Kilometerlang haben Madrids Fahrer den Paseo del la Castellana zugeparkt, um auf ihren Streik aufmerksam zu machen. | Bildquelle: AFP

Taxi-Streik in Spanien Ausstand in der Hauptreisezeit

Stand: 31.07.2018 09:56 Uhr

Wer in Spaniens Großstädten ein Taxi braucht, hat derzeit ein Problem: Landesweit schließen sich immer mehr Fahrer den Streiks an, die sich gegen private Fahrdienste richten.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Wer in diesen Tagen in spanischen Großstädten ein Taxi braucht, hat ein Problem: Die Taxifahrer streiken - und zwar gegen die Konkurrenz durch Fahrdienste wie Uber oder Cabify. Los ging der Ausstand vor ein paar Tagen in Barcelona. Inzwischen haben sich die Fahrer aus Valencia, Sevilla, Malaga, Bilbao und Madrid angeschlossen. Nichts geht mehr - mitten in der Hauptreisezeit.

Überall weiße Taxis, ordentlich hintereinander geparkt, mehrere Reihen parallel. Und das über drei Kilometer auf Madrids Prachtstraße Paseo de la Castellana. Eines der hunderten Taxis gehört Pedro. Er diskutiert mit zwei Kollegen über den Streik. Sobald das Wort "Uber" fällt, wird Pedro lauter: "Für uns als Taxifahrer gelten strenge Regeln, was die Arbeitszeiten angeht und die Gebiete, die wir anfahren dürfen. Aber die können in allen Teilen Spaniens arbeiten, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Bei uns sind es höchstens 16 Stunden täglich und fünf Tage die Woche und nur in der Region Madrid."

Das mache den offiziellen Taxis auf Dauer das Geschäft kaputt, sagt Pedro. Er hat den Eindruck, dass immer mehr Autos der Fahrdienste in Madrid unterwegs sind; dass die Lizenzen für Fahrer von Uber oder Cabify von den Behörden einfach so verteilt werden.

Das gesetzliche Versprechen reicht vielen nicht

Das ist der Hauptkritikpunkt der Taxifahrer. Die spanische Regierung gibt zu, dass besser kontrolliert werden muss, wie viele Lizenzen ausgegeben werden. Pedro Saura, Staatssekretär für Infrastruktur, kündigt ein neues Dekret an: "Das soll ermöglichen, dass wir den Zustand wiederherstellen, der gesetzlich vorgegeben ist. Ein Verhältnis von 1 zu 30."

Das heißt: Auf 30 Taxis darf höchstens ein Autos eines Konkurrenz-Anbieters kommen. Doch das Versprechen, etwas einzuhalten, was sowieso per Gesetz festgelegt ist, reicht den Taxifahrern nicht aus. Ihre Gewerkschaften stellen sich stur.

Was für die Bewohner der Großstädte und Touristen bedeutet: Es dürfte noch etwas dauern, bis sie wieder in ein Taxi steigen können.

Julia aus Madrid nimmt es gelassen: "Jeder muss seine Rechte verteidigen", meint sie. "Es ist richtig, was die Taxifahrer tun, wenn sie sonst nicht gehört werden. Sicherlich macht der Streik vielen Leuten Probleme. Aber auf lange Sicht ist es für alle gut."

Probleme haben zum Beispiel Reisende, die am Madrider Hauptbahnhof Atocha ankommen - dort, wo normalerweise hunderte Taxis auf Kunden warten. Schwer haben es insbesondere Leute, die mit großen Gepäckstücken unterwegs sind.

Uber: Taxifahrer erpressen Großstädte in Spanien

Gegen den Taxistreik sind auch die Fahrdienste wie Uber oder Cabify. Zwar machen sie gerade ein Riesengeschäft, weil sonstige Taxikunden in ihrer Not auf sie umsteigen.

Doch Eduardo Martin vom Verband der Fahrdienstanbieter sieht das Image der Firmen in Gefahr: "Die Taxifahrer wollen ihre Monopolstellung verteidigen. Sie erpressen die großen Städte in Spanien."

Der Verbandschef beklagt außerdem Vandalismus: Während des Taxistreiks seien schon mehr als 100 Autos der Konkurrenz-Anbieter angegriffen worden. Auf ein Uber-Fahrzeug in Barcelona habe sogar jemand geschossen.

Die Madrider Taxifahrer wollen weiter streiken, unbefristet. In dieser Zeit verdienen sie kein Geld, betont Pedro. Es ist ein teurer Streik. Doch ihm geht es um die Sache: "Es wäre noch teurer, überhaupt nichts zu tun und den Konkurrenz-Firmen einfach unser Terrain zu überlassen. Deshalb bleiben wir erst einmal - hier auf der Straße."

Protest gegen Uber - Taxi-Streik in Spanien weitet sich aus
Oliver Neuroth, ARD Madrid
31.07.2018 09:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 31. Juli 2018 um 06:37 Uhr.

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