Oppositionelle bei einer Kundgebung gegen Minister muslimischen Glaubens in Sri Lankas Hauptstadt Colombo. | Bildquelle: M A PUSHPA KUMARA/EPA-EFE/REX

Sri Lanka nach Anschlägen Muslime unter Generalverdacht

Stand: 04.06.2019 17:54 Uhr

Nach den Anschlägen in Sri Lanka stehen die Muslime im Land unter Druck. Eine Reihe von Spitzenpolitikern gab nun der Forderung radikaler Buddhisten nach, während der Ermittlungen zurückzutreten.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Tagelang hatten buddhistische Mönche protestiert und den Rücktritt von muslimischen Politikern gefordert. Allen voran Galagoda Gnanasara, der in Sri Lanka als Radikaler und Unruhestifter bekannt ist. "Ich habe die muslimischen Politiker darum gebeten, zurückzutreten", sagte er. "Dann können wir die Probleme hier besser lösen."

Der Mönch Galagoda Gnanasara, Anführer radikaler Buddhisten in Sri Lanka, wird von der Polizei abgeführt. | Bildquelle: REUTERS
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Der Mönch Galagoda Gnanasara, Anführer radikaler Buddhisten in Sri Lanka.

Der Mönch setzte allen muslimischen Gouverneuren und Ministern eine Deadline. Erst vor wenigen Tagen wurde er vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Eigentlich hätte er noch eine Strafe absitzen müssen, zu der er wegen Anstiftung zur Gewalt gegen Muslime verurteilt worden war.

Der Präsident von Sri Lanka hatte Gnanasara begnadigt. Gleich danach trat er in einen Hungerstreik und protestierte mit anderen buddhistischen Mönchen auf den Straßen - um dem islamistischen Extremismus im Land Einhalt zu gebieten, wie er selber sagt: "Die muslimische Gemeinde hier im Land muss verstehen, dass wir es mit globalem Terror zu tun haben", meint Gnanasara. "Unsere religiösen Führer müssen ihrer Rolle entsprechen und darüber diskutieren, wie hier der Koran gelehrt wird."

"Islamischer Staat" bekannte sich zu Anschlägen

Die Anschläge vom Ostersonntag waren alle von einheimischen Terroristen verübt worden. Allerdings hatte sich auch die Terrorgruppe "Islamischer Staat" dazu bekannt. Inwiefern die Attentäter mit den internationalen Extremisten zusammenarbeiteten, wird nach wie vor untersucht.

Der Druck auf die Muslime im Land bleibt groß. Nach den Anschlägen hatte es Attacken auf ihre Geschäfte und Moscheen gegeben, angefacht unter anderem von radikalen Buddhisten.

Soldaten in Sri Lanka zeigen eine gefundene IS-Flagge | Bildquelle: AFP
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Soldaten in Sri Lanka zeigen eine Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat", die sie nach den Anschlägen sichergestellt hatten.

Ex-Minister erwartet Freispruch von Vorwürfen

Um die angespannte Situation in Sri Lanka zu beruhigen, seien sie nun erst einmal zurückgetreten, sagen die muslimischen Minister und Gouverneure. "Wir sind Teil der muslimischen Gemeinschaft in Sri Lanka und geben unsere Posten als Minister auf, damit die Regierung von Sri Lanka alle Vorwürfe gegen uns umgehend und schnell überprüfen kann", sagte der ehemalige Entwicklungsminister Rauff Hakeem in einer Pressekonferenz. "Wir erwarten, dass dies innerhalb eines Monats geschieht und wir dann von diesen Vorwürfen freigesprochen werden."

Seit den Anschlägen von Ostersonntag gilt noch immer der Ausnahmezustand in Sri Lanka. Etwa 100 Verdächtige, die mit den Attentaten in Verbindung stehen sollen, hat die Polizei seitdem fest genommen.

Muslimische Spitzenpolitiker in Sri Lanka zurück getreten
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
04.06.2019 17:11 Uhr

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