Soldaten in Colombo, Sri Lanka | Bildquelle: AFP

Nach Anschlägen Sri Lanka erlaubt wieder Facebook & Co.

Stand: 30.04.2019 14:29 Uhr

Die Menschen in Sri Lanka dürfen wieder soziale Netzwerke benutzen. Das Verbot nach den Anschlägen wurde aufgehoben. Zudem will die katholische Kirche am kommenden Sonntag wieder Gottesdienste abhalten.

Acht Tage nach den Terroranschlägen können die Bewohner von Sri Lanka zahlreiche Internetdienste wieder verwenden. Präsident Maithripala Sirisena habe die Sperre für Facebook, WhatsApp, YouTube und andere soziale Medien und Apps aufgehoben, teilte die Regierung mit. Sie rief die Bevölkerung auf, sich auf sozialen Medien "verantwortungsbewusst" zu verhalten. Die Regierung hatte die Sperre der Dienste damit begründet, dass sie nach den Anschlägen auf Kirchen und Luxushotels am Ostersonntag die Verbreitung falscher Informationen verhindern wollte.

Außerdem wird die katholische Kirche am kommenden Sonntag wieder Messen abhalten - allerdings unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. "Am 5. Mai werden wir mit einer kleinen Zahl von Messen beginnen", sagte Kardinal Malcolm Ranjith. Je nach Lage werde es dann nach und nach wieder mehr Gottesdienste geben. Die Kirche verfolge die Ermittlungen der Behörden zu den Selbstmordanschlägen am Ostersonntag genau und wolle sich ein Bild über die Sicherheitslage machen, bevor auch wieder täglich Gottesdienste abgehalten würden, sagte Ranjith.

Deutscher Botschafter gibt keine Entwarnung

Der Kardinal wird seit den koordinierten Attacken am Ostersonntag von bewaffnetem Sicherheitspersonal geschützt. Ein kugelsicheres Fahrzeug lehnte er jedoch ab. "Ich fürchte mich nicht. Doch ich möchte Sicherheit für meine Leute und das Land", sagte der Kardinal.

Der deutsche Botschafter in Sri Lanka, Jörn Rohde, gibt allerdings noch keine Entwarnung. Es bestehe grundsätzlich die Gefahr von weiteren Anschlägen, schrieb er in einer Nachricht, die die Botschaft twitterte. "Die Sicherheitskräfte scheinen nach meinen Erkenntnissen inzwischen effektiv zu arbeiten". Dennoch bitte er dringend darum, "weiterhin erhöhte Wachsamkeit walten zu lassen".

42 ausländische Todesopfer

253 Menschen kamen bei den Anschlägen ums Leben. Unter ihnen sind 42 Ausländer. Die bisherige Zahl von 40 ausländischen Todesopfern wurde nach oben korrigiert, erklärte nun das Außenministerium Sri Lankas. Die meisten davon - insgesamt elf - stammen aus Indien. Aber unter anderem auch Großbritannien, Dänemark, Spanien, die Niederlande, Portugal und die Schweiz haben Todesopfer zu beklagen. Sechs Opfer besaßen den Angaben zufolge mehr als eine Staatsbürgerschaft, darunter auch ein Deutsch-Amerikaner.

Die Zahl der ausländischen Todesopfer kann nach Angaben des Ministeriums noch weiter steigen. Denn es gebe nach wie vor Leichen, die noch nicht identifiziert werden konnten.

USA fürchten weitere Anschläge

Unterdessen befürchten die USA weitere Anschläge in Sri Lanka. Es seien möglicherweise immer noch Mitglieder der Extremistengruppe auf der Flucht, die für die Attacken vom Ostersonntag verantwortlich sei, sagte US-Botschafterin Alaina Teplitz. "Wir haben Grund zu der Annahme, dass die aktive Angriffsgruppierung nicht vollständig deaktiviert wurde. Wir glauben, dass derzeit die Planungen laufen."

Die Regierung macht die Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die Attacken verantwortlich, glaubt aber, dass sie Unterstützung aus dem Ausland hatte - inzwischen reklamierte die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" die Tat für sich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2019 um 10:30 Uhr.

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