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Corona-Krisengewinner in Spanien Hochbetrieb auf dem Flugzeugfriedhof

Stand: 20.04.2020 04:30 Uhr

Europas größter Flugzeugfriedhof im spanischen Teruel macht in der Coronakrise ein enormes Geschäft. Er ist so gut gebucht wie nie - auch dank eingemotteter Maschinen der Lufthansa.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Es kommt nicht oft vor, dass ein Langstreckenflugzeug der Lufthansa auf einem spanischen Flughafen landet. Noch dazu auf einem ohne Passagierverkehr. Dieser Airport ist so etwas wie ein Flugzeug-Parkplatz in einer wüstenartigen Landschaft, so groß wie 140 Fußballfelder.

"Wir sind hier in Teruel gelandet. Die Maschine geht hier in Storage, wir wissen nicht, ob sie zurückkommt oder nicht", sagt Pilot Thomas Jahn im "Instagram"-Kanal der Lufthansa. In Teruel werden Flugzeuge entweder für einen gewissen Zeitraum zwischengeparkt oder die Airline hat die Maschinen abgeschrieben und sie dienen nur noch als Ersatzteillager.

Die Lufthansa will all ihre Langstreckenflugzeuge vom Typ A340-600 hierher verlegen: Zehn werden zunächst nur abgestellt, sieben sollen die Flotte verlassen. Die Maschinen werden wegen des zusammengestrichenen Flugplans durch die Corona-Pandemie gerade nicht gebraucht.

Teruel ist Krisengewinner

Alejandro Ibrahim freut sich über jedes Flugzeug, das in diesen Tagen Kurs auf Teruel nimmt. Zurzeit sind 80 Prozent der Stellplätze belegt, erklärt der Flughafenchef. Rund 90 große Jets stehen auf dem Gelände. "So viele wie jetzt waren hier noch nie. Und es sieht so aus, dass wir durch die Lufthansa-Maschinen die Grenze von 100 Flugzeugen durchbrechen."

Während die klassischen Passagierflughäfen gerade kaum etwas zu tun haben, herrscht in Teruel Hochbetrieb. Der Flughafen gehört mit seinem Geschäftsmodell als Flugzeug-Abstellplatz zu den Gewinnern der Coronavirus-Krise. Auch wenn er für den Parkplatz an sich kein Geld kassiert.

"Die Fluggesellschaften zahlen zunächst die Landegebühren", erklärt Ibrahim. "Ein Unternehmen, das hier am Flughafen ansässig ist, kümmert sich dann um die regelmäßigen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an den Flugzeugen. Denn die Maschinen sollen ja betriebsfähig gehalten werden, damit sie zu dem Zeitpunkt, zu dem sie wieder fliegen sollen, auch fliegen können."

Erweiterung längst beschlossen

Das heißt: Es ist viel zu tun für die Flugzeug-Wartungsfirma Tarmac. Sie hatte vor wenigen Wochen noch befürchtet, durch die Krise in der Luftfahrt auch schwer getroffen zu werden, und schickte etliche Mitarbeiter in den Zwangsurlaub. Firmenchef Pedro Sáez muss sie nun zurückholen. "Wir vertrauen darauf, dass in den nächsten Tagen und Wochen weitere Flugzeuge in Teruel ankommen. In unserer Branche bleibt allerdings eine gewisse Unsicherheit, welche Konsequenzen die Virus-Epidemie für die Luftfahrtindustrie noch haben wird", sagt er.

Der Flughafenchef hat da kaum Bedenken. Er geht davon aus, dass der Airport Teruel selbst dann noch viel zu tun hat, wenn der weltweite Flugbetrieb wieder langsam hochgefahren wird. Denn im Moment sind auch auf vielen Passagierflughäfen Maschinen geparkt, oft auf den Rollbahnen. Diese müssten quasi freigeräumt werden, sagt Alejandro Ibrahim: "Die Flugzeuge dort werden ja nicht auf einen Schlag alle wieder in Betrieb sein. Sie brauchen neue Stellplätze, denn der Flugbetrieb benötigt freie Rollbahnen. Es wird also dazu kommen, dass Maschinen von einem Ort zum anderen verschoben werden."

Zum Beispiel zum Flughafen Teruel, so die Vorstellung des Chefs. Flugzeuge dort abzustellen, ist außerdem günstiger für Airlines als in Frankfurt oder München. In Teruel denkt man noch einen Schritt weiter: Das Flughafengelände soll vergrößert werden, die Fläche mehr als verdoppelt auf dann rund 300 Fußballfelder. Politisch ist das schon beschlossen - umgesetzt sein wird dieser Plan aber wohl erst in ein paar Jahren, wenn Corona hoffentlich kein Thema mehr ist.

Corona-Krisengewinner: Spanischer Flugzeugfriedhof parkt Lufthansa-Jets
Oliver Neuroth, ARD Madrid
20.04.2020 06:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. April 2020 um 07:12 Uhr.

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