Spanierin mit Maske in El Masnou nördlich von Barcelona | Bildquelle: REUTERS

Regierung ändert Haltung Jetzt doch Maskenpflicht in Spanien

Stand: 21.05.2020 08:50 Uhr

Lange war Spaniens Regierung gegen eine Maskenpflicht, jetzt gilt sie doch - mit Einschränkungen. Gestern wurde der Alarmzustand erneut verlängert - wenn auch kürzer, als die Regierung wollte.

Von Marc Dugge und Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

In Spanien gilt ab heute eine Maskenpflicht an öffentlichen Orten. Die Masken müssen in geschlossenen Räumen, auf der Straße und in Freiluftbereichen getragen werden - wenn es sonst nicht möglich ist, einen Abstand von zwei Metern zu anderen Personen zu wahren. Die Regelung gilt für alle ab sechs Jahren.

Ausgenommen von der Maskenpflicht sind etwa Personen, die an Atemproblemen leiden, die sich durch den Gebrauch einer Maske verschlimmern würden. Auch beim Essen und Trinken dürfen die Masken allerdings abgenommen werden.

Regierung ursprünglich gegen Maskenpflicht

Mit den neuen Regelungen hat auch die spanische Regierung ihre Haltung zu Masken verändert. Bis Anfang April hatte sie nur jenen zu Masken geraten, die Krankheitssysmptome zeigen - vom Gesundheitspersonal abgesehen. Später hatte sie Masken nur empfohlen. Allein Passagiere im öffentlichen Nahverkehr waren dazu verpflichtet, sie zu tragen. Nun folgt sie den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, die sich mittlerweile für das Tragen von Masken ausgesprochen hat. 

Der Leiter der spanischen Behörde für Gesundheitliche Notfälle, Fernando Simón, warnte vergangene Woche aber auch davor, den Schutz von Masken zu überschätzen. Die beste Schutzmaske sei immer noch der Abstand von zwei Metern.

Demonstranten in Valencia mit untergezogenen Mundschutzmasken rufen politische Parolen und schwenken spanische Fahnen mit dem Aufruf "Regierung - Rücktritt!!!" während eines Protests gegen die spanische Regierung und ihre Anti-Corona-Maßnahmen. | Bildquelle: dpa
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Demonstranten in Valencia protestieren gegen die spanische Regierung und deren Anti-Corona-Maßnahmen.

Alarmzustand verlängert

Gestern hatte das Parlament den Alarmzustand um zwei weitere Wochen verlängert: Er gilt nun bis zum 7. Juni. An den Alarmzustand sind in Spanien die Einschränkungen des öffentlichen Lebens gekoppelt: zum Beispiel, dass viele Geschäfte und Restaurants geschlossen sind und die Menschen nur zu bestimmten Zeiten aus ihren Wohnungen dürfen. Besonders streng wird das weiter in Madrid und Barcelona gehandhabt. In Regionen mit weniger Covid-19-Fällen kehrt schrittweise wieder Normalität ein. Aber auch die Zahlung von Kurzarbeitergeld für aktuell rund 8,5 Millionen Spanier hängt am Alarmzustand.

Ministerpräsident Sánchez begründete die fünfte Verlängerung mit den Erfolgen im Kampf gegen das Virus: Die Zahl der Neuinfektionen sinkt in Spanien. "Niemand hat das Recht, das, was wir erreicht haben, leichtfertig zu verspielen", so Sánchez. Diesen Zustand aufzuheben nannte er "unverantwortlich".

Die spanische Minderheitsregierung wollte den Alarmzustand gleich um einen ganzen Monat verlängern. Doch dafür fehlte ihr die nötige Unterstützung im Parlament. Es kam auf die rechtsliberale Partei Ciudadanos an, die nur zwei weitere Wochen Alarmzustand unterstützen wollte. Schließlich stimmten 177 Parlamentarier für die Verlängerung, 162 dagegen, elf enthielten sich.

Konservative kritisieren Corona-Kurs der Regierung

Die Nein-Stimmen kamen vor allem von der größten Oppositionspartei, der konservativen Volkspartei PP. Sie warf der Regierung unter anderem vor, den Alarmzustand für Machtspiele zu missbrauchen und die spanische Wirtschaft zu zerstören.

Kurz nach der Abstimmung gingen Lockdown-Kritiker in Madrid und anderen Städten an die Fenster, auf die Balkone und zum Teil auch auf die Straßen, um zu protestieren.

Spanien: Alarmzustand bis zum 7. Juni verlängert
Oliver Neuroth, ARD Madrid
21.05.2020 09:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Mai 2020 um 06:24 Uhr.

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