der Regenzeit gefüllt wird, also in den Monaten Juli und August und eventuell noch im September. Doch nur Ägypten hatte das Papier bisher unterzeichnet.

Karte: Anrainerstaaten des Nil
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Der Nil durchzieht auf 6000 Kilometer Länge zehn Länder. Aus ihm spiest sich fast die ganze Wasser- und Stromversorgung.

Ägypten schaltete UN-Sicherheitsrat ein

Äthiopien machte einen Rückzieher und gab an, mehr Zeit für interne Beratungen zu brauchen. Der Sudan war an dem billigen Strom, den der Damm generieren soll, eigentlich interessiert. Eine Regulierung des Flusswassers durch das Bauwerk könnte für die sudanesische Landwirtschaft hilfreich sein. Doch dann sah sich der Sudan eher an der Seite Ägyptens.

Vergangene Woche bat Kairo den UN-Sicherheitsrat um Vermittlung in dem Streit. "Die direkten Folgen für Ägypten durch den Bau des Damms werden enorm sein", sagte der ehemalige ägyptische Wasserminister Mohammed Nasser Allam. Landwirtschaftliche Flächen würden unbrauchbar, der Grundwasserspiegel werde sinkt, und das Meerwasser das Nildelta versalzen.

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Juni 2020 um 17:00 Uhr.

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