Ein Armeesoldat vor der St. Antonius-Kirche in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas. | Bildquelle: AP

Nach Anschlägen Sri Lanka verhängt Notstand

Stand: 22.04.2019 20:50 Uhr

Sri Lanka reagiert mit Notstandsbestimmungen auf die Anschläge mit 290 Toten: Militär und Polizei erhalten weitreichende Befugnisse. Ein Interpol-Expertenteam soll bei der Aufklärung helfen.

Um Mitternacht Ortszeit sind in Sri Lanka nach den Anschlägen Notstandsbestimmungen in Kraft getreten. Der Sicherheitsrat der Regierung habe beschlossen, dem Militär und der Polizei weitreichende Befugnisse zu erteilen, teilte das Büro des Staatspräsidenten Maithripala Sirisena mit.

Nach den Anschlägen: Sri Lanka im Notstand
tagesthemen 23:15 Uhr, 22.04.2019, Sibylle Licht, ARD Neu-Delhi zzt. Colombo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Sirisena berief ein dreiköpfiges Team ein, das die Anschläge untersuchen und in drei Wochen einen ersten Bericht vorlegen soll. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte an, ein Expertenteam nach Sri Lanka zu entsenden. Zum Gremium sollen Spezialisten in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung gehören.

"Informationen zur Identifizierung von Personen, die mit diesen Angriffen in Verbindung stehen, könnten von überall auf der Welt kommen", sagte Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock der Mitteilung zufolge. Hier erwiesen sich das globale Netzwerk und die Datenbanken der Organisation als unerlässlich. Derzeit werde bereits die Datenbank gestohlener und verloren gegangener Reisedokumente überprüft, um mögliche Verbindungen oder internationale Spuren zu ermitteln.

Islamistengruppe NTJ verdächtigt

Nach Polizeiangaben sind inzwischen 24 Verdächtige festgenommen worden, die derzeit verhört werden. Alle stammen laut Premierminister Ranil Wickremesinghe aus Sri Lanka.

Die Regierung Sri Lankas macht für die Anschlagsserie die lokale Islamistengruppe National Thowheeth Jamaath (NTJ) verantwortlich, die im Dezember erstmals in Erscheinung getreten war: Damals wurde ihr die Beschädigung buddhistischer Statuen zur Last gelegt, die einen Aufschrei unter der großteils buddhistischen Bevölkerung auslöste. NTJ-Anführer Abdul Razik saß bereits mehrfach in Haft und wird der Anstachelung zu religiösen Unruhen beschuldigt.

Nach Einschätzung der Regierung hatten die Attentäter am Ostersonntag Unterstützung aus dem Ausland: "Es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären", sagte Kabinettssprecher Rajitha Senaratne. Premierminister Wickremesinghe sagte, Sri Lanka wolle mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft Verbindungen der Attentäter ins Ausland auf den Grund gehen.

Verwüstete Kirche nach Anschlag in Sri Lanka | Bildquelle: AFP
galerie

Eine der verwüsteten Kirchen nach dem Anschlag am Ostersonntag.

Mindestens 290 Tote, mehr als 500 Verletzte

Bei mehreren Bombenanschlägen, die auf christliche Kirchen und Touristenunterkünfte abzielten, kamen mindestens 270 Menschen ums Leben. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums gehen sie auf insgesamt sieben Selbstmordattentäter zurück - ob diese von den Behörden zu den Toten gezählt werden, ist nicht bekannt. Mehr als 500 weitere Menschen wurden dabei verletzt.

Unter den Todesopfern sind hauptsächlich Sri-Lanker und mindestens 35 Ausländer. Einer von ihnen ist ein US-amerikanischer Staatsbürger, der nach Angaben des Auswärtigen Amts auch einen deutschen Pass besaß. Über weitere deutsche Opfer sei nichts bekannt. Große Reiseveranstalter meldeten, ihre Gäste in Sri Lanka seien wohlauf.

Soziale Netzwerke nicht erreichbar

Durch die Anschläge und die anschließend verschärften Sicherheitsvorkehrungen kommt es auf der Insel, die ein beliebtes Touristenziel ist, derzeit zu Einschränkungen. Neben einer nächtlichen Ausgangssperre hatten die Behörden zeitweise den Zugang zu sozialen Netzwerken des Facebook-Konzerns und Messenger-Apps wie Viber und Snapchat gekappt. Zur Begründung hieß es, dort hätten sich Panik und Falschmeldungen zu den Anschlägen verbreitet.

Der Notstand dürfte Bürgern Sri Lankas noch aus der Zeit des 26-jährigen Bürgerkriegs vertraut sein, der 2009 endete. Sicherheitskräfte durften damals Wohnungen ohne gerichtliche Erlaubnis durchsuchen. Verdächtige konnten auf Anweisung des Verteidigungsministeriums drei Monate lang eingesperrt werden, ohne sie einem Richter vorzuführen.

Mit dem Kriegsende ebbten die ethnischen Spannungen zwischen Singhalesen und Tamilen nicht völlig ab - da es in beiden Bevölkerungsgruppen Christen gibt, galten diese manchen als Vermittler. Islamistischer Terror war in dem Inselstaat bislang unbekannt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. April 2019 um 23:15 Uhr.

Darstellung: