Sicherheitskräfte patrouillieren vor einer Moschee in Sri Lanka. | Bildquelle: AFP

Terror in Sri Lanka Islamistenchef bei Anschlägen getötet

Stand: 26.04.2019 09:40 Uhr

Bei den Anschlägen auf Sri Lanka ist offenbar auch der mutmaßliche Drahtzieher Hashim ums Leben gekommen. Das teilte die Regierung mit und korrigierte zugleich die Opferzahlen um 100 nach unten auf 250 Tote.

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge in Sri Lanka, der Islamistenanführer Zahran Hashim, ist nach Regierungsangaben bei einer der Attacken ums Leben gekommen. Sri Lankas Staatschef Maithripala Sirisena sagte, die Geheimdienste hätten ihm mitgeteilt, dass Hashim bei einem der Anschläge in einem Hotel in Colombo gestorben sei. Ob Hashim einer der Selbstmordattentäter war, teilte Sirisena nicht mit.

Ein vom IS-Sprachrohr Amaq veröffentlichtes Bild soll den Islamistenanführer Zahran Hashim in der Mitte zeigen. | Bildquelle: AFP
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Das vom IS-Sprachrohr Amaq veröffentlichte Foto soll Islamistenführer Zahran Hashim in der Mitte zeigen.

Hetzerische Predigten in Online-Foren

Hashim galt als der Anführer der Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ), die für die Anschläge verantwortlich gemacht wird. Er stand offenbar im Zentrum eines Bekennervideos der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Vor den Anschlägen in Sri Lanka war Hashim in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. In Online-Medien hatte er allerdings Tausende Anhänger, er veröffentlichte hetzerische Predigten auf YouTube und Facebook. Örtlichen Medien zufolge gründete Hashim die NTJ im Jahr 2014.

Unterstützung bei den Anschlägen hatte die örtliche Extremistengruppe von der Terrormiliz "Islamischer Staat". Das bestätigte jetzt auch Australiens Premierminister Scott Morrison. Der IS habe der örtlichen Extremistengruppe unter anderem geholfen, die Ziele für die Bluttaten zu bestimmen, sagte Morrison.

Opferzahlen korrigiert

Nach Abschluss der Autopsien mussten die Behörden Sri Lankas die Zahl der getöteten Menschen deutlich korrigieren: Etwa hundert Menschen weniger sollen getötet worden sein. Bisher lag die Annahme bei 359 Toten. "Es könnten 250 oder 260 sein", sagte der Generaldirektor der Gesundheitsdienste.

Zu der falschen Annahme kam es, da nach Angaben des Gesundheitsministeriums nach den Explosionen am Ostersonntag mehrere schwer verstümmelte Leichen doppelt gezählt wurden. Zudem mache es der Zustand der Leichen schwer, eine genaue Zahl zu nennen.

Hunderte Muslime auf der Flucht

Soldaten stehen auf Sri Lanka vor einer Kirche Wache. | Bildquelle: REUTERS
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Soldaten stehen auf Sri Lanka vor einer Kirche Wache.

Unterdessen wächst im Land die Wut auf Muslime. Aus Angst vor Racheakten und Einschüchterungen suchten Hunderte Muslime in Moscheen und einer Polizeistation Schutz. In Negombo im Westen des Landes hätten zahlreiche Muslime ihre Unterkünfte räumen müssen, weil die Eigentümer Vergeltungsaktionen auf ihren Grundstücken fürchteten, sagte Ruki Fernando von der Menschenrechtsgruppe Inform.

Einige Muslime seien auch aus eigenem Antrieb geflohen, nachdem Unbekannte in der Stadt in ihre Häuser eingedrungen seien und sie geschlagen hätten. In einer Moschee der Stadt suchten demnach vermutlich bis zu 700 Muslime Zuflucht. Rund 120 weitere hätten Schutz in einer Polizeistation gefunden. Mehrere hundert weitere Muslime seien in einer Moschee im rund 25 Kilometer entfernten Pasyala untergekommen.

Präsident Sirisena appellierte an die Bevölkerung, die kleine Gruppe der Muslime im Land nicht unter Generalverdacht zu stellen.

Angespannte Beziehungen

Bei den vertriebenen Muslimen handelt es sich den Angaben zufolge um Mitglieder der Ahmadi-Minderheit. Sie sind Flüchtlinge aus Pakistan, Afghanistan, aus dem Jemen und dem Iran, wo sie von Hardline-Islamisten wegen ihrer Glaubensrichtung nicht als echte Muslime betrachtet und angefeindet werden. "Heute sind diese Flüchtlinge in Sri Lanka wieder zu Flüchtlingen geworden", sagte Fernando.

Die Beziehungen zwischen den Ahmadis und Einheimischen in Sri Lanka galten bereits seit längerer Zeit als angespannt. In Negombo wurde den Flüchtlingen beispielsweise vorgeworfen, die Mietpreise in die Höhe zu treiben. Menschenrechtsgruppen werfen der Regierung vor, zu wenig zum Schutz der Flüchtlinge zu tun.

Polizisten durchsuchen Motorradfahrer in Colombo | Bildquelle: AP
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Die Suche nach Verdächtigen läuft weiter - hier kontrollieren Polizisten in Colombo Motorradfahrer.

Warnungen vor neuen Anschlägen

Die US-Botschaft in Sri Lanka warnte auf Twitter vor neuen Anschlägen an diesem Wochenende und rief dazu auf, Kirchen, Moscheen und große Menschenmengen zu meiden. Aus Sicherheitsgründen sagte die katholische Kirche alle Gottesdienste in Colombo bis 29. April ab. Die Muslime sollten die traditionellen Freitagsgebete zuhause abhalten, erklärte die wichtigste muslimische Organisation All Ceylon Jamiyathul Ullama.

Einige Verdächtige der Osteranschläge seien weiter auf freiem Fuß, berichteten Medien in Sri Lanka. Die Polizei veröffentliche Fahndungsfotos. Im ganzen Land seien fast 10.000 Soldaten im Einsatz, um nach Verdächtigen zu suchen und religiöse Einrichtungen zu sichern, teilte das Militär mit. Die Polizei erklärte, man fahnde nach 140 Personen, die vermutlich im Zusammenhang mit den Anschlägen stünden. Bislang wurden fast 80 Menschen festgenommen.

Mit Informationen von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Sri Lanka - weniger Tote und Verletzte als anfangs angenomen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
26.04.2019 07:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. April 2019 um 09:00 Uhr.

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