Rohingya-Flüchtlinge in Myanmar. Staatenlosigkeit steht oft in Zusammenhang mit Flucht oder Vertreibung. | Bildquelle: REUTERS

Kampf gegen Staatenlosigkeit "Kein Beweis dafür, wer sie sind"

Stand: 07.10.2019 17:46 Uhr

Sie können nicht zur Schule, nicht reisen, nicht arbeiten: Weltweit leben Millionen Menschen ohne Staatsangehörigkeit. Die UN wollen das ändern - auch mit Hilfe der Schauspielerin Cate Blanchett.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

"Staatenlos" - so heißt eine neue Serie über Flüchtlinge in einem Speziallager, die für das australische Fernsehen produziert wird. Oscar-Gewinnerin Cate Blanchett spielt in der Serie mit, aber auch abseits des Filmsets engagiert sich der australische Superstar für Staatenlose. Seit 2016 ist sie Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Die Schauspielerin, die unter anderem die Queen oder die Elfenkönigin Galadriel in "Der Herr der Ringe" verkörperte, sagt: Staatenlosigkeit verwehre Millionen Menschen ein normales Leben.

"Ihnen wird die Ausbildung verwehrt, ärztliche Versorgung, sie können nicht reisen, können keinen Führerschein erwerben, sie können nicht arbeiten, kein Bankkonto eröffnen. Sie können nicht heiraten und für sie wird nicht einmal eine Sterbeurkunde ausgestellt."

Schauspielerin und UN-Sonderbotschafterin Cate Blanchett | Bildquelle: REUTERS
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Bekannt wurde Cate Blanchett mit Filmen wie "Elizabeth" - nun ist sie auch Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks.

Gesetze als Ursache

Die Gründe für Staatenlosigkeit sind ganz unterschiedlich. Sie steht oft im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung oder aber auch mit der Gesetzgebung mancher Länder. Auf einer Pressekonferenz in Genf erzählt Blanchett, dass sie im Libanon ein neunjähriges Mädchen Namens Rama getroffen habe. Der Vater als Angehöriger einer Minderheit sei ohne Papiere. Die Mutter sei eine Libanesin. Doch nach libanesischen Gesetzen können Frauen, die einen ausländischen Mann heiraten, ihre Staatsbürgerschaft nicht an ihre Kinder übertragen - also ist auch Rama staatenlos.

"Sie ist eines der klügsten, intelligentesten jungen Mädchen, die ich je getroffen habe", erzählt Blanchett. "Nun im Alter von neun Jahren muss sie ihre Hoffnung begraben, einmal Kinderärztin zu werden, weil sie kaum eine Aussicht hat, ein Gymnasium zu besuchen. Ihre Eltern haben Angst, fühlen sich schuldig und machtlos. Ich erlebte da wirklich eine sehr unmenschliche, herzzerreißende und verheerende Situation."

Vier Millionen Staatenlose

Seit fünf Jahren läuft eine Kampagne des UNHCR, die Staatenlosigkeit von Menschen bis zum Jahr 2024 weltweit zu beenden. Carol Batchelor, die Sonderberaterin des UNHCR, verweist auf Erfolge. So hätten mehr als 220.000 vorher Staatenlose eine Staatsbürgerschaft erhalten. Kirgistan sei das erste Land, in dem keine Menschen mehr von Staatenlosigkeit betroffen seien, andere Länder hätten ihre Gesetzgebung geändert.

Und doch: "Wir haben weltweit immer noch fast vier Millionen Menschen, die ohne Staatsbürgerschaft sind", so Batchelor - "ohne Dokumente oder Beweis dafür, wer sie sind, und die folglich keinen Zugang haben zu all den Dingen, die wir für selbstverständlich halten. Und das sind nur die bekannten Fälle."

Schauspielerin Cate Blanchett will erreichen, dass die Menschen und Regierungen dem Problem mehr Aufmerksamkeit schenken. Für Staatenlosigkeit gebe es oft ganz einfache Lösungen, sagt sie, auch wenn diese natürlich verschiedene Ursachen habe. "Aber es ist ein menschengemachtes Problem und es ist lösbar." 

Im Fall der neunjährigen Rama aus dem Libanon etwa wäre es einfach, das veraltete Gesetz so zu ändern, dass auch Frauen ihre Nationalität an ihre Kinder übertragen können.

UNO-Sonderbotschafterin Cate Blanchett im Kampf gegen Staatenlosigkeit von Menschen
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
07.10.2019 16:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Oktober 2019 um 18:00 Uhr.

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