Sicherheitskräfte patrouillieren vor einer Moschee in Sri Lanka. | Bildquelle: AFP

Nach Anschlägen Sri Lanka weist Hunderte Ausländer aus

Stand: 06.05.2019 15:52 Uhr

Zwei Wochen nach den Anschlägen bleiben die Sicherheitsvorkehrungen hoch. Hunderte Ausländer wurden ausgewiesen. Behörden suchen weiter nach Verdächtigen. Der Erzbischof mahnt nun zur Ruhe.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Zwei Wochen nach den Selbstmordanschlägen in Sri Lanka ist die Lage weiterhin angespannt. Der Erzbischof von Colombo, Kardinal Malcolm Ranjith, rief in einer Fernsehansprache zur Ruhe auf und bat Christen, Buddhisten und Muslime darum, den Frieden zu sichern.

In Negombo, nördlich der Hauptstadt von Sri Lanka, war es am Sonntag zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen gekommen. Mehrere Häuser und Fahrzeuge von Muslimen wurden beschädigt. Die Behörden schickten daraufhin einige hundert zusätzliche Sicherheitskräfte nach Negombo und verhängten eine nächtliche Ausgangssperre. Die St. Sebastianskirche in dem kleinen Ort war am Ostersonntag eines der Anschlagsziele der Selbstmordattentäter.

Ein Mann geht durch die St-Sebastians-Kirche in Negombo (Sri Lanka) | Bildquelle: AP
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Ein Mann geht durch die St-Sebastians-Kirche in Negombo. Sie war eines der Anschlagsziele am Osterwochenende.

Schulen wieder eröffnet

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurden die Schulen des Landes wieder geöffnet. Polizisten mit Spürhunden hatten über 10.000 Schulgebäude im ganzen Land durchsucht, bevor sie für den Unterricht freigegeben wurden.

"Ich fühle mich besser, wenn mein Kind Zuhause bleibt"

Doch nicht alle Eltern waren davon überzeugt. "Ich schicke mein Kind noch nicht zur Schule", sagte eine Mutter. Nur weil der Schuldirektor sagt, dass alles sicher und durchsucht worden sei, habe sie noch kein Vertrauen. "Diesen Islamisten kann man nicht trauen. Sie töten sogar ihre eigenen Kinder, wieso sollten sie dann unsere verschonen?"

Ein Vater äußerte sich ähnlich. Die Sicherheitsvorkehrungen seien zwar verschärft worden, aber sein Kind schicke er noch nicht wieder hin. "Was auch immer die Behörden sagen, ich fühle mich besser, wenn mein Kind noch Zuhause bleibt."

Muslime unter Druck

Die Regierung in Colombo macht die Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die Anschlagsserie verantwortlich. Ihr Anführer, der muslimische Geistliche Zahran Hashim, war als einer der Selbstmordattentäter ums Leben gekommen.

Die Muslime in Sri Lanka sind seitdem unter Druck. Insbesondere jetzt, während des heiligen Fastenmonats Ramadan. Der Generalsekretär der muslimischen Vereinigung Ceylon Thawheed Jama´ath, Abdur Razik, distanzierte sich von den Terroristen.

"Es gibt so viele Thawheed Jama'ath Organisationen in unserem Land. Wir nennen uns Ceylon Thawheed Jama'ath, CTJ. Aber dann gibt es noch die Sri Lanka Thawheed Jama'ath, die United Thawheed Jama'ath und so weiter und so weiter. Einige sind in ganz Sri Lanka präsent, einige nur in verschiedenen Regionen."

Regierung weist Ausländer aus

Die Behörden in Sri Lanka haben inzwischen mehr als 600 Ausländer ausgewiesen, darunter rund 200 islamische Geistliche.

Sie seien zwar legal ins Land gekommen, sagte Innenminister Vajira Abeywardena der Nachrichtenagentur AFP, ihre Visa seien aber abgelaufen. Die Regierung habe beschlossen, die Visa-Auflagen für muslimische Religionslehrer zu verschärfen.

Soldaten in Colombo, Sri Lanka | Bildquelle: AFP
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Soldaten in Colombo, Sri Lanka. Noch immer fahnden Sicherheitsbehörden nach Verdächtigen.

Verdächtige noch auf der Flucht

Sri Lankas Präsident Maithripala Sirisena sagte, die Sicherheitsbehörden seien bei der Fahndung nach den Hintermännern und weiteren Terroristen ein gutes Stück voran gekommen, es seien aber noch Dutzende Verdächtige auf der Flucht.

Sri Lanka - Sicherheitsvorkehrungen nach Anschlägen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
06.05.2019 14:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Mai 2019 um 17:50 Uhr.

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