Jens Spahn | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter

Gesundheitsminister in Afrika Spahns Mission

Stand: 05.10.2019 20:31 Uhr

Gesundheitsminister Spahn reist durch Afrika. Es geht um Ebola und Migration. Und es geht um ihn - Jens Spahn.

Von Hanni Hüsch, ARD-Hauptstadtstudio, z.Zt. Goma

Der Flugkapitän der Luftwaffe salutiert, Jens Spahn grüßt zurück und schwebt die Gangway hoch - als wäre es Routine in seinem Ministerleben. Die Laune ist bestens. Der Komfort eines Regierungsfliegers hat nun mal mehr Charme als die dritte Reihe im Billigflieger. Die Knie dicht unterm Kinn - so war der Gesundheitsminister neulich noch in den Kosovo aufgebrochen, um Pflegefachkräfte zu rekrutieren. Jetzt darf er Luftwaffe fliegen, wie die Kollegen aus den wichtigen Ressorts, die im Regierungsfliegerranking immer die Nase vorn haben.

Auf der Überholspur

Spahn ist auf Afrika-Reise. Vier Länder in vier Tagen - wie immer ist Spahn auf der Überholspur. "Der schafft was weg", hat Kanzlerin Merkel neulich anerkennend gesagt. Impflicht, Konversionstherapie, Terminservicegesetz, Pflegeoffensive, Organspende - Spahn pflügt das deutsche Gesundheitswesen um.

Spahns Reise-Mantra lautet "Gesundheit kennt keine Grenzen". Addis Abeba, Kigali, Goma und Abuja sind die Stationen der Reise, die den Fokus auf die Ebola-Epidemie legen sollen. Sie trifft vor allem den Osten Kongos. Vor einem Jahr brach die Seuche aus. 2137 Tote haben die Fachleute der WHO gemeldet. Die Zahlen sind zwar rückläufig, die Heilungschancen sind gestiegen, aber von Entwarnung will niemand reden. Solange es auch nur einen Fall gibt, warnen die Gesundheitsexperten, bleibe die Situation schwierig.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht mit dem Staatsminister des ruandischen Gesundheitsministeriums Patrick Ndimubanzi. | Bildquelle: dpa
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Vier Länder in vier Tagen: Bundesgesundheitsminister Spahn spricht mit dem Staatsminister des ruandischen Gesundheitsministeriums Patrick Ndimubanzi.

Krankheiten kennen keine Grenzen

Ganz nah ran wollte der Gesundheitsminister. Zu gefährlich, beschieden die Sicherheitsleute, stattdessen rattert die Kolonne mit den weißen Jeeps und dem Minister über eine holprige Piste, die in Goma zur Grenze zwischen Ruanda und der Republik Kongo führt. Vorbei an Männern und Frauen, die ihre Waren auf Köpfen tragen oder mit abenteuerlich beladenen Dreirädern zur Grenze bringen. 60.000 Menschen überqueren diese Grenze jeden Tag. Jeder wird kontrolliert. Die Temperatur wird gemessen, Hände werden desinfiziert. Auch Krankheiten kennen keine Grenzen.

Der Minister gibt sich beeindruckt. Drei Millionen Euro hat er mitgebracht, andere Kabinettskollegen, die schon hier waren, konnten mehr ausschütten. Man merkt, es wurmt ihn.

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. | Bildquelle: AFP
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CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn: Die Niederlage im Kampf um den Parteivorsitz hat Spahn nicht geschadet.

Es rumort in der Partei

Die mitreisende Abgeordnete von der SPD sieht auch eine Art Bewerbungsauftritt. Im ruandischen Kigali spricht Spahn im Garten der deutschen Botschaftsresidenz zur Deutschen Einheit. Weltoffenen Patriotismus empfiehlt er seinen Landsleuten. Da spricht der Gesundheitsminister Plus, ein Mann mit Ambitionen.

Reisen in Regierungsfliegern rund um die Welt sind eben auch Bewerbungsschreiben. Es rumort in seiner Partei. Die Unzufriedenheit mit Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer ist unüberhörbar. Der Wahlsieg des österreichischen Polit-Jungstars Sebastian Kurz beflügelt die Diskussion. "Wer kann Kurz?", fragt die Bild. Das Spahn-Foto ist prominent gesetzt.

Natürlich rüttelt Spahn nicht laut am Zaun. Das verbietet vermutlich auch das Münsterländer Naturell. Die Niederlage im Kampf um den Parteivorsitz hat nicht geschadet, sie war strategisch einkalkuliert. Dass der prestigeträchtige Verteidigungsjob doch nicht bei ihm landete, ertrug er nach außen klaglos. Niederlagen können auch zu Siegen werden.

Spahns Thema Migration

Natürlich hört Spahns Afrikareise nicht bei der Gesundheit auf. Das Thema Migration zieht sich durch die Reiseroute von Ost nach West. In Ruanda plant die Regierung die Aufnahme von 500 Flüchtlingen aus libyschen Lagern. Eine gute Sache, lobt Spahn. Der Mann, der die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel besonders scharf kritisiert, avisiert Unterstützung.  "Gute Gesundheit reduziert den Migrationsdruck", sagt er. Auf Nebenaußenminister will er ja eigentlich nicht machen. Aber Marken hinterlassen will er sehr wohl, für die innenpolitische Diskussion, für die Partei und für seine Zukunft.

Die afrikanische Dämmerung in Goma hüllt den Flieger der Luftwaffe in ein warmes Gelb. Bundesrepublik Deutschland steht da in großen Lettern. Davor zeichnet Spahn ein Video fürs Netz auf. Dem Moment wohnt ein gewisser Zauber inne. PR-Rumms können sie im Team Spahn.

"Gesundheit kennt keine Grenzen", sagt er zum Schluss. Dann ist es Zeit zum Abheben.

Mehr zu dem Thema sehen Sie im Bericht aus Berlin am Sonntag ab 18.30 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtet die ARD in Bericht aus Berlin am 06. Oktober 2019 um 18:30 Uhr.

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