Eine Gruppe von Touristen mit Rollkoffern auf Mallorca | dpa

Corona-Krise in Spanien Zweite Welle erreicht Balearen

Stand: 12.08.2020 12:07 Uhr

In Spanien sind vielerorts die Grenzwerte überschritten - die zweite Corona-Welle ist längst da. Auch die Balearen mit der Hauptinsel Mallorca sind zunehmend betroffen. Die Inseln fürchten eine Reisewarnung.

Angesichts steigender Corona-Zahlen geht auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln die Angst um, zu einem Corona-Risikogebiet erklärt zu werden. Wenn die Infektionszahlen auf der bei deutschen Urlaubern beliebten Inselgruppe weiter so steigen wie bisher, könne dies bald der Fall sein, schrieb die deutschsprachige "Mallorca Zeitung".

Schwerer Schlag für Touristik

Für die extrem vom Tourismus abhängigen Inseln wäre das ein weiterer schwerer Schlag. Zuvor hatte schon die Ende Juli angeordnete Quarantänepflicht in Großbritannien für Rückkehrer aus Spanien für einen Einbruch bei den Buchungen gesorgt. Erst am Dienstagabend hatte das Auswärtige Amt in Berlin die Reisewarnung für Teile Spaniens um Madrid und das spanische Baskenland wegen der "erneut hohen Infektionszahlen" erweitert.

Bereits seit Ende Juli gilt eine deutsche Warnung vor Reisen in drei andere spanische Regionen, darunter Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava. Das geschieht in der Regel, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt.

Zahlen auf Balearen steigen

Auf den Balearen sind derzeit nach offiziellen Angaben mehr als 1000 aktive Corona-Fälle registriert. Binnen 24 Stunden seien am Dienstag 228 Neuinfektionen festgestellt worden. Erstmals kletterte der Wert am Dienstag auf leicht über 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner, zuletzt lag der Wert bei 32.

Die Regionalregierung betont, dass weit mehr als früher getestet werde und die meisten Fälle asymptomatisch seien, schrieb die "Mallorca Zeitung". Zudem würden Infektionsketten schnell unterbrochen.

Die Situation in Spanien habe mit einem Versagen der Behörden zu tun, sagt der Wissenschaftler Miguel Otero-Iglesias: "Während des Lockdowns hätte man sich vorbereiten können, wie man künftig Infektionswege besser nachvollziehen kann. Das ist nicht passiert. Es fehlt Personal." Außerdem sei der Druck aus dem Tourismus-Bereich groß gewesen, Bars und Kneipen zu öffnen. "Das war möglicherweise zu früh und wird jetzt wieder zurückgenommen."

Mit Informationen von Sebastian Kisters, ARD-Studio Madrid

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 12. August 2020 um 12:08 Uhr.