Menschen flanieren auf einer Promenade von Palma de Mallorca.  | Bildquelle: AFP

Ausgangssperre gelockert Spanien erwacht wieder zum Leben

Stand: 02.05.2020 13:51 Uhr

Nach sieben Wochen Ausgangssperre dürfen die Spanier wieder an die frische Luft - unterteilt in Bevölkerungsgruppen und zeitlich begrenzt. Die Erleichterung auf den Straßen ist spürbar.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

9 Uhr morgens - Madrid ist immer noch sehr still. Viel stiller als zu normalen Zeiten. Aber in den Gesang der Vögel mischen sich nun auch wieder Schritte von Joggern und das Geräusch von Fahrradreifen auf dem Asphalt.

Nuria war in den vergangenen Wochen nur drei Mal kurz zum Einkaufen vor der Tür. Umso schöner ist der Spaziergang in der frischen Morgenluft: "Das ist sehr berührend. Frei zu sein, nach 51 Tagen zu Hause. Ein Gefühl von Freiheit ist das", sagt sie.

Spanier dürfen unter Einschränkungen das Haus wieder verlassen
tagesschau 17:00 Uhr, 02.05.2020, Stefan Schaaf, ARD Madrid

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Der Heimtrainer hilft bedingt

Ein paar Meter weiter beendet Javier gerade seine morgendliche Joggingtour mit ein paar Dehnübungen: "Es ist sehr schön, aber die Straßen sind voller Menschen, denen muss man immer ausweichen", sagt er. "Wir haben diesen Moment herbeigesehnt. Wir haben zwar schon Sport zu Hause gemacht, ich habe einen Heimtrainer - aber das hat auch seine Grenzen."

Auch José stehen von der morgendlichen Joggingrunde noch ein paar Schweißperlen auf der Stirn: "Ich freue mich sehr, denn ich hatte riesige Lust. Gut, manchmal konnte ich mit dem Hund raus, hier um die Ecke. Ich werde jetzt immer rausgehen, wenn mich nicht die Faulheit überwältigt", erzählt er.

Sehr strenge Ausgangsregeln

Wer wann wie lange auf die Straße darf, ist in Spanien klar geregelt. Erwachsene dürfen zwischen 6 und 10 Uhr eine Stunde spazieren gehen - im Umkreis von einem Kilometer um die eigene Wohnung. Sportler dürfen sich auch weiter entfernen und länger als eine Stunde unterwegs sein, allerdings nur innerhalb der Gemeinde. Am Vormittag sind die Rentner dran, am Nachmittag die Kinder - und ab 20 Uhr dürfen auch die Erwachsenen nochmal raus.

"Die Menschen halten sich an die Auflagen", sagt José. "Wenn Du in einem geschlossenen Raum bist, benutzt Du eine Maske oder Handschuhe. Und draußen hältst Du eben Abstand."

Iñaki sieht das anders. Auch für ihn ist es der erste Morgenlauf seit Wochen. Und was er sieht, gefällt ihm nicht: "Es ist ein Desaster, denn die Leute halten keinen Abstand. Viele gehen in Gruppen raus, um Sport zu machen, obwohl man dafür nur allein raus darf. Die Mehrheit hält sich schon an die Regeln, aber diese Minderheit schadet allen anderen."

Die Stadt Zaragoza hat am Wochenende schon Straßen in Fußgängerzonen verwandelt, damit die Menschen mehr Platz haben. Das ist auch in Madrid im Gespräch.

In der Schlange vor der Bäckerei halten die Menschen jedenfalls Abstand - und sie tragen Atemmasken. Es duftet nach frischen Croissants. Ein paar Meter weiter sitzt Jorge auf einer Parkbank und plauscht mit dem Nachbarn. Auf Distanz natürlich.

Er ist Anfang 60 und heute sehr glücklich: "Ich fühle mich wie ein Kind, das neue Schuhe hat. Hallelujah! Es ist der Wahnsinn! Ich war jetzt eine Stunde draußen, jetzt trinke ich einen Kaffee und ruhe aus. Endlich mal ein bisschen frische Luft - nach 50 Tagen zu Hause!“

Andere sind eher skeptisch

Seine Frau Rosa ist dagegen nicht ganz so begeistert. "Es ist schön, aber es ist nicht wie vorher. Es scheint, als würden wir alle zu Eigenbrötlern, kaum einer spricht noch mit dem anderen", sagt sie. "Wir werden uns daran gewöhnen müssen, das wird lange dauern. Ich habe seit zwei Monaten nicht mehr meine Enkelin gesehen. Sie nicht küssen zu können, wenn ich sie sehe - das tut mir am meisten weh.“

Das Schöne sei, zu erleben, wie solidarisch die Spanier in der Krise miteinander umgingen, freut sie sich. 25.100 Menschen sind in Spanien nach offiziellen Zahlen an den Folgen des Coronavirus gestorben - die wirkliche Zahl dürfte deutlich höher sein. Rosa schießen ein paar Tränen in die Augen.

Und es ist zu spüren, wie hart die vergangenen Wochen für sie waren: "Wenn ich sehe, wie viele Menschen gestorben sind, ohne dass sich ihre Familie von ihnen verabschieden konnte, geht mir das so nah", sagt sie. "Mein Schwiegervater ist mit Covid im Krankenhaus, er hat sich das im Altersheim eingefangen. Er versteht nicht, was auf der Straße los ist. Obwohl wir ihn jeden Tag anrufen, denkt er, wir lassen ihn allein. Dabei ist das nicht so!"

Es wird noch dauern, bis Madrid wieder voll zum Leben erwacht. Aber der Puls der Stadt ist mit dem heutigen Tag zumindest wieder ein bisschen schneller geworden.

Nach sieben Wochen Ausgangssperre: Spanier dürfen wieder raus
Marc Dugge, ARD Madrid
02.05.2020 13:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Mai 2020 um 15:00 Uhr.

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