Sri Lanka nach den Anschlägen vom Ostersonntag. | Bildquelle: AFP

Nach Anschlägen in Sri Lanka Präsident will Sicherheitsapparat umbauen

Stand: 24.04.2019 05:49 Uhr

Nach den Anschlägen von Sri Lanka will Präsident Sirisena den Sicherheitsapparat umbauen. Hinweise auf die Gefahr eines Attentats seien nicht zu ihm durchgedrungen, sagte er. Unterdessen steigt die Opferzahl der Attentate auf mindestens 359.

Sri Lankas Präsident Maithripala Sirisena ist nach eigenen Angaben über die mögliche Gefahr eines Terroranschlags in seinem Land ebenso im Dunkeln gelassen worden wie der Rest der Regierung.

Er werde entschlossen gegen jene vorgehen, die ihm und anderen entsprechende Geheimdienstinformationen vorenthalten hätten, sagte Sirisena in einer Fernsehansprache. Er werde die Sicherheitskräfte in Folge dieses Versagens komplett umbauen.

Unterdessen haben die Behörden die Opferzahlen der Anschlagsserie noch einmal nach oben korrigiert. Es seien am Ostersonntag mindestens 359 Menschen ums Leben gekommen, so die Polizei. Zudem seien weitere Verdächtige festgenommen worden.

Hinweise auf IS-Beteiligung bei Anschlägen von Sri Lanka
tagesschau 20:00 Uhr, 23.04.2019, Sibylle Licht, ARD Neu Delhi

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Zuvor hatte auch der Staatsminister im Verteidigungsministerium, Ruwan Wijewardene, erklärt, Teile des Geheimdienstes hätten schon vor den Anschlägen von einer solchen Bedrohung gewusst. "Diese Information wurde jedoch nur unter wenigen Beamten geteilt", sagte er.

Demnach schickte der stellvertretende Generalinspektor der sri-lankischen Polizei am 11. April einen Brief mit einer sehr konkreten Warnung von unmittelbar bevorstehenden Anschlägen auf Kirchen an die Direktoren von vier Sicherheitsbehörden. Auch zu Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe drang die Information angeblich nicht durch.

Ein Land im Schockzustand

Das ganze Land ist im Schockzustand. Dazu kommt das mutmaßliche Bekennerschreiben der Terrorgruppe "Islamischer Staat". Die Angreifer seien ihre Kämpfer gewesen, schreiben sie auf ihrer Propagandaseite "Amaq".

Der Vize-Verteidigungsminister von Sri Lanka hatte zuvor im Parlament mitgeteilt, dass die vorläufigen Untersuchungen ergeben hätten, dass es sich bei den Attentaten um "Vergeltung" wegen der Angriffe auf Muslime in einer Moschee vor wenigen Wochen in Neuseeland gehandelt habe. Ein australischer Rechtsextremist hatte in Christchurch 50 Moscheebesucher getötet.

In Sri Lanka sind mittlerweile 40 Menschen von der Polizei festgenommen worden. Sie alle sollen der radikal-islamischen Gruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) angehören, die bislang kaum in Sri Lanka in Erscheinung getreten war. Die Regierung macht diese Gruppe offiziell für die Anschläge verantwortlich. Die Regierung in Sri Lanka ist davon überzeugt, dass die Täter Hilfe aus dem Ausland hatten.

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewarden sprach von Verbindungen zu einer Organisation in Indien, die JMI heißt. Auch die ist bisher kaum bekannt, sie soll im letzten Jahr gegründet worden sein.

Zweifel bei Terrorismusexperten

Der Terrorismusexperte Ajai Sahni hält einige Erklärungen der Regierung in Sri Lanka für nicht ganz schlüssig. Er leitet das Institut für Konfliktmanagement in Neu-Delhi. "Sie sagen, sie hätten auch die Führer der radikalen NTJ festgenommen, ich frage mich, warum die noch in aller Ruhe in Sri Lanka sitzen sollten", sagt er. "Wenn die wussten, was da vor sich geht, wären die doch wohl geflohen." Viele Fragen seien nicht beantwortet. "Aber ganz sicher ist, dass die Selbstmordattentäter aus Sri Lanka selbst stammen, das konnten wir auf Bildern von Sicherheitskameras sehen."

Sahni forscht über Terrorismus in Südasien und ist wie viele Terrorexperten völlig überrascht davon, dass solche islamistischen Terrorakte in Sri Lanka haben stattfinden können:

"Über diese Gruppe NTJ gibt es so gut wie kaum Informationen. Jetzt hören wir, sie seien vielleicht eine Splittergruppe von einer anderen extremistischen Gruppe in Sri Lanka. Aber die NTJ hatte noch nie etwas mit Terror zu tun. Allerdings wissen wir, dass sie radikal sind, eine fundamentalistische Lehre verbreiten und mit Hassreden gegen Buddhisten gehetzt haben."

Die Menschen in Sri Lanka wollen zwar auch Antworten, warum und wie es zu den Taten kam, doch heute steht vor allem die Trauer im Vordergrund. Mehr als 359 Menschen starben bei den Anschlägen.

Vermutlich konnten noch weitere Opfer verhindert werden: Auch ein viertes Hotel war nach Angaben des Premierministers Ranil Wickremesinghe Ziel der Anschläge - dort misslang das Attentat jedoch.

Mit Informationen von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Tatort Sri Lanka - Dritter Tag nach den Anschlägen
Silke Diettrich, ARD Neu Delhi
24.04.2019 06:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. April 2019 um 20:00 Uhr.

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