Einsatzkräfte gehen durch die St Sebastians Kirche in Negombo. | Bildquelle: AFP

Kirchen und Hotels angegriffen Anschlagsserie erschüttert Sri Lanka

Stand: 21.04.2019 13:10 Uhr

In Sri Lanka hat sich eine Serie von Explosionen ereignet: Nach sechs Anschlägen auf Kirchen und Hotels kam es Stunden später zu zwei weiteren Detonationen. Mehr als 200 Menschen wurden in den Tod gerissen.

Eine Serie von offenbar koordinierten Explosionen in Kirchen und Hotels erschüttert Sri Lanka. Dabei wurden mehr als 200 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Stunden nach sechs nahezu zeitgleichen Detonationen wurden zwei weitere Anschläge verübt. Die Regierung verhängte daraufhin eine Ausgangssperre.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden sieben Verdächtige festgenommen. Vizeverteidigungsminister Ruwan Wijewardene sagte, die Verantwortlichen für die Anschläge seien identifiziert worden. Er sprach von einem "terroristischen Vorfall" und von "extremistischen Gruppen". Zwei Polizisten wurden bei einem Einsatz zur Festnahme Verdächtiger nahe der Hautpstadt Colombo getötet.

Soldaten bewachen neben einem Schrein eine Kirche in Colombo | Bildquelle: REUTERS
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Die Anschläge wurden auf Kirchen und Hotels verübt.

Unklar, ob Deutsche unter den Opfern sind

Unter den Todesopfern sind nach Polizeiangaben auch 35 Ausländer - bislang wurden US-Bürger, Briten und Niederländer bestätigt. Ob auch Deutsche getötet wurden, versuche die Botschaft in Sri Lanka "mit Hochdruck" aufzuklären, erklärte Außenminister Heiko Maas. "Deutsche, die sich in Sri Lanka aufhalten, sollten sich von den Anschlagsorten fernhalten und den Anweisungen der Behörden Folge leisten", riet Maas.

Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Angehörige können sich unter der Rufnummer 030-50000 melden.

Zahl der Toten und Verletzten nach Anschlagsserie in Sri Lanka steigt weiter
tagesschau 14:40 Uhr, 21.04.2019, Kirstin Großhauser, MDR

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Gab es Warnungen vor den Anschlägen?

Sri Lankas Regierungschef Ranil Wickremesinghe sprach von "feigen Angriffen". Er rief die Bevölkerung über Twitter auf, "geeint und stark" zu bleiben und keine Falschmeldungen oder Spekulationen zu verbreiten. Die Regierung unternehme alles, um die Lage in den Griff zu bekommen. Präsident Maithripala Sirisena rief ebenfalls zur Ruhe auf. Die Regierung berief eine Krisensitzung ein.

Medienberichten zufolge hatte der Polizeichef von Sri Lanka vor wenigen Wochen vor Plänen einer radikalislamischen Gruppe gewarnt, die Selbstmordanschläge auf Kirchen sowie auf das Indische Hochkommissariat in Colombo verüben wolle. Er berief sich dabei auf Informationen eines "ausländischen Geheimdiensts". Diese Gruppe hatte offenbar im vergangenen Jahr buddhistische Statuen in Sri Lanka beschädigt.

Explosionen während der Ostermesse

Mindestens 64 Menschen wurden laut Polizei bei Explosionen in drei Luxushotels und der St.-Antonius-Kirche in Colombo getötet. Mindestens 67 weitere starben in der St.-Sebastian-Kirche im nahe von Colombo gelegenen Touristenort Negombo. 25 weitere wurden in der Zionskirche in Batticaloa im Osten des Landes getötet. Die Explosionen an zwei Kirchen wurden möglicherweise von Selbstmordattentätern verursacht.

Die Explosionen erschütterten die drei Kirchen, während die Gläubigen die Ostermesse feierten. Zur gleichen Zeit explodierten mehrere Bomben in drei Hotels in der Hauptstadt, dem Shangri-La, dem Cinnamon Grand und dem Kingsbury-Hotel.

Ein Hotel, einer der Orte, die Ziel des Anschlags waren, wird inspiziert. | Bildquelle: REUTERS
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Auch Hotels wurden angegriffen.

Zwei weitere Explosionen Stunden später

Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen. Zunächst kam es in einem kleinen Hotel in Dehiwala-Mount Lavinia, einem Vorort von Colombo, zu einer siebten Detonation. Dabei kamen mindestens zwei Menschen ums Leben. Anschließend ereignete sich eine achte Explosion in Orugodawatta, ebenfalls einem Vorort im Norden Colombos. Als Reaktion verhängte das Verteidigungsministerium eine zwölfstündige Ausgangssperre im Land. Sie soll um 18 Uhr Ortszeit (14.30 Uhr MESZ) in Kraft treten.

Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi, mit aktuellen Informationen zu den Ermittlungen
tagesschau 17:02 Uhr, 21.04.2019

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Nur wenige Katholiken in Sri Lanka

Im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka sind nur sechs Prozent Katholiken. Zu ihnen gehören Mitglieder der tamilischen Minderheit und der singhalesischen Mehrheit. Ostern ist das höchste Fest des Christentums. Gläubige feiern die Auferstehung Jesu Christi.

Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Europäer. Sri Lankas 26 Jahre dauernder Bürgerkrieg war 2009 zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee besiegte die Aufständischen schließlich mit aller Härte. Die Vereinten Nationen werfen beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

Anschlagsserie in Sri Lanka - Hintergründe unklar
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
21.04.2019 13:12 Uhr

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Mit Informationen von Bernd Musch-Borowska, ARD Studio Neu-Delhi

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. April 2019 um 12:20 Uhr.

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