Verhüllte muslimische Frauen in Sri Lanka | Bildquelle: AFP

Sri Lanka Regierung verbietet Gesichtsschleier

Stand: 29.04.2019 09:08 Uhr

Nach den Anschlägen in Sri Lanka dürfen dort vorerst keine Gesichtsschleier mehr getragen werden. Laut Regierung stellen sie eine "Gefahr für die Sicherheit" dar. Am Wochenende waren erneut Dutzende Menschen festgenommen worden.

Menschen in Sri Lanka dürfen ihre Gesichter in der Öffentlichkeit nicht mehr verhüllen. Jede Art von Gesichtsbedeckung, die verhindere, dass eine Person identifiziert werden könne, sei ab sofort verboten, so der Erlass von Staatschef Maithripala Sirisena. Gesichtsbedeckungen stellten eine "Gefahr für die Sicherheit der Nation und der Öffentlichkeit" dar. Dies gilt auch für muslimische Frauen mit Gesichtsschleier.

Das Verbot ist Teil der Notstandsmaßnahmen, die nach den verheerenden Terroranschlägen verhängt worden sind. Das Kabinett hatte den Schritt verzögert, weil es erst noch mit islamischen Geistlichen Rücksprache halten wollte.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten muslimische Geistliche aus Sorge vor Vergeltungsaktionen muslimische Frauen dazu aufgerufen, ihr Gesicht nicht mehr zu verhüllen. Muslime machen im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka rund zehn Prozent der Bevölkerung aus.

Weitere Attentäter auf freiem Fuß?

Am Ostersonntag waren bei den Anschlägen auf Kirchen, Hotels und andere Orte mehr als 250 Menschen getötet worden. Die Regierung macht islamistische Extremisten für die Taten verantwortlich.

Weiterhin wird befürchtet, dass immer noch mögliche Attentäter mit Sprengstoff auf freiem Fuß sind. Am Wochenende waren erneut Dutzende Menschen festgenommen worden. Allein gestern gab es nach Angaben der Polizei 48 Festnahmen.

Bei diversen Hausdurchsuchungen wurden unter anderem Sprengstoff, Zünder, Schusswaffen, Schwerter und Funkgeräte sichergestellt.

Soldaten in Sri Lanka | Bildquelle: AP
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Die Sicherheitskräfte gehen an mehreren Orten gegen Islamisten vor.

Am Samstag waren nach mehreren Explosionen in einem von Sicherheitskräften umstellten Haus in der Küstenstadt Sainthamaruthu 15 Leichen entdeckt worden. Das Haus sollte im Zuge einer Anti-Terror-Razzia von Polizisten und Soldaten gestürmt werden, als diese aus dem Haus beschossen wurden. Kurz darauf sei es in dem Gebäude zu den Detonationen gekommen, berichtet die Polizei.

Die Behörden gehen davon aus, dass die Detonationen auf einen oder mehrere Selbstmordattentäter zurückgehen. Unter den Toten waren demnach sechs Kinder und drei Frauen. Zwölf Leichen seien in dem Haus und drei davor gefunden worden.

Zuvor waren in einem nahe gelegenem Wohnhaus mehrere Sprengstoffwesten, eine Drohne und umfangreiches Material zur Herstellung von Bomben sichergestellt worden. Außerdem seien eine Flagge der Terrormiliz IS und Kleidung gefunden worden - sie könnten auf einem angeblichen Bekennervideo der Attentäter zu sehen sein, das von einem IS-Sprachrohr verbreitet worden war. Der IS reklamiert die Osteranschläge für sich.

Soldaten in Sri Lanka zeigen eine gefundene IS-Flagge | Bildquelle: AFP
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Soldaten in Sri Lanka zeigen eine IS-Flagge und gefährliche Gegenstände, die sie bei einer Anti-Terror-Razzia sicherstellten.

Auswärtiges Amt verschärft Reisehinweise

Wegen der angespannten Sicherheitslage in Sri Lanka hat das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für das Land verschärft. "Vor nicht notwendigen Reisen nach Sri Lanka wird abgeraten", hieß es auf der Internetseite der Behörde. Zuvor hatte sich das Auswärtige Amt insbesondere auf die Hauptstadt Colombo bezogen und nicht auf das gesamte Land. Viele Touristen haben das Land eh bereits verlassen. Die US-Botschaft in Colombo ordnete Medienberichten zufolge die Ausreise aller Familienmitglieder von Botschaftsmitarbeitern an.

Die Behörden von Sri Lanka stehen im Zuge der Ermittlungen unter Druck: Indische Geheimdienste hatten Berichten zufolge bereits mehr als zwei Wochen vor Ostern Hinweise auf Anschlagspläne gegeben. Diese erhielten offenbar sogar die Namen und bekannten Aufenthaltsorte von Verdächtigen und weitere Einzelheiten zu den geplanten Angriffen. Unklar ist, warum die Hinweise unbeachtet blieben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. April 2019 um 08:00 Uhr.

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