Startup in Shenzhen | Bildquelle: ARD-Studio Shanghai

Startups in Shenzhen 100.000 Dollar für eine gute Idee

Stand: 22.12.2016 05:00 Uhr

Shenzhen gilt als eine der angesagtesten Städte für Startups weltweit. Dabei zieht die Stadt im Süden Chinas nicht mehr nur die Entwickler von Online-Lösungen und Apps an, sondern auch klassische Tüftler und Erfinder.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Im Stadtzentrum von Shenzhen, im achten Stock eines modernen Bürogebäudes: Mehrere Dutzend Tüftler aus aller Welt sitzen in einer Mischung aus Großraumbüro und Kreativ-Werkstatt. Es handelt sich um das Start-Up-Zentrum namens HAX, die Abkürzung steht für Hardware Accelerator, also Hardware-Beschleuniger. "Wir sind Voltstorage und wir entwickeln einen Batteriespeicher für private Haushalte, der Solarstrom zwischenspeichern kann, damit man auch Nachts seinen eigenproduzierten Solarstrom nutzen kann", erzählt Felix Kiefl aus der Nähe von München.

Felix Kiefl in Shenzhen (Foto: Steffen Wurzel)
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Felix Kiefl entwickelt in China Energiespeicher für Privathaushalte.

Mit zwei Kollegen baut er hier in Shenzhen im HAX Prototypen eines neuartigen Großbatterien-Speichersystems vom Typ Vanadium-Redox. Er klopft auf ein regentonnenartiges Gehäuse. "Das ist ein Stahlgehäuse, das ist gerade leer, die Innereien liegen hier außen herum. Das Interessante ist, dass es sich um einen Flüssigkeitsspeicher handelt, in dem die Energie nicht in Metallen, sondern in Flüssigkeiten gespeichert wird."

Ein Prototyp in 48 Stunden

Im Gegensatz zu Entwicklern von Software- oder Smartphone-Apps müssen die Macher von Voltstorage eine Menge konkret entwickeln und konstruieren. Die Speichertonnen sind dabei das geringste Problem. Aufwendiger ist die Steuerelektronik. Die lässt sich hier in Shenzhen deutlich einfacher herstellen als in Europa.

"Wenn es zum Beispiel darum geht, eine neue Platine zu entwickeln, um die Steuerung für den Speicher zu machen, dann dauert es hier, von dem Moment an, in dem man die grobe Idee dazu hat, bis zu dem Augenblick, an dem man einen Prototypen in der Hand hat und testen kann 48 Stunden", sagt Kiefl. "Das geht so in Deutschland nicht und vor allem geht das nicht für den Preis."

Ein Silicon Valley für Hardware

Umgerechnet 80 Euro zahlen die Entwickler hier für drei speziell angefertigte Steuerplatinen. Die Prototypen kosten so nur einen Bruchteil dessen, was das Ganze in Deutschland kosten würde. "Shenzhen ist das Silicon Valley für Hardware. Das ist der Grund, warum wir hier sind", sagt Benjamin Joffe, einer der Macher des HAX Accelerators.

Benjamin Joffe in Shenzhen (Foto: Steffen Wurzel) | Bildquelle: ARD-Studio Shanghai
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Benjamin Joffe gehört zu den Gründern des HAX

"Es ist ja bekannt, dass in China Elektronik produziert wird. Bis vor Kurzem konnten das nur große Firmen. Mit uns können auch kleine Startups die gleichen Produktions- und Lieferketten nutzen wie große Firmen - nur eben kleinteiliger."

Viermal so schnell wie in Europa oder in den USA

Eine Woche hier in Shenzhen entspreche einem Monat Entwicklungszeit in Europa oder in den USA, sagt der Franzose. Deswegen sei die Zeit, die Erfinder aus aller Welt hier verbringen, im besten Wortsinne: ein Beschleuniger. "Wir denken zukunftsorientiert und und versuchen, Trends sehr frühzeitig erkennen. Wir treten dazu in Kontakt zu Entwicklern aus aller Welt und schauen uns deren Ideen an. Und dann schauen wir, ob das Marktpotenzial in unseren Augen groß genug ist."

100.000 Dollar als Startkapital

Benjamin Joffe und sein HAX-Team zahlen Startup-Firmen wie Voltstorage bis zu 100.000 US-Dollar als Anschubfinanzierung. Das Ganze ist kein Geschenk, sondern ein Investment, denn im Gegenzug erwirbt HAX bis zu neun Prozent der Anteile an den Startups.

Mehr als 100 Firmen-Gründungen hat HAX hier in Shenzhen bisher angeschoben, so auch Felix Kiefl und die deutschen Voltstorage-Macher. 2017 wollen die Batteriebauer auch in Deutschland durchstarten, nach vier Monaten in Shenzhen. "Es ist sehr faszininierend, was hier in China gemacht werden kann. Und was tatsächlich - insbesondere in der Elektronik - möglich ist, hier in China, ist gigantisch!"

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