Arme eines Neugeborenen in Sri Lanka | Bildquelle: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Adoptionsbetrug in Sri Lanka Wie 11.000 Babys verschwanden

Stand: 21.09.2017 12:07 Uhr

Bis zu 11.000 Babys aus Sri Lanka sind in den 1980er-Jahren illegal nach Europa gekommen - über windige Adoptionsvermittler. Der Gesundheitsminister des Landes räumte den Betrug in einer TV-Doku ein. Er will Betroffenen nun helfen.

Im Inselstaat Sri Lanka sollen in den 1980er-Jahren bis zu 11.000 Babys illegal ins Ausland verkauft worden sein. Gesundheitsminister Rajitha Senaratne räumte den Adoptionsbetrug in der Dokumentation "Zembla" des niederländischen Fernsehens ein. Er wolle die kriminellen Hintergründe untersuchen, kündigte er an.

Er bestritt, dass die Regierung von dem Vorgang wusste oder daran beteiligt war. Senaratne kündigte den Aufbau einer DNA-Datenbank an, um den Adoptivkindern bei der Suche nach ihren rechtmäßigen Eltern zu helfen. "Die Regierung nimmt diese Sache sehr ernst", sagte Senaratne laut Medienberichten.

Adoptionen auch aus Deutschland

Laut der TV-Doku wurden die Babys ihren Müttern entweder gestohlen oder abgekauft, bevor sie gegen Geld an westliche Eltern vermittelt wurden. Ärzte, Krankenhauspersonal und Adoptionsvermittlungen sollen an dem Betrug beteiligt gewesen sein. In einigen Fällen sollen Frauen in einer Art "Baby-Farm" gelebt haben. Dort sollen sie unter Zwang geschwängert worden sein, um die Kinder zu verkaufen.

Viele der Kinder seien in den Niederlanden gelandet, hieß es in der Dokumentation. Auch von Menschen aus Deutschland, Großbritannien und Schweden seien betroffene Kinder adoptiert worden.

Bis zu 10.000 US-Dollar pro Baby

Über die Baby-Vermittlungen aus den Niederlanden berichteten deutsche Medien bereits in den 1980er-Jahren. Neben Sri Lanka wurden auch aus Kolumbien, Indien oder anderen Entwicklungsländern Babys illegal adoptiert. Die Europäer zahlten bis zu 10.000 US-Dollar für die Vermittlung. Den leiblichen Eltern wurde laut einem "Spiegel"-Bericht von 1982 teilweise nur 120 Mark bezahlt.

Um die Rechte von Kindern bei Auslandsadoptionen zu schützen, wurde 1993 das Den Haager Übereinkommen geschlossen, dem auch Sri Lanka beitrat. In Deutschland ist die Bundeszentralstelle für Auslandsadoptionen beim Bundesamt für Justiz angesiedelt. Ansprechpartner für adoptionswillige Eltern sind die jeweiligen Landesjugendämter und zugelassene Vermittlungsstellen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. September 2017 um 10:00 und 12:00 Uhr in den Nachrichten.

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