Ein bosnisches Mädchen geht mit gesenktem Kopf an Grabsteinen in Srebrenica-Potocari entlang | Bildquelle: AFP

Gedenken an Srebrenica-Massaker Täglicher Kampf um die Wahrheit

Stand: 11.07.2020 19:29 Uhr

Für bosniakische Politiker und Angehörige der Opfer ist das Trauma von Srebrenica noch lange nicht abgeschlossen. Beim Gedenken an den Völkermord fordern sie von der Täterseite ein Ende des Leugnens.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

"Für uns, die wir hier leben, ist jeder Tag der 11 Juli, und jeden Tag kämpfen wir um die Wahrheit." Das sagte Hamdija Fejzic zum Auftakt des Gedenkens in der Gedenkstätte Srebrenica-Potocari. Sie liegt im serbischen Teil des Landes, und der bosniakische Vizebürgermeister von Srebrenica sprach damit an, was sich praktisch durch alle Gedenkreden zog: die massive Kritik am systematischen Leugnen des Völkermords auf Täterseite.

"Ich sage Ihnen jetzt etwas, das Sie in den Schulen in dem serbischen Landesteil hier nicht hören können: Ich sage Ihnen die Wahrheit, die durch Tatsachen und Gerichtsurteile bestätigt ist. Die Wahrheit, die in Srebrenica in diesem Landesteil - der Republika Srpska - nicht gelehrt wird", sagte Fejzic.

Gedenken an die Opfer 25 Jahre nach Srebrenica-Massaker
tagesschau 20:00 Uhr, 11.07.2020, Michael Mandlik, ARD Wien

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Mahnung für die Menschheit"

Begleitet von einer religiösen Zeremonie wurden die menschlichen Überreste von neun Ermordeten auf dem Friedhof der Gedenkstätte in Potocari beerdigt. In diesem Jahr war der Jüngste 23, der Älteste 70 Jahre alt. Mehr als 6600 Ermordete oder Teile von ihnen liegen nun unter den schlanken weißen Stelen des Friedhofs. Noch immer gelten rund 1200 Opfer als vermisst.

Aufgrund der Coronaregeln kamen in diesem Jahr deutlich weniger Menschen zum Gedenken. Sefik Dzaferovic war persönlich anwesend. Der bosniakische - also muslimische - der drei gesamtbosnischen Staatspräsidenten trug die grün-weiße Srebrenica-Blume am Revers.

Trotz der Resolution, durch die Srebrenica damals zu einer UN-Schutzzone erklärt worden war, blieben konkrete Schritte aus, kritisierte Dzaferovic.

"Das Ergebnis einer konkreten Aktion, die Ideologie des Übels und deren mörderische Horden zu stoppen, das sind die weißen Grabsteine hier in Potocari. Sie werden für immer eine Mahnung für die Menschheit sein, dass es keine Kalküle geben darf, wenn es darum geht, sich dem Bösen zu widersetzen."

Männer beten an den Särgen von Opfern des Massakers von Srebrenica. | Bildquelle: AP
galerie

Noch immer gelten rund 1200 Opfer des Massakers von 1995 als vermisst.

Gesetz gegen Leugnung des Genozids gefordert

Dzaferovic forderte ein Gesetz zur Leugnung von Genoziden, das serbisch-bosnische Politiker bisher verhindert haben. Auch Munira Subasic forderte ein solches Gesetz. Wie schwer dieser Tag für die Angehörige war, weiß die Präsidentin der "Mütter von Srebrenica und Zepa" aus eigener Erfahrung. Sie fand Knochen von Ehemann und Sohn erst Jahre nach dem Völkermord.

"Die Wahrheit ist unsere stärkste Waffe", sagt sie. "Wir Mütter suchen nach der Wahrheit und warten auf Gerechtigkeit. Helft nicht nur den Müttern aus Srebrenica, sondern allen Müttern, die Knochen ihrer Kinder zu finden, und helft dabei, dass die Verbrecher vor Gericht gestellt werden."

"Lindern Sie unseren Schmerz"

Fast 50 Staats- und Regierungschef aus aller Welt sowie UN-Generalsekretär António Gueterres waren per Video zu dem Gedenken zugeschaltet, darunter mehrere Präsidenten der Balkanländer wie Kroatien und Montenegro oder der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. "Es war Völkermord", sagte Steinmeier. "So hat es der internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien unmissverständlich festgestellt."

EU Kommissionschefin Ursula von der Leyen erinnerte per Video daran, dass die Welt damals ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen sei. Ein Hinweis auf das Versagen der niederländischen UN-Blauhelme, die den Völkermord nicht verhinderten, aber auch keine Unterstützung erhalten hatten, etwa durch die NATO.

Vizebürgermeister Fejzic beendete seine Rede mit einem Appell an die Welt:

"Sie haben uns vor dem Völkermord im Juli 1995 nicht geschützt. Was tun Sie jetzt, um uns vor der letzten Phase des Genozids zu schützen? Schützen Sie uns. Tun Sie das und lindern Sie unseren Schmerz. Danke."

Gedenken in Srebrenica
Andrea Beer, ARD Wien
11.07.2020 18:32 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 11. Juli 2020 die tagesschau um 17:00 Uhr und Deutschlandfunk um 18:12 Uhr in der Sendung "Informationen am Abend".

Korrespondentin

Darstellung: