Gruppe von Sri-Lankern hält Plakate während eines Protestes vor dem Gefängnis Welikada in Colombo. | Bildquelle: REUTERS

Internationale Proteste Sri Lanka stellt zwei Henker ein

Stand: 30.06.2019 13:30 Uhr

In Sri Lanka sollen erstmals seit 43 Jahren wieder Todesurteile vollstreckt werden. Dafür hat das Land zwei Henker eingestellt. Im Land selbst, aber auch weltweit sorgt dies für Empörung.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Mehr als 100 Bewerber für den Posten eines Henkers hatte die Stellenanzeige der Regierung von Sri Lanka im Februar mobilisiert. Nun wurden Medienberichten zufolge zwei Kandidaten ausgewählt, die nach einer Schulung die Todesstrafe gegen vier verurteilte Drogenkriminelle vollstrecken sollen. In der Vergangenheit wurden zum Tode Verurteilte traditionell aufgehängt. Doch seit 1976 hatte es in Sri Lanka keine Exekutionen mehr gegeben.

In der Stellenanzeige, die in den Tageszeitungen Sri Lankas veröffentlicht worden war, wurden Bewerber mit "exzellentem moralischem Charakter" und mentaler Stärke gesucht. Außerdem wurde ein ärztlicher Eignungstest verlangt.

Sri Lankas Präsident Maithripala Sirisena hatte das Moratorium auf die Todesstrafe bereits im Juli vergangenen Jahres aufgehoben und vor wenigen Tagen im Fernsehen bekannt gegeben, dass er die Befehle zur Ausführung von vier Exekutionen bereits unterzeichnet habe.

Demonstrationen gegen Hinrichtungen

Die Ankündigung führte in Sri Lanka und weltweit zu Reaktionen. In Colombo gingen in den vergangenen Tagen Menschen auf die Straße und demonstrierten gegen die geplanten Exekutionen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International startete eine sogenannte Dringlichkeitsaktion und rief dazu auf, eine Petition gegen die geplanten Hinrichtungen zu unterschreiben.

Gruppe von Sri-Lankern hält Plakate während eines Protestes vor dem Gefängnis Welikada in Colombo. | Bildquelle: REUTERS
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In Colombo demonstrierten in den vergangenen Tagen viele Menschen gegen die geplanten Exekutionen.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gibt es in Sri Lanka fast 1300 zum Tode verurteilte Häftlinge, darunter 48, die wegen Drogendelikten verurteilt wurden. Medienberichten zufolge wurde im März die bisher größte Menge an Heroin in Sri Lanka sichergestellt: 300 Kilogramm mit einem Marktwert von umgerechnet 17 Millionen US-Dollar.

Die Tageszeitung "Daily Mirror" berichtete unter Berufung auf die neuesten offiziellen Statistiken der Behörden, dass allein im Jahr 2017 mehr als 80.000 Personen im Zusammenhang mit Drogendelikten verhaftet wurden.

EU: Hinrichtungen falsches Signal

Die Europäische Union bezeichnete Hinrichtungen in Sri Lanka als ein falsches Signal an die internationale Gemeinschaft und mögliche Investoren. Der deutsche Botschafter in Colombo, Jörn Rohde, wurde von der Tageszeitung "Daily Mirror" mit den Worten zitiert, solche Schlagzeilen würden dem Versuch des Landes, den Tourismus wieder anzukurbeln, entgegenwirken.

Maithripala Sirisen, Präsident von Sri Lanka | Bildquelle: REUTERS
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Präsident Maithripala Sirisena hatte in der vergangenen Woche die Exekutionsbefehle für vier Drogenkriminelle unterzeichnet.

Anfang des Jahres hatte Präsident Sirisena bei einem Besuch in Manila die harten Maßnahmen des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte gegen den Drogenhandel gepriesen und angekündigt, er werde dies zum Vorbild für Maßnahmen in Sri Lanka machen. Die Rede Sirisenas wurde im philippinischen Fernsehen übertragen: "Herr Präsident, Ihr Krieg gegen Drogenkriminalität ist ein Beispiel für die ganze Welt und besonders für mich. Drogenmissbrauch ist in meinem Land weit verbreitet, und wir müssen harte Maßnahmen ergreifen, um das zu beenden."

Sri Lanka - Todesstrafe soll wieder vollstreckt werden
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu Delhi
30.06.2019 12:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juni 2019 um 15:00 Uhr.

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