Prinz Harry und Meghan, Herzogin von Sussex, als Puppen-Karikaturen des britischen Satireformates "Spitting Image". | Bildquelle: AFP

"Spitting Image" Britische Satire für starke Mägen

Stand: 05.10.2020 11:03 Uhr

Die Puppen-Karikaturen von "Spitting Image" feiern nach knapp einem Vierteljahrhundert ihr Comeback. Auch Greta Thunberg, Angela Merkel oder Donald Trump haben ihren Auftritt im einst erfolgreichsten britischen Satireformat.

Von Jenny Beyen, ARD-Studio London

"Spitting Image" war noch nie was für schwache Nerven oder schwache Mägen - das gilt auch für die Neuauflage. Schon innerhalb der ersten Minute kommt man dem Hinterteil von US-Präsident Donald Trump näher, als man je wollte - im Bett des Ehepaars Trump entspinnt sich folgender Dialog:

Donald: "Melania, wach auf! Ich brauche Hilfe bei diesem Tweet!"

Melania: "Oh, zum letzten Mal. Es gibt nur zwei 'F' in 'Covfefe'. Jetzt leg' das weg und geh' schlafen!"

Donald: "Ich kann nicht - ich muss fünf Fake-Stories retweeten und Meghan Markle als Idiotin bezeichnen!"

Melania: "Kann das nicht irgendjemand anderes machen?"

Donald: "Aber wer? Ich hab's!"

Melania: "Oh nein - nicht dieses Arschloch..."

Ja, das ist Trumps Arschloch, das da fleißig twittert. Dem US-Präsidenten sind gleich mehrere Sketche gewidmet. Zum Beispiel als Deal-Macher - mit dem Coronavirus.

Die Politiker und das Coronavirus: für "Spitting Image" ein gefundenes Fressen. Natürlich auch beim heimischen Premierminister Boris Johnson.

Verjüngungskur für das Comeback

Natürlich kommt auch die Neuauflage nicht ohne das britische Königshaus aus - mit einem Einblick in den neuen Alltag von Harry und Meghan in Amerika.

Harry und Meghan sind nur ein Teil der Verjüngungskur von "Spitting Image". Von Kim Kardashian über Michelle Obama bis hin zu Greta Thunberg gibt es über einhundert neue Puppen für die Comeback-Staffel. Außerdem wurden ehemalige Autoren von den "Simpsons" eingekauft.

"Nicht irgendwelche Klischees nutzen"

Dass es überhaupt ein Comeback von "Spitting Image" gibt, erklärt der Erfinder der Puppenshow, Roger Law, schlichtweg mit der gestiegenen Nachfrage. "Die Menschen sind gerade wegen vieler Dinge verärgert. Und ich glaube, dass ich genau deshalb wieder loslegen durfte", sagte Law.

Man müsse allerdings heutzutage noch genauer hinschauen, wie man die Karikaturen macht. Man könne nicht irgendwelche Klischees dafür nutzen. "Michelle Obama zum Beispiel. Sie ist die beliebteste Frau in Amerika - da muss die Puppe genau passen", so Law.

Genau das ist auch eines der Risiken für die Neuauflage von "Spitting Image". In Zeiten von politischer Korrektheit und Bewegungen wie Black Lives Matter wird noch genauer hingeschaut, wie die Figuren aussehen. Riesige Ohren, ein Pferdegebiss oder dicke Lippen sind die Markenzeichen der Karikatur-Puppen. Dafür hat nicht jeder Verständnis.

Trailer zur Staffel löste Kritik aus

Schon nach dem Trailer für die neue Staffel gab es heftige Kritik: Die große Nase von Facebook-Chef Mark Zuckerberg sei antisemitisch, die dicken Lippen von Rapper Kanye West rassistisch und dass es von Gretha Thunberg überhaupt eine Puppe gebe, sei einer 17-jährigen Autistin gegenüber unfair.

Alles Quatsch, meint der Erfinder Law, die Menschen würden sich einfach nur gerne aufregen. Greta möge er sogar besonders gerne. "Greta ist meine Lieblingsfigur. Eine Figur, die einfach funktioniert, ist meine Lieblingsfigur." Sie ist im "Spitting Image"-Universum übrigens die Wetterfee.

Zu Hochzeiten erreichte die Serie in Großbritannien bis zu 15 Millionen Zuschauer. Der Anbieter der Show, Britbox, hofft offenbar auf ähnliche Erfolge. Der Streamingdienst ist eine Zusammenarbeit der britischen Fernsehsender BBC und itv und zeigt ausschließlich britische Produktionen wie "Dr. Who". In Nordamerika hat Britbox rund eine Million Abonnenten, ist also keine Konkurrenz für Netflix und andere. "Spitting Image" soll das jetzt ändern.

Comeback von "Spitting Image"
Jenny Beyen, ARD London
04.10.2020 17:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 05. Oktober 2020 um 05:08 Uhr.

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