Kilometerlanger Stau aufgrund des Reiseverkehres im Sommer beim Knoten Salzburg A1 / A10 (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / VOGL-PERSPEKT

Transitstreit in Österreich Gebremster Ferienstart

Stand: 12.07.2019 14:10 Uhr

Ab diesem Wochenende gilt auch im Bundesland Salzburg: Urlauber dürfen nicht mehr Staus umfahren, indem sie von Autobahnen abfahren. Das ist auch für die Polizei eine Herausforderung.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Ab diesem Wochenende gilt es nicht nur auf der Inntal- und Brennerautobahn: Mit dem Abfahren von der Autobahn bei Staus ist auch im österreichischen Bundesland Salzburg Schluss. Die Landesregierung von Salzburg hat für die kommenden Ferienwochenenden bis Mitte August Verbote angekündigt. Allerdings in einem deutlich größeren Ausmaß - auf einer Autobahnlänge von rund 100 Kilometern. So darf entlang der Tauernautobahn A 10 zwischen Puch südlich von Salzburg bis Sankt Michael im Lungau nicht mehr abgefahren werden. Es sei denn, die Urlaubsorte befinden sich in der Region.

Kein Gesprächsbedarf

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will zwar den Streit in persönlichen Gesprächen mit österreichischen Politikern entschärfen. Nach Angaben seines Ministeriums lud er den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter sowie den österreichischen Verkehrsminister Andreas Reichhardt nach Berlin ein.

Die Landesregierungen von Tirol und Salzburg sehen Gesprächsbedarf - wenn es nicht um die Rücknahme der temporären Fahrverbote geht. Sicherlich könne man sich mit Scheuer zusammensetzen, aber eher in Kufstein oder Kiefersfelden, wo die Probleme seien, sagte Platter im ORF. Er werde nicht zur Verfügung stehen, wenn über Lkw-Blockabfertigungen oder Pkw-Fahrverbote diskutiert werde, sagte er. "Die bleiben. Ich diskutiere nur dann, wenn inhaltlich tatsächlich etwas weitergeht."

Für die Polizei bedeute die Sperrung mehr Arbeit. Tirols Landespolizei ist personell durch die bisherigen Absperrungen entlang der Abfahrten im Bezirk Reutte, Kufstein und um Innsbruck bereits durch die Einsätze an den vergangenen Wochenenden stark belastet worden.

Mehr Kontrollen

Jetzt plant die Landesregierung, private Straßenverkehrskräfte bei den Kontrollen an den Abfahrten einzusetzen. "Im Prinzip braucht man da einen größeren Kräfteeinsatz", sagt Egon Lorenz von der Bezirkspolizei Reutte dem ORF: Die Landesregierung sei dabei, die Straßenaufsichtsorgane mit diesen Kontrollen in Zukunft zu betrauen, "damit eben die Polizei wieder ihren originären Aufgaben nachgehen kann."

Während sich viele Anwohner positiv äußern, werden die nächsten Ferienwochen für die Tankstellenbetreiber und Gaststättenbesitzer entlang der abgesperrten Abfahrtsrouten alles andere als angenehm: Es dürfte zu erheblichen Einbußen kommen, wenn die Touristenströme nicht mehr durch ihre Ortschaften fahren können.

alt Fahrzeugen stauen sich auf der A7  | Bildquelle: dpa

Reiseverkehr rollt

Der Reiseverkehr dürfte an diesem Wochenende auch in Deutschland seinen Höhepunkt erreichen. Der ADAC erwartet "eines der schlimmsten Reisewochenenden". Mit viel Verkehr rechnet der Verkehrsclub vor allem auf den Fernstraßen in Richtung Nord- und Ostsee sowie auf den Weg in den Süden. Auch auf den Autobahnen in Österreich, Kroatien, Frankreich, Italien und der Schweiz kann es zu Staus kommen. Bei der Fahrt zurück in die Heimat müssen sich Autofahrer an der Grenze nach Deutschland auf lange Wartezeiten bei den Einreisekontrollen einstellen. Auch die Deutsche Bahn bereitet sich auf volle Züge vor. "Wie schon an den reisestarken Feiertagswochenenden im letzten Monat gilt auch für das kommende: Alles, was rollen kann, rollt", sagte eine Bahnsprecherin. Nach dem Ferienbeginn an Rhein und Ruhr haben fast alle Bundesländer schulfrei - bis auf Bayern und Baden-Württemberg. 

 

Aktuelle Lage der Fahrverbote in Tirol und Salzburg
Clemens Verenkotte, ARD Wien
12.07.2019 10:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juli 2019 um 06:46 Uhr.

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