Plastikmüll liegt am Strand von Ko Sih Chang, einer Insel im Golf von Thailand.  | Bildquelle: dpa

Kampf gegen Plastikmüll Mit dem Staubsauger über den Strand

Stand: 15.05.2019 12:03 Uhr

Studenten aus dem kanadischen Quebec wollen auf Hawaii einen der dreckigsten Strände der Welt vom Plastikmüll befreien. Mit einem Staubsauger. Was krude klingt, macht Meeresbiologen Hoffnung.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Der Strand von Kamilo Point auf der hawaiianischen Hauptinsel Big Island sieht mehr nach Müllhalde denn nach Urlaubsparadies aus. Überall liegt Plastik: Tüten, Flaschen, Deckel, Verpackungen. Damit ist Kamilo Point wohl der unattraktivste Flecken der Insel - und das ganz ohne eigenes Zutun. Denn der meiste Müll wird von der Meeresströmung angespült. Er hat oft Tausende Kilometer zurückgelegt.

Aber die Meeresbiologin Megan Lamson Leatherman schöpft wieder Hoffnung - dank des neuen Strandstaubsaugers mit dem Namen Hoola One. Dieser sehe vielversprechend aus, auch wenn er eine Menge Lärm macht. "Wir haben immer gescherzt und gesagt, wir brauchen eine Art Plastik-Magneten", sagt die Biologin. Und nun sei da dieser Staubsauger, "das bisher Innovativste, was ich gesehen habe". Sie sei wirklich angetan.

So breit wie ein Elefantenrüssel

"Hoola One" ist auf einen großen Anhänger montiert. Angetrieben wird der Sauger von einem mächtigen Benzin-Generator. Ein Schlauch führt ins Meer, über den Wasser in einen Tank gespült wird. Ein anderer Schlauch mit der ungefähren Breite eines Elefantenrüssels saugt die Plastikteile ein - Sand inklusive. Im Tank selbst werden dann Plastik und Sand mithilfe des Meerwassers wieder voneinander getrennt. Denn das Plastik schwimmt oben.

Ausgedacht hat sich die Maschine der Ingenieurs-Student Alexandre Savard: "Ich habe mich an der Idee festgebissen und wollte das Problem lösen." Dann habe er Kamilo Beach entdeckt, der als einer der dreckigsten Strände der Welt gelte. "Wenn wir diesen Strand sauber kriegen, können wir das überall schaffen", sagt Savard.

Geld über Crowdfunding gesammelt

Umgerechnet 46.000 Euro haben die Studenten via Crowdfunding zum Bau des Saugers eingesammelt. Die ersten Tests sind offenbar erfolgreich verlaufen. In einem großen weißen Mülleimer landet das Plastik, das die Maschine ausspuckt. Pro Minute können so elf Liter Sand gereinigt werden. Jean-Felix Tremblay, einer der Studenten, ist erleichtert, dass der Sauger funktioniert. Es habe zwei Jahre von der Idee bis zur Fertigstellung des Prototypen gedauert, erzählt er. "Wir haben Tausende Stunden investiert. Wir sind zwölf Studenten. Tage und Nächte und am Wochenende haben wir an der Maschine gearbeitet."

Die Studenten aus Quebec wollen nach dem erfolgreichen Test ihren Strandsauger nun kleiner machen und suchen nach Investoren.

Hoola One: Studenten entwickeln Plastiksauger für den Strand
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
15.05.2019 11:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 15. Mai 2019 um 11:53 Uhr.

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