Schneechaos in Madrid | AP

Wintereinbruch in Spanien Der "Geländewagen-Notdienst" hilft

Stand: 11.01.2021 04:28 Uhr

Der heftigste Wintereinbruch seit 50 Jahren hat in Spanien für ein Verkehrschaos gesorgt. Doch das Leben in Madrid ist nicht zusammengebrochen - auch dank des Gemeinschaftsgefühls der Menschen.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Donnerstagmittag fielen die ersten Flocken in Madrid. Und heute liegt der Schnee in etlichen Straßen immer noch fast kniehoch. Die Stadt kommt nur langsam hinterher, die Fahrbahnen zu räumen. Und so bittet die Präsidentin der Hauptstadtregion, Isabel Diaz Ayuso, die Menschen darum, ihre Autos stehen zu lassen. Selbst mit Schneeketten ist in vielen Bereichen der Stadt kein Durchkommen mehr. Die einzigen Autos, mit denen es in Madrid halbwegs problemlos vorwärts geht, sind Geländewagen mit Allradantrieb.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Und so hat sich eine Gruppe privater Geländewagen-Fahrer am Wochenende zusammengetan und denjenigen Taxi-Dienste angeboten, die dringend einen Transfer durch Madrid brauchen. Kostenlos. Die Vermittlung läuft über WhatsApp- und Telegram-Gruppen.

"Ich habe einen Mann gefahren, der zur Dialyse musste", sagt dieser Jeep-Fahrer. "Er wusste nicht, wie er in die Klinik kommen soll. Ein Krankenwagen oder die Feuerwehr konnten nicht zu ihm fahren, weil seine Straße komplett voller Schnee lag. Also meldete sich der Mann bei uns."

Schneechaos in Madrid | AFP

Der Schneefall brachte den Verkehr zeitweise zum Stillstand. Bild: AFP

 Lob für Solidarität

Ein Team des spanischen Senders "TVE" hat einen Geländewagen-Fahrer bei seinen Touren begleitet. Sie gleichen Einsätzen von Rettungswagen: In diesem Fall ist eine Ärztin mit an Bord, die auf der Fahrt telefonisch Kontakt zu den Menschen hält, die Hilfe benötigen."Wir sind auf dem Weg zu Ihrem Haus, machen Sie sich keine Sorgen", sagt sie. "Schicken Sie mir bitte auf diese Handy-Nummer den Namen Ihres Vaters, seine Adresse und das Krankenhaus, in das er muss."

Viele Bewohner von Madrid loben den ehrenamtlichen "Geländewagen-Notdienst" auf Social Media, freuen sich über die Solidarität der Menschen. Andere merken an, dass die Behörden sich um so etwas kümmern müssten, den Krankentransport sicherzustellen hätten. Zwar ist auch die Katastrophenschutz-Einheit des spanischen Militärs mit Geländewagen im Einsatz. Aber es sind nicht genügend, um einen solchen Transfer-Dienst zu bewerkstelligen.

Der Vorwurf: Die Regionalregierung habe sich trotz Wetterwarnung nicht gut ausreichend auf den Schneesturm und die zu erwarteten Folgen eingestellt - zum Beispiel, indem sie frühzeitig logistische Hilfe beim spanischen Staat angefordert hätte. Die Madrider Regierung wehrt sich: Dass der Wintereinbruch derart heftig ausfalle, hätten die Meteorologen nicht vorhergesagt.

Hauptverkehrsstraßen vom Schnee befreit

Ob mit privatem Geländewagen oder einem vom Staat - diese Madrider Krankenschwester ist einfach nur froh, eine Möglichkeit zu haben, nach Hause zu kommen."Ich bin seit über 40 Stunden im Dienst, habe am Freitag angefangen", sagt sie. "Jetzt geht es kurz nach Hause, um mich frisch zu machen. Danach komme ich wieder. Denn einige Kollegen übernehmen gerade sechs Schichten am Stück, sie brauchen mal Feierabend. Deshalb: Danke an die Freiwilligen, die auch uns mit ihren Wagen hin- und herfahren."

Von der Stadt Madrid heißt es: Inzwischen habe man die Hauptverkehrsachsen vom Schnee befreit. Mehr als 6.000 Helfer seien allein dafür gestern im Einsatz gewesen. An spanischen Autobahn-Raststätten hängen noch mehrere tausend LKW fest, die wegen gesperrter Straßen nicht weiterkommen. Auf dem Madrider Stadtautobahn-Ring stehen nach Medienberichten etwa 700 Autos auf den Strandstreifen: Sie sind in der Nacht zu Samstag dort gestrandet, die Fahrer mussten teils 15 Stunden auf Rettung warten.

Verkehr noch länger behindert

Immerhin: Seit gestern Nachmittag fahren wieder Züge von und nach Madrid. Und am späten Abend hat der Flughafen seinen Betrieb wieder aufgenommen, zunächst sollen allerdings nur Maschinen starten.

Die Madrider Regionalregierung gibt folgende Prognose heraus: Bis der Verkehr in der Hauptstadtregion wieder einigermaßen normal läuft, kann es noch bis Ende der Woche dauern. Das könnte noch den ein oder anderen Einsatz für den "Geländewagen-Notdienst" bedeuten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Januar 2021 um 07:08 Uhr.