Inés Madigral  | Bildquelle: AFP

Prozess um geraubte Babys Klägerin will Freispruch anfechten

Stand: 08.10.2018 16:56 Uhr

Über Jahrzehnte hinweg wurden Frauen in spanischen Kliniken offenbar ihre Babys gestohlen. Ein erster Prozess gegen einen angeklagten Arzt endete mit einem Freispruch. Die Klägerin will weiter kämpfen.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Inés Madigral steht vor dem Gerichtsgebäude in Madrid und lächelt in die Fernsehkameras. Sie hatte den ersten Prozess rund um den Skandal der gestohlenen Babys angestoßen, sie selbst wurde vor 49 Jahren ihrer leiblichen Mutter weggenommen und wuchs bei einer anderen Familie auf. Dr. Eduardo Vela, derjenige, der das verbrochen hat, ist nun freigesprochen, obwohl ihn das Gericht als Verantwortlichen des Babyraubs sieht.

"Ich habe ein bittersüßes Gefühl. Ich bin glücklich, dass das Gericht die Taten von Dr. Vela als erwiesen ansieht. Aber ich hätte nicht gedacht, dass die Richterin vor dem Punkt Verjährung Halt macht", sagt Madigral.

Verjährung: Freispruch im Prozess um Babyraub für angeklagten früheren Arzt
tagesschau 20:00 Uhr, 08.10.2018, Natalia Bachmayer, ARD Madrid

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Verjährungsfrist für Freiheitsberaubung

Der schwerwiegende Vorwurf der Freiheitsberaubung verjährt nach zehn Jahren. Der für die Richter entscheidende Stichtag ist der 4. Juni 1987. An diesem Tag wurde Madrigal 18 Jahre alt und erfuhr, dass die Frau, die sie für ihre Mutter hielt, nicht ihre tatsächliche Mutter war. 2012 präsentierte sie aber erst die Anklage gegen Dr. Vela, also 25 Jahre nach dem Stichtag.

"Im Jahr 1987 sagte mir niemand, dass meine Adoption illegal war. Niemand sagte mir, dass ich meiner Mutter gestohlen wurde. Das erfuhr ich viel später, im Jahr 2010. Deshalb ist das entscheidende Datum für mich: 2010 plus zehn Jahre, das ist 2020. Von daher ist der Fall für mich nicht verjährt."

Nach Überzeugung des Gerichts ist Dr. Vela nicht nur für den Raub von Madrigal verantwortlich: Er soll außerdem die Schwangerschaft der Frau inszeniert haben, an die das Baby Inés 1969 ging. Er schlug ihr zum Beispiel vor, sich ein Kissen umzubinden, um einen Babybauch vorzutäuschen - damit ihr Umfeld nicht verwundert ist, warum sie plötzlich ein Neugeborenes hat. Der Arzt fälschte die Geburtsurkunde. Im Gerichtsverfahren wollte sich der heute 85-Jährige an kaum etwas erinnern, nicht einmal an seine engsten Kollegen in der Klinik an Madrid.

"Kennen Sie Manuel Rubio Conde? Er war Kollege von Ihnen im Krankenhaus", fragte die Richterin. Der alte Mann blickte verwirrt, zuckte mit den Schultern. "Sie wissen es also nicht mehr", stellte die Richterin fest. Sehr wohl wusste Dr. Vela aber noch, dass Unterschriften unter Dokumenten nicht seine waren. Beobachter zweifelten seine Gedächtnislücken daher an.

Gang zum Obersten Gerichtshof

Madrigal will weiter kämpfen und vor den Obersten Gerichtshof Spaniens ziehen: "Ich denke, dieses Urteil sollte man als Sprungbrett verstehen. Es gibt uns Kraft. Und ich finde, dass die obersten Richter dort sich zu dem Fall äußern sollen."

Sie hofft außerdem auf eine Signalwirkung, dass weitere Opfer des Baby-Skandals vor Gericht ziehen. Die juristische Grundlage sei geschaffen, weil nun ein Gericht zum ersten Mal Dr. Vela eine entscheidende Rolle beim Handel mit Babys in Spanien zuschreibt.

Spaniens geraubte Babys: Gericht spricht Angeklagten frei
Oliver Neuroth, ARD Madrid
08.10.2018 16:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Oktober 2018 um 17:00 Uhr.

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